Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weniger Komplikationen nach Stammzelltransplantation bei Kindern

05.03.2012
Das Medikament Defibrotide reduziert das Auftreten einer Lebervenenverschlusserkrankung und senkt dadurch das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen und die Sterberate nach Stammzelltransplantation. Studienergebnisse in THE LANCET veröffentlicht.

Wenn Kinder z.B. aufgrund einer Leukämie-Erkrankung mit einer Stammzelltransplantation behandelt werden müssen, bekommen sie häufig schwere Nebenerkrankungen. Die sogenannte "Lebervenen-Verschlusserkrankung" (kurz VOD für veno-occlusive disease) ist eine der schwerwiegendsten Komplikationen.

Sie kann zu multiplem Organversagen und zum Tode führen. Bei Kindern tritt sie doppelt so häufig wie bei Erwachsenen auf: durchschnittlich 20 Prozent der transplantierten Kinder und 10 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Die Wahrscheinlichkeit im Verlauf einer Stammzelltransplantation zu versterben, erhöht sich mit einer VOD um das Vierfache. Bisher gibt es keine etablierte, medikamentöse Vorbeugung und keine wirksame Standardtherapie.

In einer Studie mit 360 Kindern und Jugendlichen in europaweit 30 Zentren, konnte unter der Federführung von Prof. Dr. Selim Corbacioglu, Leiter der Pädiatrischen Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation am UKR nun gezeigt werden, dass bei einer prophylaktischen Gabe des Medikaments Defibrotide weniger Komplikationen und Nebenwirkungen auftreten. Es konnte damit erstmalig in einer großen Studie gezeigt werden, dass Defibrotide in der Prävention gegen eine VOD wirksam ist und somit zur Standardtherapie werden könnte.

Die Forschungsergebnisse wurden nunmehr mit einer Veröffentlichung in einer der wichtigsten medizinischen Zeitschriften, "THE LANCET" gewürdigt. Die Defibrotide Studie ist die bis dato größte und erfolgreichste klinische Therapiestudie der europäischen Fachgesellschaft EBMT (European Group for Blood and Marrow Transplantation) und wurde bereits mit dem van-Bekkum Preis ausgezeichnet.

Ergebnisse der Studie im Einzelnen
Die Studie zeigte, dass das Auftreten einer VOD im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich reduziert werden konnte. Außerdem konnten durch Defibrotide schwerwiegende Nebenwirkungen und die Sterblichkeit aufgrund einer VOD deutlich gesenkt werden. So trat z.B. ein Nierenversagen im Vergleich zur Kontrollgruppe sechs Mal seltener auf. Es konnte damit erstmalig in einer großen Studie gezeigt werden, dass Defibrotide in der Prävention gegen eine VOD wirksam ist und somit zur Standardtherapie werden könnte.

Es wurde bestätigt, dass bestimmte Erkrankungen ein besonders hohes Risiko haben, nach Stammzelltransplantation an einer VOD zu erkranken. Dazu gehören die Osteopetrose, das Neuroblastom und das familiäre Hämophagozytose-Syndrom (HLH).

Die Ergebnisse der Studie bekräftigen Vermutungen vorangegangener klinischer Untersuchungen und grundlagenwissenschaftlicher Arbeiten, dass Defibrotide seine Wirkung an den Endothelzellen entfaltet. Endothelzellen kleiden alle Gefäße aus und spielen bei allen entzündlichen, infektiösen und immunologischen Prozessen eine wesentliche Rolle. Defibrotide scheint die Aktivität dieser Zellen so zu verändern, dass lebensbedrohliche Prozesse moduliert und abgeschwächt werden. So könnte Defibrotide außerdem in der Prävention einer akuten Transplantat-Wirt-Reaktion (Graft-versus Host Erkrankung, GvHD) eine wesentliche Rolle spielen, da durch diesen einzigartigen Wirkmechanismus beide schwerwiegenden Komplikationen nach Stammzelltransplantation ohne eine generelle Unterdrückung des Immunsystems verhindert werden könnten.
Citation:
The Lancet, Online Publication; doi:10.1016/S0140-6736(11)61938-7

Cordula Heinrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Im Focus: Studying fundamental particles in materials

Laser-driving of semimetals allows creating novel quasiparticle states within condensed matter systems and switching between different states on ultrafast time scales

Studying properties of fundamental particles in condensed matter systems is a promising approach to quantum field theory. Quasiparticles offer the opportunity...

Im Focus: Mit solaren Gebäudehüllen Architektur gestalten

Solarthermie ist in der breiten Öffentlichkeit derzeit durch dunkelblaue, rechteckige Kollektoren auf Hausdächern besetzt. Für ästhetisch hochwertige Architektur werden Technologien benötigt, die dem Architekten mehr Gestaltungsspielraum für Niedrigst- und Plusenergiegebäude geben. Im Projekt »ArKol« entwickeln Forscher des Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern aktuell zwei Fassadenkollektoren für solare Wärmeerzeugung, die ein hohes Maß an Designflexibilität erlauben: einen Streifenkollektor für opake sowie eine solarthermische Jalousie für transparente Fassadenanteile. Der aktuelle Stand der beiden Entwicklungen wird auf der BAU 2017 vorgestellt.

Im Projekt »ArKol – Entwicklung von architektonisch hoch integrierten Fassadekollektoren mit Heat Pipes« entwickelt das Fraunhofer ISE gemeinsam mit Partnern...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

Aquakulturen und Fangquoten – was hilft gegen Überfischung?

16.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

18.01.2017 | Energie und Elektrotechnik

Kompositmaterial für die Wasseraufbereitung

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Brain-Computer-Interface: Wenn der Computer uns intuitiv versteht

18.01.2017 | Informationstechnologie