Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Welternährung in der öffentlichen Wahrnehmung: Repräsentative Studie der Universität Göttingen unter 1200 Verbrauchern

15.10.2012
Ergebnis einer repräsentativen Verbraucherbefragung der Universität Göttingen zur Wahrnehmung des Themas Welternährung in der deutschen Bevölkerung: Beitrag der Landwirtschaft zur Bekämpfung des Welthungers wird unterschätzt Hunger wird als Verteilungsproblem wahrgenommen / Konsumverhalten in der EU wird für die Welternährung wichtiger empfunden als die EU-Agrarproduktion / Bei tatsächlichen Konsumentenentscheidungen spielt das Thema Welternährung aber keine Rolle / Verbraucher sehen Problemlösungskompetenz bei NGOs und Wissenschaftlern

Die Deutschen betrachten die europäische Landwirtschaft nur in geringem Maß als möglichen Problemlöser für das Welthungerproblem.

Das ist eines der Ergebnisse einer repräsentativen Verbraucherbefragung der Universität Göttingen (Lehrstuhl für Welternährungswirtschaft) im Auftrag der Heinz Lohmann Stiftung. Im März 2012 haben die Wissenschaftler 1200 Verbraucher in ganz Deutschland zu möglichen Ursachen der Welthungerproblematik und zur Kompetenz verschiedener Akteure befragt. Auch ermittelte die Online-Umfrage, in welchen Kontext die Befragten den Hunger in Entwicklungsländern und die Agrar- und Ernährungswirtschaft einordnen.

Die weltweite Nachfrage nach Getreide wächst derzeit schneller als das Angebot, so dass die Preise steigen. Bis 2050 wird die Agrarproduktion deutlich gesteigert werden müssen, um mit der Nachfrageentwicklung schrittzuhalten. Dies stellt vor dem Hintergrund des Klimawandels und knapper Ressourcen eine große Herausforderung dar. Trotzdem sieht die Mehrheit der Befragten die Lösung für das globale Ernährungsproblem nicht primär in der Landwirtschaft.

Als Hauptursachen für den Hunger gelten vielmehr Dürren, Kriege und Konflikte sowie Korruption in den Entwicklungsländern. Aspekte, die unmittelbar mit der Landwirtschaft in Verbindung stehen - wie die Bioenergie, der geringe Einsatz von modernen Technologien in den Entwicklungsländern und Nachernteverluste - schätzten die Teilnehmer der Befragung hingegen als relativ unbedeutend ein. "Dürren, Kriege und Konflikte sind häufig in den Medien, machen aber de facto nur einen kleinen Teil des Hungerproblems aus", sagt der Göttinger Agrarwissenschaftler Matin Qaim, der die Umfrage gemeinsam mit Wilhelm Klümper und Jonas Kathage verantwortet.

Hunger wird als Verteilungsproblem betrachtet

Auch die Frage, ob Hunger und Unterernährung eher eine Frage der Verteilung oder der Produktion von Lebensmitteln sind, war Gegenstand der Erhebung: Die meisten Deutschen sehen Verteilungsprobleme als Ursache für den Welthunger an. Der verstärkte Einsatz ertragreicher Sorten in der Landwirtschaft wird zwar von 75 Prozent der Befrag-ten als Verbesserung für die Welternährung betrachtet. Gleichzeitig befürchten aber 41 Prozent durch den verstärkten Einsatz von Gentechnik eine Verschlechterung. Hier werden weit verbreitete Ängste vor Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Gentechnik auf das Thema Welternährung übertragen, vermutet Qaim. Der vermehrte Einsatz der Gentechnik ist nach Meinung der Mehrheit der Befragten eine der drei Maßnahmen, die die Welternährung am stärksten verschlechtern würde.

Ähnlich negativ wird ein höherer Einsatz von Düngern und Pflanzenschutz von der Öffentlichkeit bewertet. Stattdessen versprechen sich über 70 Prozent Verbesserungen durch den Ausbau des Fairen Handels und ein Verbot der Spekulation mit Lebensmitteln.

Angesichts der medialen Aufmerksamkeit für das Spekulationsthema in den vergangenen Monaten ist dieses Ergebnis ein Indiz für den starken Einfluss der Medien als Meinungsmacher.

"Mehr Öko-Landbau" für eine verbesserte Welternährung

Auf die Rolle der konventionellen und Ökologischen Landwirtschaft angesprochen trauen die Befragten letzterer mehr zu. Fast jeder Zweite betrachtet den Ökolandbau "als vielversprechend für die Verbesserung der Welternährung." Aufgrund der Tatsache, dass die Ökologische Landwirtschaft im Gegensatz zur konventionellen als weniger ertragreich gilt, vermuten die Wissenschaftler auch hier einen starken Einfluss der Medien auf die persönliche Überzeugung.

Konsumverhalten innerhalb der EU wichtiger als landwirtschaftliche Produktion

Viele Befragte sehen im Konsumverhalten innerhalb der EU Chancen, Einfluss auf das Welternährungsproblem zu nehmen. Besonders der Bezug von regional erzeugten Lebensmitteln und fair gehandelten Produkten werden häufig genannt, ebenso der sparsame und bewusste Umgang mit Lebensmitteln. Beim tatsächlichen Kauf- und Konsumverhalten gaben die meisten jedoch an, dass das Thema Welternährung für sie persönlich keine bedeutende Rolle spielt. Insbesondere der Fleischkonsum, der in der öffentlichen Diskussion immer wieder als Problem für die Welternährung genannt wird, wird in der Realität kaum durch dieses Thema beeinflusst.

Deutsche Politiker und die Agrarwirtschaft gelten nicht als kompetent beim Thema Welternährung

Von zehn zur Auswahl stehenden Akteuren wird der Deutschen Welthungerhilfe in der Beurteilung von Fragen zur Welternährung die größte Kompetenz zugeschrieben - ganz im Gegensatz zu deutschen Politikern, die in Sachen Kompetenz bei der Welternährung das Schlusslicht bilden. Landwirtschaftliche Organisationen finden sich bei der Kompetenzzuschreibung im unteren Mittelfeld. Dem Deutschen Bauernverband wird hierbei mehr zugetraut als "Agrokonzernen", was auf Vorbehalte gegenüber der Landwirtschaft als "Agro-Industrie" in der Bevölkerung schließen lässt. Hohes Vertrauen im Hinblick auf Welternährungsfragen genießt bei den Befragten die Organisation Greenpeace, die ihre Kernkompetenz sonst eher im Bereich Umwelt hat.

Als "sehr kompetent" stufen die Befragten neben der Welthungerhilfe einzig Agrarwissenschaftler ein.

Gesellschaftliches Umdenken erforderlich

Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass die öffentliche Meinung zum Thema Welternährung stark durch positive und negative Vorurteile geprägt ist, etwa bei der Einschätzung der Rolle des Ökolandbaus, der Agrochemie oder der Gentechnik. Dies sieht Matin Qaim mit Sorge: "Pauschalurteile bringen uns nicht weiter bei so hochkomplexen Fragen wie der Zukunft der Welternährung", sagt der Wissenschaftler. Der Begriff der Nachhaltigkeit dürfe nicht gleichgesetzt werden mit traditioneller, extensiver Produktion, wie viele Verbraucher sie sich heute vorstellen. "Innovation und ressourceneffiziente Wertschöpfung werden zunehmend wichtig, um einer wachsenden Weltbevölkerung globale Ernährungssicherheit bieten zu können." Das erfordere auch ein gesellschaftliches Umdenken.

Pressekontakt:
Frank Schroedter
Engel & Zimmermann AG
Schloss Fußberg, Am Schlosspark 15, 82131 Gauting Tel. 089 / 893 563 3
Fax: 089 / 89 39 84 29
info@engel-zimmermann.de

| presseportal
Weitere Informationen:
http://www.phw-gruppe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie