Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Weizenexportverbot in Serbien

14.03.2013
Sind Exportbeschränkungen ein wirksames Instrument zum Schutz gegen Nahrungsmittelpreisinflation?

Aufgrund steigender Preisentwicklungen auf den Weltagrarmärkten beschränkten in den Jahren 2008 bis 2010 weltweit neun Länder den Export von Weizen. Neben den großen Exportländern wie Argentinien, Kasachstan, Russland und der Ukraine sprach sich auch Serbien, ein EU Beitrittskandidat, für ein Weizenexportverbot aus.

Ziel von Exportkontrollen ist es, die inländischen Agrarpreise von den Preisänderungen auf den internationalen Märkten abzukoppeln, um die Konsumenten vor hohen Nahrungsmittelausgaben zu schützen. Im Rahmen des neusten IAMO Policy Briefs gehen die Agrarökonomen Dr. Linde Götz, Ivan Djuric und Professor Thomas Glauben den Fragen nach, welche Auswirkungen das Exportverbot in Serbien auf die inländischen Preisentwicklungen für Weizen, Mehl und Brot hatte und ob bestimmte Akteure von diesen politischen Marktinterventionen profitiert haben.

Exportbeschränkungen sind staatliche Instrumente zum Schutz vor hohen Weltmarktpreisen, die das Angebot auf dem inländischen Markt erhöhen und das inländische Preisniveau bzw. die Nahrungsmittelpreisinflation dämpfen sollen. Als kleines Weizen exportierendes Land in Südosteuropa beliefert Serbien hauptsächlich die regionalen Weizenmärkte in den angrenzenden Ländern.

Überraschenderweise sind jedoch während des Exportverbots in Serbien (2007/08) die Weizen-, Mehl- und Brotpreise angestiegen. Der mehrfache Aufkauf von Weizen durch die Regierung, um die Weizenvorräte aufzufüllen, sowie die Beschränkung des Imports von Weizen mittels einer Importsteuer haben den inländischen Weizenpreis sogar über das Niveau des Weltmarktpreises ansteigen lassen.

Die Studie findet keine dämpfenden Wirkungen des Exportverbots auf die serbischen Mehl- und Brotpreise. Im Gegenteil, der Preis für Brot hat sich auf dem inländischen Markt sogar um über 50 Prozent erhöht. Diese Preisentwicklungen lassen sich nicht mit steigenden Produktionskosten, also den Kosten von Weizen, Arbeit und Energie, erklären. Die große Mühlen- und Backindustrie war von den hohen aktuellen Marktpreisen (Kassapreisen) von Weizen gar nicht betroffen, da diese über eigene Getreidelager verfügen und Weizen nur während der Ernte zu niedrigeren Preisen aufkaufen. Die Mühlen und Bäckereien haben die hohen Kassapreise jedoch geschickt genutzt, um Preissteigerungen bei Mehl und Brot zu begründen und durchzusetzen. Von den Exportbeschränkungen in Serbien haben demnach nicht die Verbraucher, sondern die Akteure auf den Zwischenstufen der Wertschöpfungskette profitiert.

„Insgesamt hat unsere Analyse gezeigt, dass die Exportkontrollen als Instrument zum Schutz vor Nahrungsmittelpreisinflation insbesondere bei Brot höchst fraglich sind. Infolge der weitreichenden globalen Konsequenzen von Exportbeschränkungen und zugleich geringer Effektivität sollte deren Einsatz auf multilateraler Ebene im Rahmen der World Trade Organization (WTO) geregelt werden“, so IAMO-Wissenschaftlerin Linde Götz.

Weiterführende Informationen

www.iamo.de/publikation/policybrief-10
IAMO Policy Brief 10 „Das Weizenexportverbot in Serbien. Sind Exportbeschränkungen ein wirksames Instrument zum Schutz gegen Nahrungsmittelpreisinflation?“

IAMO Policy Briefs

In der Publikationsreihe IAMO Policy Brief werden in loser Folge gesellschaftlich relevante Forschungsergebnisse des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) kurz und allgemeinverständlich aufbereitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zielgruppe sind insbesondere Entscheidungsträger der Politik, Medienvertreter und die breite Öffentlichkeit.

Über das IAMO

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) ist eine international anerkannte Forschungseinrichtung. Mit etwa 70 Wissenschaftlern und in Kooperation mit anderen renommierten Instituten widmet es sich drängenden Fragen der Agrar- und Ernährungswirtschaft und der ländlichen Räume. Hauptuntersuchungsregionen sind Mittel- und Osteuropa sowie Zentral- und Ostasien. Das IAMO leistet dabei einen Beitrag zum besseren Verständnis des institutionellen, strukturellen und technologischen Wandels. Für dessen Bewältigung werden Strategien und Optionen für Unternehmen, Agrarmärkte und Politik abgeleitet und analysiert. Seit seiner Gründung 1994 gehört das IAMO als außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft an.

Ansprechpartnerin für die Medien

Daniela Schimming
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Tel. +49 (0)345 2928-330
Fax +49 (0)345 2928-499
E-Mail presse@iamo.de

Daniela Schimming | idw
Weitere Informationen:
http://www.iamo.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie