Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Weg zur besseren Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten

16.11.2012
Forschungsprojekt über Patientengespräche von Prof. Lothar Schäffner

Der erste Schritt für eine erfolgreiche ärztliche Behandlung ist in der Regel das Gespräch zwischen Arzt und Patient. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen setzen hier jedoch oft enge Grenzen. Prof. Dr. Lothar Schäffner, ehemaliger Professor am Institut für Berufspädagogik und Erwachsenenbildung der Leibniz Universität Hannover, hat diesem Thema eine Untersuchung gewidmet.

Die Ergebnisse seiner Studie mit Befragungen von Ärzten und Patienten sind jetzt in dem Buch „Das Patientengespräch – Wege zur besseren Kommunikation zwischen Arzt und Patient“, Waxmann Verlag, erschienen. Erfahrenen und angehenden Ärzten sowie Patientinnen und Patienten werden darin Ratschläge für ein zielgerichtetes Verhalten und Arbeiten im Alltag gegeben.

Lothar Schäffner zeigt in seinem Buch Möglichkeiten auf, als Arzt innerhalb der wirtschaftlichen Grenzen effektiv zu arbeiten. Anhand einer explorativen Befragung macht er das Arzt-Patienten-Verhältnis deutlich und rückt das Patientengespräch als Instrument „ärztlicher Kunst“ ins Zentrum. Dabei kommen seine langjährigen Erfahrungen als Universitätsprofessor und Sozialwissenschaftler auf dem Feld der Erwachsenenbildung – zwischenzeitlich unter anderem als Leiter der Bildungsabteilung von Continental – zum Tragen.

Lothar Schäffner hat anhand von halbstandardisierten Interviews mit Patienten und mit halboffenen E-Mail-Befragungen unter Ärzten Erfahrungen, Erwartungen und Bewertungen in Bezug auf Arzt-Patienten-Gespräche erhoben. Sowohl Ärzte als auch Patienten betonen übereinstimmend die zentrale Bedeutung dieser Gespräche. Für die Patienten steht „Reden auf Augenhöhe“, nicht von oben herab behandelt und ernst genommen zu werden sowie in die Diagnose und den Therapie-Prozess einbezogen zu werden, im Mittelpunkt. Naturgemäß kommt hastiges „Abarbeiten“ der Patienten nicht gut an, ebenso wenig das schnelle Unterbrechen von Schilderungen oder auch paralleles Tippen auf dem Laptop.
Die Ärzte auf der anderen Seite erwarten, dass der Patient zu einem strukturierten, zielorientierten Gespräch beiträgt. Konkrete Beschwerden sollten möglichst genau und klar vorgebracht werden. Bei einer Vorgeschichte der Krankheit sei das Mitbringen von Vorbefunden, Arztberichten und die Information über derzeitige Medikamenteneinnahme sinnvoll. Wenn der Patient Schwierigkeiten hat, sein Anliegen verständlich zu machen, könne die Hilfe eines „Dolmetschers“ günstig sein, der als Dritter zwischen Arzt und Patient vermittele. Angesprochen wird auch Fluch und Segen der durch das Internet „vorgebildeten“ Patienten.

Diese und andere Ergebnisse der Befragungen münden in konkrete Gesprächsregeln und Grundsätze für Weiterbildungen zur Gesprächsführung. Richtlinien wie „Erzeuge beim Patienten möglichst keinen psychologischen Nebel“ oder „Beziehe den Patienten in die Problemlösung ein“ stehen im Mittelpunkt. Auch verbale Signale des „aktiven Zuhörens“ werden konkret aufgeführt. Sie können zum Beispiel lauten: „Sie denken, dass…“, „Aus Ihrer Perspektive…“, „Es hört sich so an, als ob Sie…“. Ziel ist die Entwicklung eines Leitfadens für eine Gesprächsdramaturgie. Insofern richtet sich die Publikation sowohl an Ärzte aller Fachrichtungen als auch an Patienten, die sich für die Kommunikationsstruktur zwischen Arzt und Patient interessieren. Sie kann darüber hinaus das in der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion geforderte Bestreben nach einem „mündigen Patienten“ unterstützen.

Referat für Kommunikation und Marketing
Leibniz Universität Hannover
Welfengarten 1
30167 Hannover
Tel.: 0511/762-5342
Fax: 0511/762-5391
kommunikation@uni-hannover.de

| Leibniz Universität Hannover
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
27.12.2016 | Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Im Focus: Interfacial Superconductivity: Magnetic and superconducting order revealed simultaneously

Researchers from the University of Hamburg in Germany, in collaboration with colleagues from the University of Aarhus in Denmark, have synthesized a new superconducting material by growing a few layers of an antiferromagnetic transition-metal chalcogenide on a bismuth-based topological insulator, both being non-superconducting materials.

While superconductivity and magnetism are generally believed to be mutually exclusive, surprisingly, in this new material, superconducting correlations...

Im Focus: Erforschung von Elementarteilchen in Materialien

Laseranregung von Semimetallen ermöglicht die Erzeugung neuartiger Quasiteilchen in Festkörpersystemen sowie ultraschnelle Schaltung zwischen verschiedenen Zuständen.

Die Untersuchung der Eigenschaften fundamentaler Teilchen in Festkörpersystemen ist ein vielversprechender Ansatz für die Quantenfeldtheorie. Quasiteilchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

Über intelligente IT-Systeme und große Datenberge

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der erste Blick auf ein einzelnes Protein

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das menschliche Hirn wächst länger und funktionsspezifischer als gedacht

18.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zur Sicherheit: Rettungsautos unterbrechen Radio

18.01.2017 | Verkehr Logistik