Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Was beeinflusst den Bio-Konsum?

10.08.2015

Göttinger Wissenschaftlerteam untersucht hochentwickelte und entstehende Bio-Märkte

Der Bio-Konsum in Deutschland war zu Beginn größtenteils uneigennützig motiviert, um die Umwelt und Natur zu schonen. In Chile lassen sich derzeit ähnliche Motive beobachten, wie in Deutschland vor 20 Jahren. Das hat ein Team von Nachwuchswissenschaftlern der Universitäten Göttingen und Talca herausgefunden.


Stand mit Bio-Lebensmitteln.

Foto: Universität Göttingen

Sie untersuchten am Beispiel von Deutschland und Chile die Einflussfaktoren auf den Bio-Konsum in einem hoch entwickelten und einem gerade erst entstehenden Bio-Markt. Mithilfe von Online-Fragebögen wurden je 300 chilenische und deutsche Konsumenten zu ihrer Einstellung, wahrgenommenen Hemmnissen sowie ihrem Konsumverhalten in Bezug auf Bio-Lebensmittel befragt. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Journal of Food Products Marketing erschienen.

„Der Markt für Bio-Lebensmittel wächst nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern, in denen der Öko-Landbau keine solch lange Tradition hat wie in Deutschland“, sagt Dr. Marie von Meyer-Höfer vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung der Universität Göttingen und Leiterin der Studie. Chile exportiert seit langem sehr erfolgreich Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Wein aus konventionellem Anbau. Auf dem chilenischen Lebensmittelmarkt wird Bio aber zunehmend zur Alternative. „Dieser Trend lässt sich derzeit in vielen jungen Industrie- und Schwellenländern beobachten“, so Dr. von Meyer-Höfer.

Die Pioniere des Bio-Konsums in Deutschland wollten zumeist Umwelt und Natur schonen, Nutztieren bessere Lebensbedingungen ermöglichen und kleinbäuerliche, regionale und saisonale Versorgung mit Lebensmitteln erhalten. Inzwischen gibt es neben den Bio-Pionieren von damals viele verschiedene Bio-Konsummotive.

„Häufig geht es dabei heute jedoch um egoistische Interessen wie die eigene Gesundheit. In Chile lassen sich derzeit ähnliche Konsummotive wie in Deutschland vor 20 Jahren beobachten. Die eher eigennützig geprägten Bio-Konsummotive spielen in Chile bisher eine untergeordnete Rolle“, so Dr. von Meyer-Höfer.

Während es laut Studie in Deutschland inzwischen fast immer und überall möglich ist, Bio-Lebensmittel zu kaufen und die meisten Konsumenten wenigstens eine ungefähre Vorstellung von den Unterschieden zwischen Bio und konventionellen Lebensmitteln haben, sind diese Verfügbarkeit und Informationen in Chile das größte Konsumhindernis.

Noch sind in Chile Bio-Lebensmittel nur in einigen Läden und Restaurants erhältlich, große Informationskampagnen zum Öko-Landbau und seinen Produkten gab es bisher nicht. „Es ist daher vor allem Aufgabe der Politik Anreize für den Ausbau des chilenischen Bio-Marktes und der dazugehörigen Information zu schaffen“, so Dr. von Meyer-Höfer.

Originalveröffentlichung: Marie von Meyer-Höfer, Evelyn Olea-Jaik, Carlos Antonio Padilla-Bravo & Achim Spiller (2015): Mature and Emerging Organic Markets: Modelling Consumer Attitude and Behaviour With Partial Least Square Approach, Journal of Food Products Marketing, DOI:10.1080/10454446.2014.949971.

Kontaktadresse:
Dr. Marie von Meyer-Höfer
Georg-August-Universität Göttingen
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Abteilung Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Telefon +49 (0) 171 266 75 20
E-Mail: marie.von-meyer@agr.uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/191858.html

Thomas Richter | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten