Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wärmedämmung ist keineswegs Geldverschwendung

04.04.2013
Prof. Dr. Olav Hohmeyer, Energieökonom an der Universität Flensburg, kritisiert Presseberichte über Studie zur Wärmedämmung

„Da sind einige Zahlen völlig falsch interpretiert worden“ - Prof. Dr. Olav Hohmeyer vom Zentrum für nachhaltige Energiesysteme (ZNES) der Universität Flensburg kritisiert die fehlerhafte und irreführende Interpretation der Ergebnisse einer Studie des Schweizer Forschungsinstitutes Prognos.

Das hatte im Auftrag der KfW die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der KfW-Förderprogramme für energieeffizientes Sanieren und Bauen untersucht.

In der darauffolgenden Berichterstattung, insbesondere in der Zeitung „Die Welt“, sind unglücklicherweise einige Zahlen völlig falsch interpretiert und in einen falschen Zusammenhang gestellt worden. Dadurch kommt der Autor zu dem irrigen Schluss, dass energetische Investitionen "Wahnsinn" und "Geldverschwendung" seien.

Liest man die Studie genau, lassen sich solche Aussagen daraus allerdings nicht ableiten.

„Man muss die in der Studie errechneten Investitionskosten für Sanierungen und energieeffiziente Neubauten von insgesamt 838 Mrd. € klar in ‚Ohnehin-Kosten‘ und sog. energetisch bedingte Mehrkosten trennen“ erklärt Prof. Hohmeyer. Diese Trennung nehme die Studie - entsprechend gängiger wissenschaftlicher Praxis - auch korrekt vor.

‚Ohnehin-Kosten‘ sind Kosten, die bei einer Sanierung zwangsläufig anfallen, also z.B. für die Ausbesserung des Mauerwerks, die Fassadenfarbe oder das Gerüst. Energetische Mehrkosten sind Kosten, die zusätzlich für Wärmedämmung oder die Erneuerung einer eine effiziente Heizungsanlage anfallen. Und lediglich diese energetischen Mehrkosten von nur 237 Mrd. € darf man den errechneten Energiekostenersparnissen von 372 Mrd. € gegenüberstellen.

Damit kehrt sich die Interpretation der Studie völlig um.

Der Autor der „Welt“ hatte durch den Vergleich der Einsparungen mit den gesamten Investitionskosten den Eindruck erweckt, energetische Sanierungen seien völlig unwirtschaftlich.

„Tatsächlich beweist die Studie aber das genaue Gegenteil. Es lohnt sich weiterhin, Gebäude energetisch zu sanieren. Je früher man damit beginnt, desto größer sind die insgesamt eingesparten Energiekosten“ so Prof. Hohmeyer.

Die Studie des Prognos-Instituts hat zudem ausschließlich volkswirtschaftliche und nicht einzelwirtschaftliche Wirkungen betrachtet. Eine direkte Übertragung der Ergebnisse auf einzelne Gebäude ist damit nicht möglich.

Überdies kommt die Studie sogar zu dem Schluss, dass die staatlichen Erlöse durch höhere Steuereinnahmen insgesamt deutlich über den Ausgaben für die KfW-Förderungen liegen.

Vor diesem Hintergrund erscheint die in der Presse verbreitete harsche Kritik an energetischen Sanierungen alles andere als gerechtfertigt. Energetische Sanierungen und die dazu angebotenen Fördermöglichkeiten lohnen sich also sowohl für den Hauseigentümer als auch für den Staat.

Ansprechpartner:

Martin Jahn, M. Eng.
Zentrum für nachhaltige Energiesysteme
Energie- und Umweltmanagement Universität Flensburg
Munketoft 3b
D-24937 Flensburg
Tel: +49(0)461 805-2982
Fax: +49(0)461 805-2532
martin.jahn@uni-flensburg.de

Kathrin Fischer | idw
Weitere Informationen:
http://www.znes-flensburg.de
http://www.uni-flensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Studie „Education first! Bildung entscheidet über die Zukunft Sahel-Afrikas“
29.11.2017 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Zukunftsstudie zum Autoland Saarland veröffentlicht
29.11.2017 | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

Materialinnovationen 2018 – Werkstoff- und Materialforschungskonferenz des BMBF

13.12.2017 | Veranstaltungen

Innovativer Wasserbau im 21. Jahrhundert

13.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Was für IT-Manager jetzt wichtig ist

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

30 Baufritz-Läufer beim 25. Erkheimer Nikolaus-Straßenlauf

14.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungsnachrichten