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Vorhofflimmern geht mit Depressionen einher – Studie empfiehlt Screening

26.06.2013
Viele Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern leiden an Depressionen, Schlafstörungen und sind körperlich wenig aktiv.

Diese Einschränkungen der Lebensqualität werden allerdings häufig von den Ärzten, die die Vorhofflimmerpatienten behandeln, nicht richtig erkannt. Das hat eine Studie des Kompetenznetzes Vorhofflimmern (AFNET) herausgefunden. Die Ergebnisse wurden auf dem EHRA EUROPACE Congress vorgestellt, der vom 23. bis 26. Juni 2013 in Athen, Griechenland, stattfand.

Elektrophysiologen schätzen die Lebensqualität und insbesondere die psychische Verfassung von Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern besser ein als die Betroffenen selbst. Anzeichen von Depressionen, Schlafstörungen und geringer körperlicher Aktivität treten häufig bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern auf, auch wenn diese nicht an weiteren Herzerkrankungen leiden.

Dies sind Ergebnisse einer Untersuchung, die der Psychosomatiker Prof. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz Zentrum München im Rahmen des Kompetenznetzes Vorhofflimmern (AFNET) durchgeführt hat. Die Daten für die Analyse stammen aus der ANTIPAF – AFNET 2 Studie (Angiotensin II Antagonist in Paroxysmal Atrial Fibrillation trial), die im Kompetenznetz Vorhofflimmern unter der Leitung von Prof. Andreas Götte, Paderborn getestet hat, ob Angiotensin II Rezeptorblocker das Auftreten von paroxysmalem Vorhofflimmern reduzieren.

Zur Therapie von Vorhofflimmern gibt es unterschiedliche Strategien – Frequenzregulierung oder rhythmuserhaltende Behandlung – wobei sich keine dieser Strategien als überlegen hinsichtlich des Überlebens oder des Schlaganfallrisikos erwiesen hat. Daher muss der behandelnde Arzt in jedem Einzelfall entscheiden, welcher Behandlungsansatz für den betreffenden Patienten langfristig am besten ist.

„Elektrophysiologen machen ihre Entscheidung für eine mehr oder weniger aggressive Therapie normalerweise davon abhängig, wie stark das Vorhofflimmern den Patienten belastet. Dabei sollten allerdings nicht nur körperliche Symptome, sondern auch die psychische Verfassung und Lebensqualität des Patienten berücksichtigt werden. Wenn ein Kardiologe nicht weiß, dass sein Patient an Depression leidet, kann er ihm möglicherweise nicht die optimale Behandlung bieten.“, sagt Prof. Ladwig. „Eine gute Verständigung zwischen Arzt und Patient sind von höchster Bedeutung für die Einhaltung der medikamentösen Therapie und die Langzeitprognose.“

Prof. Ladwig und Kollegen haben ausgewertet, in wie weit die Beurteilung der psychischen Verfassung eines Patienten durch den Arzt mit der Selbsteinschätzung des Patienten übereinstimmt. Der Grad an Übereinstimmung ist ein gutes Maß für die Kommunikation und das gegenseitige Verständnis von Arzt und Patient.

Zwischen Februar 2004 und September 2008 wurden 334 Patienten der ANTIPAF Studie (41 Prozent Frauen, 59 Prozent Männer) mit paroxysmalem Vorhofflimmern und ohne weitere Herzerkrankungen sowie ihre behandelnden Ärzte aus 43 Kliniken und Praxen in Deutschland befragt. Arzt und Patient wurden gebeten, jeweils unabhängig voneinander die gesundheitsbezogene Lebensqualität des Patienten einzuschätzen. Die Patienten füllten dazu einen standardisierten Fragebogen zur Selbsteinschätzung (SF-12) aus. Die Ärzte beurteilten die Lebensqualität ihrer Patienten, nachdem diese die Klinik verlassen hatten, ebenfalls anhand eines Standardformulars (SF-8). Die Ärzte hatten dabei keinen Zugang zu den von den Patienten ausgefüllten Fragebögen.

Die Daten wurden nach statistischen Verfahren (Intra-Klassen-Korrelation, Bland-Altman-Diagramme) ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Ärzte die Lebensqualität ihrer Patienten höher eingeschätzt haben als die Patienten selbst. Das gilt sowohl für die psychischen als auch für die physischen Komponenten der Lebensqualität. Bei Depression zeigten sich abweichende Einschätzungen von Arzt und Patient sowohl im psychischen als auch im physischen Bereich. Schlafstörungen waren mit Nichtübereinstimmung bei den psychischen Komponenten assoziiert, körperliche Inaktivität mit Nichtübereinstimmung hinsichtlich der physischen Komponenten.

„Wenn man bedenkt, welch hohen Stellenwert die Lebensqualität in der Behandlung von Vorhofflimmern hat, ist das Ausmaß an Nichtübereinstimmung zwischen Arzt und Patient erstaunlich hoch. Das verdeutlicht, dass Ärzte trainiert werden müssen, damit sie Depressionen bei ihren Patienten erkennen. Außerdem wäre ein gezieltes Depressions-Screening in allen Kliniken und Praxen, die Vorhofflimmern behandeln, notwendig.“ Davon ist Prof. Ladwig überzeugt. Weitere Studien sollen erforschen, ob Maßnahmen wie Ärztetraining oder Screening die Lebensqualität und den zugrundeliegenden Gesundheitszustand der Vorhofflimmerpatienten verbessern können.

Das Kompetenznetz Vorhofflimmern
Das Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) ist ein interdisziplinäres bundesweites Forschungsnetz, in dem Wissenschaftler und Ärzte aus Kliniken und Praxen zusammenarbeiten. Ziel der Forschungsprojekte, klinischen Studien und Register, die im Kompetenznetz Vorhofflimmern durchgeführt werden, ist es, die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das Netzwerk besteht seit 2003 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Netzwerkzentrale befindet sich am Universitätsklinikum Münster.
Kontakt:
Prof. Karl-Heinz Ladwig
Helmholtz Zentrum München
ladwig@helmholtz-muenchen.de

Prof. Andreas Götte
St. Vincenz-Krankenhaus GmbH, Paderborn
andreas.goette@vincenz.de

Pressekontakt:
Dr. Angelika Leute
a.leute@t-online.de
Tel: 0202 2623395

Dr. Angelika Leute | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
http://www.clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00098137

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