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Versteckter Zucker ähnlich schlecht wie Fett

22.04.2010
Risiko für Herzkrankheiten steigt durch gesüßte Lebensmittel

Wer sich oft von süßer Nahrung verleiten lässt, schädigt dabei sein Herz. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Emory University im "Journal of the American Medical Association". Sie untersuchten acht Jahre lang die Ernährungsgewohnheiten von 6.000 Erwachsenen und maßen ihre Blutwerte.

Diejenigen, die am meisten versteckten Zucker konsumierten, hatten die höchsten Risikowerte für Herz und Kreislauf. Laut den Forschern handelt es sich um die erste Langzeit-Untersuchung dieser Art, wobei sich zu Karies, Diabetes und Übergewicht eine neue Gefahr durch versteckten Zucker gesellte.

Täglich 46 Löffel unsichtbarer Zucker

Das Augenmerk der Forscher lag ausschließlich bei den Zuckerzusätzen von industriell gefertigten Nahrungsmitteln. Je nachdem wie viel dieser Zusätze die Studienteilnehmer in ihrer Nahrung konsumierten, wurden sie fünf Gruppen zugeordnet. Die Spitzenverbrauchs-Gruppe nahm täglich 46 Teelöffel davon zu sich, die zuckersparendste nur drei. Der mittlere Tageskonsum dieser "versteckten Zucker" lag bei 90 Gramm, was 359 Kalorien oder knapp ein Sechstel des durchschnittlichen Kalorienkonsums eines US-Amerikaners ausmacht. 1977 betrug dieser Anteil nur ein Zehntel.

Was erhoben werden sollte, war jedoch der Zusammenhang dieses Konsums zu den Gesundheitswerten, die für Herz- und Kreislauferkrankungen aussagekräftig sind. Das waren vor allem die Blutfettwerte wie Triglyceride und das "schlechte" LDL-Cholesterin, sowie zum Vergleich auch das "gesunde" HDL-Cholesterin. Tatsächlich waren diese Werte in der Gruppe, die viel Gesüßtes aßen, deutlich ungünstiger als bei den Zuckersparern. Der Unterschied im HDL-Cholesterin zwischen der Gruppe mit den wenigsten und den meisten Zuckerzusätzen betrug sogar bis zu 300 Prozent.

Krank machender Verkaufstrick der Industrie

"Hohe Triglycerid- und Cholesterin-Werte kommen nicht nur durch fettreiche Ernährung zustande. Zucker hat denselben Effekt", so die Schlussfolgerung von Studienleiterin Miriam Vos. Die Steigerung der täglich konsumierten Menge sei eine Folge der allgemeinen Entwicklung in der Nahrungsmittelproduktion. "Versteckter Zucker wird in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger eingesetzt - besonders in Fertignahrung oder in vorbereiten Lebensmitteln. Denn der süße Geschmack steigert beim Kunden den Anreiz zum Kaufen", erklärt die Forscherin.

Dass zuviel Zucker schlechte Auswirkungen auf die Triglyceride im Blut haben kann und somit auch eine Gefahr für das Herz darstellt, wurde schon bisher diskutiert (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/100309003/ ). "Der Einfluss auf das Cholesterin ist jedoch neu", sagt Sabine Dämon, Ernährungswissenschafterin bei SIPCAN (Special Institute for Preventive Cardiology And Nutrition) http://www.sipcan.at , gegenüber pressetext. Bisher sei der Zusammenhang als Nebenfolge des Übergewichts durch hohen Zuckerkonsum vermutet worden.

Genauer Blick im Supermarkt

Um Herz und Kreislauf über lange Zeit gesund zu halten, rät Dämon, Lebensmittel beim Kauf nach Zuckerzusätzen zu überprüfen und letztere möglichst zu reduzieren. "Auskunft gibt die Nährwerttabelle, wobei Zucker häufig in den Kohlenhydrat-Angaben versteckt wird. Notfalls liest man die Zutatenliste und schließt den Gehalt aus der Reihung. Je früher Zucker aufscheint, desto größer sein Anteil", so die Expertin. Durch Umschreibungen wie Glucose, Fructose oder Saccharose könne der Zucker allerdings zusätzlich versteckt werden.

"Der Konsument muss bei manchen Produkten schon sehr mündig sein, um den tatsächlichen Zuckergehalt feststellen zu können. Die Ampelkennzeichnung könnte hier einiges erleichtern", resümiert Dämon. Auf der sicheren Seite sei man, wenn man mit bestimmten Produktgruppen möglichst sparsam umgehe. "Dazu gehören Süßigkeiten, Limonaden, Fruchtsäfte mit zugesetztem Zucker wie auch Fertigprodukte und verarbeitete Lebensmittel allgemein", so die Ernährungswissenschafterin.

Download der Studie unter http://jama.ama-assn.org/

Johannes Pernsteiner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.emory.edu

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