Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Versorgung Schwerstkranker in häuslicher Pflege verbesserungswürdig

06.04.2009
Nahezu jeder zweite Patient in häuslicher Pflege mit schwerer unheilbarer Erkrankung leidet unter mittleren bis starken Schmerzen.

Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der Leipziger Studie "Möglichkeiten und Grenzen häuslicher Palliativversorgung von Tumorpatienten". In Leipzig wurden im Zeitraum von rund zwei Jahren 100 häuslich versorgte Palliativpatienten mit einer Tumorerkrankung, ihre pflegenden Angehörigen und die beauftragten Pflegedienste zu mehreren Zeitpunkten befragt. Die zentrale Fragestellung der Studie lautete, welche Faktoren eine optimale Versorgung zu Hause fördern oder behindern.

Es zeigte sich, dass Dreiviertel der Patienten unter starker Schwäche (75,8%) und Müdigkeit (63,7%) litten. Neben diesen Hauptsymptomen fühlte sich knapp die Hälfte der Patienten depressiv (44%) und jeder etwa vierte Patient (26,4%) gab an, mäßige bis starke Angst zu haben und angespannt zu sein. "Bei 42 Prozent der Patienten traten mehrere gravierende Krankheitserscheinungen gleichzeitig auf", heißt es in der Studie. Auch die pflegenden Angehörigen stehen unter hohem psychosozialen Druck. "Dabei ist es der Wunsch vieler Patienten, in ihrem Zuhause zu sterben", sagt Diplompsychologin Heide Götze, Leiterin des Forschungsprojektes an der medizinischen Fakultät der Universität.

Die pflegenden Angehörigen leiden am meisten unter Schlafstörungen, Erschöpftheit und Schmerzen. Hinzu kommen Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Anspannung und die Sorge um ihre Partner beziehungsweise Eltern. Pflegende Männer wiesen, laut Studie, eine höhere Lebensqualität auf, bei Frauen ist diese signifikant schlechter. Fast jede dritte Frau, die einen Palliativpatienten pflegte, habe zudem ein hohes Risiko, durch die Pflegebelastung psychosomatische Symptome zu entwickeln.

"Die pflegenden Angehörigen fühlen sich häufig mit der Situation allein gelassen und unsicher", beschreibt Heide Götze. "Oft wurde uns gesagt, dass ihnen Ansprechpartner fehlten, zum Beispiel jemand, der in belastenden Situationen telefonisch zu erreichen wäre. Dabei geht es nicht nur um medizinische Unterstützung, sondern insbesondere um psychosoziale Hilfen."

Das Durchschnittsalter der Pflegenden beträgt 71 Jahre. In 82 Prozent der Fälle pflegen die Partner, 18 Prozent der Pflegenden sind die Kinder oder andere Angehörige.

Trotz der hohen Belastung sind sich Patienten und Angehörige jedoch einig: Als größten Vorteil der häuslichen Palliativversorgung sahen alle die individuelle Betreuung in der gewohnten Umgebung und das gemeinsame Leben mit der Familie. Probleme entstünden jedoch durch bürokratische Hindernisse und durch mangelhafte Kooperation der an der Pflege Beteiligten wie beispielsweise Hausärzte und Pflegedienste.

"Die psychosoziale Betreuung für Patienten und Familienmitglieder sowie eine stärkere Vernetzung der Leistungserbringer wie Krankhäuser und ambulante Pflegedienste sind notwendig, um die Situation für alle Beteiligten zu verbessern", fasst die Projektleiterin die Ergebnisse zusammen. Finanziert wurde das Forschungsprojekt durch die Else Kröner-Fresenius-Stiftung.

Susanne Weidner

Diplompsychologin Heide Götze
Tel.: 0341 97-15415
heide.goetze@medizin.uni-leipzig.de
Soziologin Andrea Perner (M.A.)
Tel.: 0341 97-15403
andrea.perner@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de
http://www.uni-leipzig.de/~sasm/projekte/goetze02.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics