Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verschwendung blockiert Innovationen

17.11.2010
Unternehmen benötigen Innovationen. Wie aber soll man sich mit Neuem beschäftigen, wenn dafür keine zusätzlichen Mittel bereitgestellt werden? Dass Innovation und Rationalisierung nicht immer im Konflikt zueinander stehen, zeigt eine aktuelle Studie am Beispiel des Patentmanagements. Dort ist das teure Know-how der Mitarbeiter zu fast 90% in Verwaltungsroutinen gebunden und steht somit für die „kreativ-schöpferischen Prozesse“ im Unternehmen gar nicht erst zur Verfügung.

Nicht nur die jüngste Krise hat verdeutlicht, wie schnell einzelne Unternehmensabteilungen unter Rechtfertigungszwang geraten. Der steigende Wettbewerbs- und Kostendruck geht auch an den unterstützenden Funktionsbereichen nicht mehr vorbei. Die Frage nach dem Wertschöpfungsbeitrag und den Alleinstellungsmerkmalen („USPs“) von Supportabteilungen wie dem Personal-, Qualitäts- und Ideenmanagement rückt zunehmend in den Fokus der Diskussion.

Das Institut für angewandte Innovationsforschung an der Ruhr-Universität Bochum ist dieser Frage für das Patentmanagement nachgegangen. In einer aktuellen Studie wurden 2.000 patentaktive Unternehmen nach dem Status-quo, den Herausforderungen und Zukunftsaussichten des Patentmanagements befragt. Laut der Studie liegt der Schwerpunkt der Arbeit des Patentmanagements bisher in der Ausarbeitung von Patentanmeldungen, der Kommunikation mit dem Patentanwalt und der Abwicklung von Arbeitnehmererfindervergütungen. Nimmt man noch die Beobachtung von Wettbewerbspatenten und das Aufspüren von Patentierungslücken hinzu, binden diese Aktivitäten fast 90% der verfügbaren Zeit von Patentmanagern.

Fraglich für die Forscher ist jedoch, ob die Konzentration auf das Patentieren und die Verwaltung des Patentbestandes in Zukunft ausreichen werden, um die hohen Kosten des Patentmanagements zu rechtfertigen. Dies gilt umso mehr, wenn sich herausstellt, dass vielfach erhebliche Professionalisierungsreserven bestehen: So gibt etwa ein Drittel (30,1%) der befragten Patentmanager an, dass in ihren Unternehmen notwendige Entscheidungen im Patentierungsprozess häufig nur mit erheblichen zeitlichen Verzögerungen zustande kommen. Aus Sicht jedes fünften (21,3%) Patentmanagers mangelt es an Standards für die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen wie der Forschung und Entwicklung oder dem Marketing. Jeder vierte Patentmanager (24,7%) bemängelt das Fehlen einer systemtischen Verwaltung des Patentbestandes, so dass zum Teil Patente gehalten werden, obwohl gar keine Verwertung mehr beabsichtigt ist. In vielen Fällen (40%) werden noch nicht einmal die Patentkosten systematisch erfasst. Nicht selten mangelt es dabei schon an den entsprechenden IT-Voraussetzungen für ein ressourcenschonendes Patentmanagement. Andere allzu komplexe Tools etwa zum Patent-Portfoliomanagement sind – so die Bochumer Forscher – oft nicht Teil der Lösung, sondern des Problems. Während in produzierenden Bereichen immer wieder mit Nachdruck Rationalisierungsreserven erschlossen werden, ist das ressourcenschonende Arbeiten in den unterstützenden Bereichen und im Overhead längst noch nicht etabliert.

„Werte zu schaffen ohne unnötige Verschwendung“ ist eine der wichtigsten Leitlinien wirtschaftlichen Handelns und sollte künftig auch viel stärker als bisher Orientierungsgröße für die (Neu-)Ausrichtung aller unterstützenden Einheiten in den Unternehmen sein. Gelingt es, bisher ungenutzte Effizienzpotenziale zu erschließen, eröffnen sich gute Möglichkeiten, nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch Kapazitäten zu schaffen, um sich offensiver in Innovationsprozesse einzubringen. Im Patentmanagement sind die Voraussetzungen dafür nach Aussagen der Innovationsforscher sogar besonders günstig. Prof Dr. Friedrich Kerka: „Da Patentmanager nicht nur über ausgeprägtes Recherche-Know-how, sondern in den meisten Fällen (75,1%) auch über einen naturwissenschaftlich-technischen Ausbildungs- und Erfahrungshintergrund verfügen und damit – im Gegensatz zu vielen anderen um Innovationen Bemühten – auch beurteilungsfähig sind, könnten gerade sie besondere Impulsgeber für Innovationen sein.“

Wie die Studie jedoch zeigt, sind die IP-Experten bislang über die traditionellen Aufgaben der Patentierung und Verwaltung des Patentbestandes hinaus kaum in die Innovationsprozesse eingebunden. Fast 40% der befragten Patentmanager berichten, dass sie an „Kreativterminen der Fachabteilungen“ nur selten teilnehmen. Sogar zwei Drittel (62,2%) der Befragten geben an, dass die Suche nach Innovationsmöglichkeiten im Patentmanagement methodisch auch nicht unterstützt wird. Kein überraschendes Ergebnis, berücksichtigt man, dass in der Hälfte (49,1%) der befragten Unternehmen dem Patentmanagement eine Rolle als Impulsgeber für Innovationen gar nicht zugedacht ist.

Das Institut für angewandte Innovationsforschung hat auf Basis der Studienergebnisse Handlungsempfehlungen entwickelt, wie eine bessere Integration des Patentmanagements in das Innovationsmanagement gelingen kann. Eine umfassende Benchmarkanalyse gibt zudem Aufschluss über die unterschiedlichen Organisationsformen sowie die Kosten einer Patentmanagementabteilung, über den durchschnittlichen Patentbestand oder auch die verschiedenen Einsatzgebiete der Schutzrechte.

Die vollständige Studie „Patentmanagement als Innovationstreiber – Wie Patentmanager ihren Wert für das Unternehmen erhöhen können“ kann über das IAI zum Preis von 89,- € bezogen werden.

Kontaktadresse:
Institut für angewandte Innovationsforschung (IAI) e.V.
Buscheyplatz 13, 44801 Bochum
Tel.: 0234/97117-0  Fax: 0234/97117-20
E-Mail: info@iai-bochum.de

Prof. Dr. Markus Thomzik | idw
Weitere Informationen:
http://www.iai-bochum.de
http://www.iai-bochum.de/aktuelles/news/257-patentstudie.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie