Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warum versagt die Leber?

12.06.2009
Universitätskliniken gründen bundesweite Studiengruppe zur Erforschung des akuten Leberversagens

Wenn die Leber spontan ihren Dienst versagt, geht es schnell um Leben oder Tod. 100 bis 200 Fälle des akuten Leberversagens gibt es schätzungsweise jährlich in Deutschland. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen. Auch die Ursachen der zwar seltenen, doch sehr dramatisch verlaufenden Erkrankung kennen die Mediziner in vielen Fällen noch nicht.

Um diese Situation zu ändern, haben im Rahmen des 6. HepNet Symposiums Anfang Juni in Hannover rund 20 Universitätskliniken eine bundesweite Studiengruppe zur Erforschung des akuten Leberversagens gegründet.

Die Acute Liver Failure Study Group Germany wurde initiiert von Prof. Guido Gerken, Universitätsklinikum Essen, Prof. Michael P. Manns, Medizinische Hochschule Hannover, und Prof. Christian Trautwein, Universitätsklinikum Aachen. Die interdisziplinäre Forschergruppe steht unter dem Dach der Deutschen Leberstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Ihre Ziele sind die Verbesserung der klinischen Versorgung und die Grundlagenforschung auf dem Gebiet des akuten Leberversagens. Die neu gegründete Studiengruppe kann dabei auf ein Vorbild in den USA und auf die konkreten Erfahrungen der bereits seit 2005 am Universitätsklinikum Essen bestehenden Acute Liver Failure Study Group Nordrhein-Westfalen aufbauen.

"Wir brauchen dringend bundesweite epidemiologische und immunologische Daten, um die Frage zu klären, welche Rolle bei uns in Deutschland das Medikament Paracetamol als Ursache für das akute Leberversagen spielt", sagt Privatdozent Dr. Ali Canbay von der Studiengruppe am Uniklinikum Essen. "Warum erkranken so häufig bis dahin gesunde, junge Frauen?" Neue Prognose-Scores seien erforderlich, um verlässlich entscheiden zu können, welche Patienten zu welchem Zeitpunkt eine Notfall-Lebertransplantation benötigen.

"Wir freuen uns deshalb sehr, dass so viele der angeschriebenen Leberzentren schon bei der Gründungssitzung in Hannover dabei waren", sagt Prof. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und Mitinitiator der Studiengruppe. "Kein deutsches Zentrum hat allein genug Patienten, um zu validen Aussagen und Zahlen zu kommen. Zusammen werden wir aber gute Studien mit hoher Aussagekraft durchführen können."

Neben der Einrichtung eines bundesweiten Datenregisters, in dem die epidemiologischen Daten der Patienten anonymisiert gesammelt werden, soll als nächster Schritt eine Blut- und Gewebebank gegründet werden, um den Ursachen der lebensbedrohlichen Erkrankung auf die Spur zu kommen. Sie sind weltweit sehr unterschiedlich, wie Dr. Johannes Hadem von der Medizinischen Hochschule Hannover erläutert: "Während in den USA und Großbritannien Paracetamol der Verursacher Nummer 1 für akutes Leberversagen ist, ruft in den asiatischen Ländern ganz überwiegend die schwere Infektion mit dem Hepatitis B-Virus den plötzlichen Funktionsausfall der Leber hervor. Darüber hinaus sind bei vielen Patienten die Gründe des akuten Leberversagens absolut unklar." Gerade diesen Patienten rette meist nur noch eine notfallmäßige Transplantation das Leben.

Die Deutsche Leberstiftung verfolgt das Ziel, die Patientenversorgung durch die Förderung der Forschungsvernetzung zu verbessern und die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen zu steigern.

Kontakt:
Deutsche Leberstiftung
Claudia Biehahn
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel | 0511 - 532 6811 / 6819
Handy | 0171 - 47 38 227
Fax | 0511 - 532 6820
E-Mail | presse@deutsche-leberstiftung.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-leberstiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Erste großangelegte Genomstudie prähistorischer Skelette aus Afrika
27.09.2017 | Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 65 neue genetische Risikomarker für Brustkrebs entdeckt

Manche Familien sind häufiger von Brustkrebs betroffen als andere. Dies kann bislang nur teilweise durch genetische Risikomarker erklärt werden. In einem weltweiten Verbund haben Forscher nun 65 weitere Erbgutvarianten identifiziert, die zum Brustkrebsrisiko beitragen. Die Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Forscher erwarten, dass die Ergebnisse dazu beitragen, Screeningprogramme und die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern.

Seit Angelina Jolies medienwirksamer Entscheidung, sich vorbeugend die Brüste entfernen zu lassen, ist der genetische Hintergrund von Brustkrebs auch einer...

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fettstoffwechsel beeinflusst Genaktivität

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Forscher der Universität Hamburg entdecken Mechanismus zur Verdopplung von Pflanzengenomen

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bakterielle Toxine im Darm

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie