Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vernetzte Landschaften nützen Natur und Landwirtschaft

20.11.2013
Agrarlandschaften gehören in Deutschland zu den Lebensräumen, in denen bis heute der stärkste Rückgang der Biodiversität zu verzeichnen ist.

Der Rückgang naturnaher Landschaftselemente reduziert die Artenvielfalt und wirkt sich negativ auf Ökosystemdienstleistungen wie die natürliche Schädlingskontrolle und Bestäubung aus.


Zahlreiche Kulturpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen: Eine Wildbiene der Gattung Andrena (Sandbienen) im Anflug auf Kirschblüten.

Foto: Christof Schüepp, Universität Koblenz-Landau

Durch welche Maßnahmen diese Leistungen der Natur gefördert werden können, haben Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau untersucht. Dabei hat sich gezeigt: Vernetzte Lebensräume in der Agrarlandschaft nützen nicht nur der Artenvielfalt, sondern auch der Landwirtschaft.

Ökosysteme erfüllen zahlreiche Funktionen, die dem Menschen zugutekommen. Zu den bekanntesten dieser sogenannten Ökosystemdienstleistungen zählen die Bestäubung von Kulturpflanzen und die natürliche Regulation landwirtschaftlicher Schädlinge.

Im Rahmen des Projekts FRAGMENT haben Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau gemeinsam mit Schweizer Forschungseinrichtungen untersucht, welche Maßnahmen die Bestäubung von Nutzpflanzen fördern. Hierfür haben sie über zweihundert Kirschbäume in dreißig unterschiedlichen Landschaften gepflanzt und über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet.

Im Mittelpunkt der Studie stand die Frage, welche naturnahen Strukturen wie Gehölze und Hecken den Bestäubern dienlich sind und wie weit sie entfernt sein dürfen, damit Bienen und andere Bestäuber von ihnen profitieren.

Bestäuber brauchen Lebensräume

Die Studie machte offensichtlich, dass eine große Anzahl an Gehölzen als Bestäuber-Lebensräume in der umgebenden Landschaft die Aktivität von Bestäubern – vor allem von Wildbienen – an den Kirschbäumen vervielfachte. Der Fruchtansatz der Kirschen hängt dabei allerdings stärker von der Isolation zu umliegenden Kirschbäumen, also von der Verfügbarkeit arteigenen Pollens ab. Für das Verständnis der Blütenbestäubung muss also die umgebende Landschaft berücksichtigt werden. In der Landschaft wiederum ist sowohl die Verteilung (Fragmentierung) von Lebensräumen für die Bestäuber als auch die Verteilung der Pflanzen wichtig. Um die biologische Vielfalt und die Bestäubung sicherzustellen, ist es notwendig, Agrarlandschaften mit Gehölzen, Hecken und Wiesen zu vernetzen.

„Unsere Untersuchung zeigt, dass die Blütenbestäubung von der Fragmentierung von Agrarlandschaften doppelt betroffen ist: Die Aktivität der bestäubenden Insekten nimmt ab und die Pflanzen werden räumlich voneinander isoliert. Beides reduziert den Bestäubungserfolg“, resümiert Professor Dr. Martin Entling vom Institut für Umweltwissenschaften Landau. „In der Folge führt der Rückgang naturnaher Lebensräume in intensiv genutzten Agrarlandschaften zu einer Abnahme der Biodiversität. Dadurch werden die Dienstleistungen des Ökosystems gefährdet, von denen der Mensch profitiert.“

Landwirtschaftlichen Nutzen quantifizieren

Mittlerweile fördert die Europäische Union (EU) Maßnahmen wie das Anlegen von blühenden Feldsäumen und Hecken, um die Biodiversität und das Vorkommen nützlicher Arten wie Wildbienen zu erhalten. Ein wichtiges Argument für solche Maßnahmen ist, den Nutzen von Ökosystemdienstleistungen für die Landwirtschaft zu quantifizieren. „Ökosystemdienstleistungen wie Bestäubung und Schädlingskontrolle kommen allen zugute“, ergänzt Professor Martin Entling. „Sie erhalten die Biodiversität und sichern die Erträge der Landwirtschaft.“

Ökosystemdienstleistungen müssen daher auch unter dem Gesichtspunkt untersucht werden, wie sie sich ertragssteigernd und kostensenkend auf die Landwirtschaft auswirken. Hierfür ist eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit erforderlich – wie die Kooperation von Naturwissenschaften und Umweltökonomie am Institut für Umweltwissenschaften Landau, das im Rahmen des EU-Projekts QUESSA den Beitrag naturnaher Lebensräume für landwirtschaftliche Ökosystemdienstleistungen quantifiziert.

Die Studie:
„Disentangling multiple drivers of pollination in a landscape-scale experiment“, Christof Schüepp, Felix Herzog and Martin Entling. Die Studie wurde am

13. November 2013 in den „Proceedings of the Royal Society of London B: Biological Sciences“ veröffentlicht: http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1774/20132667.abstract

Kurzprofil Institut für Umweltwissenschaften Landau
Das Institut für Umweltwissenschaften Landau betreibt grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung, in deren Fokus die vielfältigen Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt stehen. Das Institut vereint die Expertisen von neun interdisziplinären Arbeitsgruppen damit aktuelle Forschung vom Molekül über Ökosysteme bis zur menschlichen Gesellschaft. Das Institut für Umweltwissenschaften Landau wurde 2004 an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau gegründet. Weitere Informationen: http://www.umwelt.uni-landau.de

Kontakt:

Universität Koblenz-Landau
Prof. Dr. Martin Entling
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-31537
E-Mail: entling@uni-landau.de
Pressekontakt:
Universität Koblenz-Landau
Kerstin Theilmann
Referatsleiterin Öffentlichkeitsarbeit
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-32219
E-Mail: theil@uni-koblenz-landau.de
Fink & Fuchs Public Relations AG
Ralf Klingsöhr
Paul-Heyse-Str. 29
80336 München
Tel.: (089) 589787-12
E-Mail: ralf.klingsoehr@ffpr.de
Weitere Informationen:
http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1774/20132667.abstract
Studie
http://www.umwelt.uni-landau.de
Instituts-Homepage

Bernd Hegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koblenz-landau.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops