Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verlierer der Globalisierung

16.12.2008
Eine neu erschienene Studie untersucht die Veränderung der Arbeitsmarktchancen junger Erwachsener in elf modernen Gesellschaften

Thomas aus dem Ruhrgebiet hat seine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker erfolgreich abgeschlossen. Statt eines unbefristeten Arbeitsvertrages erhält er von seinem Ausbildungsbetrieb nur eine befristete Anstellung. Wie es danach weitergeht, weiß Thomas noch nicht.

Jennifer lebt in den USA und arbeitet trotz eines College-Besuchs vorerst als Kellnerin. Sie bewirbt sich derzeit für Jobs im Medienbereich und hofft, dort bald eine ausbildungsadäquate Anstellung zu finden. Fabrizio aus Bologna in Italien hat vor eineinhalb Jahren sein Studium mit guten Noten abgeschlossen. Trotz vieler Bewerbungen war seine Suche nach einer ersten Anstellung bisher erfolglos. Wie ihm geht es auch vielen seiner ehemaligen Studienkollegen. Er wohnt bei seinen Eltern und will sich weiter bewerben.

Diese Beispiele sind heute durchaus typisch für junge Erwachsene in Europa und den USA. Sie weisen darauf hin, dass der Arbeitsmarkteinstieg und die berufliche Etablierung mit längerfristiger Perspektive im Erwerbsleben in Zeiten der Globalisierung schwerer geworden sind. Eine systematische international vergleichende Analyse der Arbeitsmarktsituation junger Menschen in modernen Gesellschaften legt nun das gerade erschienene Buch "Young Workers, Globalization and the Labor Market - Comparing Early Working Life in Eleven Countries" vor. Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld (Universität Bamberg), Prof. Dr. Karin Kurz (Universität Göttingen) und Dr. Sandra Buchholz (Universität Bamberg) untersuchte ein internationales Forscherteam auf der Grundlage repräsentativer Längsschnittdaten und mit aufeinander abgestimmten Untersuchungsdesigns, wie sich die Erwerbschancen von jungen Bildungsabsolventen in den vergangenen drei Jahrzehnten in elf sehr unterschiedlichen Gesellschaften entwickelt haben. Zu den in die Analyse einbezogenen Ländern gehören Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Schweden, Dänemark, Ungarn und Estland. Gefördert wurde diese Studie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Als Erstes bestätigen die Ergebnisse dieser Studie, dass der Einstieg ins Erwerbsleben und die Etablierung am Arbeitsmarkt für junge Menschen in modernen Gesellschaften turbulenter und insgesamt schwieriger geworden ist. Seit Beginn der 1980er Jahre hat sich die Dauer, bis Absolventen eine erste Anstellung finden, bedeutend verlängert. Insbesondere ist das Risiko flexibler und unsicherer Beschäftigungsformen beim Arbeitsmarkteinstieg deutlich angestiegen und die Chancen, sich rasch sicher zu etablieren, sind dramatisch gesunken. Dieses Ergebnis ist eigentlich paradox, denn die nachwachsenden Generationen haben im Vergleich zu den früheren in der Regel eine höhere Qualifikation, häufiger Auslandserfahrung und viel bessere Fremdsprachenkenntnisse. Trotzdem bleibt ihnen auf den Arbeitsmärkten moderner Gesellschaften häufig nur das Nachsehen. Vor allem gering(er) qualifizierte junge Erwachsene sind die eigentlichen Verlierer zunehmender Arbeitsmarktrisiken.

Weiterhin zeigt die Studie, dass sich Probleme beim Arbeitsmarkteinstieg nachhaltig auf die Erwerbschancen im späteren Karriereverlauf der jungen Menschen auswirken. Haben Bildungsabsolventen nach Abschluss der Ausbildung bereits eine relativ lange Zeit benötigt, um eine erste Beschäftigung zu finden, oder ihre Erwerbskarriere in einem unsicheren Beschäftigungsverhältnis begonnen, so ist die Gefahr, dass diese Personen weiteren Risiken wie Arbeitslosigkeit begegnen, deutlich erhöht.

Ein wichtiger neuer Befund der Studie von Blossfeld, Kurz und Buchholz ist zudem, dass sich im Zuge der Globalisierung flexible und unsichere Beschäftigungsformen an den Arbeitsmärkten moderner Gesellschaften zunehmend dauerhaft zu etablieren scheinen. Mit jeder neuen Generation wird das Beschäftigungssystem deswegen zunehmend flexibilisiert und die Karrieren werden unsicherer. Wie die Ergebnisse zeigen, werden diese flexiblen Beschäftigungsformen von Unternehmen nicht nur in wirtschaftlich angespannten Zeiten eingesetzt.

Die Studie:

Hans-Peter Blossfeld, Sandra Buchholz, Erzsébet Bukodi und Karin Kurz (Hg.): Young Workers, Globalization and the Labor Market - Comparing Early Working Life in Eleven Countries, Cheltenham, UK/Nothampton, MA, USA: Edward Elgar, 2008

Kontakt:

Universität Bamberg, Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld, Tel.: 09 51/8 63 25 96

Universität Göttingen, Prof. Dr. Karin Kurz, Tel.: 05 51/3 91 46 66

Dr. Monica Fröhlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bamberg.de/
http://www.soziologie-blossfeld.de/books/flex/Blossfeld-Young-2.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Personalisierte Medizin – Ein Schlüsselbegriff mit neuer Zukunftsperspektive
14.07.2017 | Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V.

nachricht Enterprise 2.0 ist weiterhin bedeutendes Thema in Unternehmen
03.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten