Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verletzte Fußball-Spieler kosten Bundesliga-Vereine viel Geld

17.07.2009
Studie der Saarbrücker Sportmediziner auf der Basis von Informationen des Sportmagazins "kicker"

Jeder Bundesliga-Verein muss im Schnitt pro Saison auf drei Spieler komplett verzichten. Schuld sind Verletzungen.

Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes. Tim Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin, sein Mitarbeiter Dr. Oliver Faude und ein Diplomand werteten dafür in der Bundesliga-Saison 2004/2005 entsprechende Artikel der Fußball-Zeitschrift "kicker" aus.

"Die Studie ist besonders interessant, weil direkt gewonnene Daten zur Verletzungshäufigkeit, die von den medizinischen Abteilungen stammen, bislang für den deutschen Profifußball nicht verfügbar sind", erklärt Tim Meyer, der seit 2001 auch als Mannschaftsarzt der deutschen Fußballnationalmannschaft tätig ist. Seine Mitarbeiter und er sammelten die Daten aus der Berichterstattung des "kicker" und glichen die Plausibilität der Daten mit denen aus diversen anderen Medien wie etwa dem Fernsehen ab.

Das wichtigste Ergebnis: In der Bundesliga-Saison 2004/2005 sind bei jedem Verein im Schnitt drei Spieler wegen Verletzungen ausgefallen. "Von insgesamt 471 eingesetzten Spielern mussten 392 wegen Verletzungen pausieren. Das sind 83 Prozent", sagt der Saarbrücker Sportmediziner. Die Ausfallzeiten der Fußballer betrugen im Schnitt rund zwei Wochen. Insgesamt ergibt sich eine Ausfallzeit von 997 Tagen pro Verein, was eben drei Spielern entspricht. Die Ausfallzeiten kamen die Vereine in der untersuchten Saison teuer zu stehen. "Die genaue Höhe der Gehälter geben die Vereine natürlich nicht bekannt, aber wenn drei Spieler über eine komplette Saison fehlen, kommen wir schnell in den Bereich mehrerer Millionen Euro", sagt Professor Meyer.

In drei Viertel der Fälle verletzten sich die Spieler an den Beinen, am häufigsten an den Oberschenkeln, den Knien und am Sprunggelenk. Die meisten Verletzungen traten im Training auf. "Die Spieler verbringen mehr Zeit im Training als im Spiel, deshalb sind insgesamt mehr Trainings- als Spielverletzungen zu beklagen. Rechnet man das allerdings auf eine Einsatzstunde herunter, ist der Wettkampf viel gefährlicher", erklärt Oliver Faude, der die Datenaufnahme leitete. Außerdem sind die Profi-Fußballer in Deutschland, Holland, Skandinavien und England viel häufiger verletzt als in den südeuropäischen Ländern. Das erklären die Saarbrücker Sportmediziner mit den klimatischen Bedingungen. "Im Winter ist es bei uns kälter als in Südeuropa, deshalb steigt vermutlich die Verletzungsgefahr", sagt Professor Meyer. Außerdem spielen beispielsweise die Spanier weniger körperbetonten Fußball.

Einen Zusammenhang zwischen der Verletzungshäufigkeit und den Erfolgen der Vereine in der Saison 2004/2005 konnten die Saarbrücker Wissenschaftler nicht feststellen. Angesichts der Zahlen empfehlen die Sportmediziner aber vorbeugende Maßnahmen wie etwa gezieltes Krafttraining und Stabilisationsübungen. "Investitionen in solche Maßnahmen lohnen sich für die Klubs auch finanziell. Es ist auch festzustellen, dass die Vereine in den letzten Jahren mehr Fitnesstrainer eingestellt haben", sagt Tim Meyer.

Die Saarbrücker Sportmediziner forschen auch weiter zum Thema Fußball. In einer aktuellen Studie im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes und der Deutschen Fußball-Liga befassen sie sich mit der bevorstehenden Verkürzung der Winterpause und damit, wie sich das auf die Verletzungshäufigkeit auswirkt. Im Rahmen dieser Untersuchung kann direkt auf Angaben der Vereinsärzte zurückgegriffen werden, ohne dass Umwege über die Medien erforderlich sein werden.

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Tim Meyer
Tel. 0681/302-3750
E-Mail: tim.meyer@mx.uni-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Professor Meyer führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Technische Angaben: MPEG Layer 2, 48 KHz, 64 KBit/s, mono (CDQ-1000-Modus). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681/302-4022) richten.

Irina Urig | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Echtzeit-Feedback hilft Energie und Wasser sparen
08.02.2017 | Otto-Friedrich-Universität Bamberg

nachricht Nutzung digitaler Technologien in der industriellen Produktion führt zu Produktivitätsvorteilen
01.02.2017 | Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie