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Den Verlauf von Multipler Sklerose besser vorhersagen

07.10.2010
Multiple Sklerose: Den Verlauf besser vorhersagen
Neues Bildgebungsverfahren erlaubt genauere Prognose
RUB-Medizin: Ergebnisse einer Langzeitstudie mit MS-Patienten

Ein neues Verfahren erlaubt zukünftig bessere Prognosen über den Verlauf der tückischen Multiplen Sklerose (MS): Mediziner der Ruhr-Universität Bochum und der Freien Universität Amsterdam messen mit Hilfe der Kernspintomographie (MRT) die Ausweitung der Hohlräume (Ventrikel) im Gehirn der Patienten.

Die Zunahme des Ventrikelvolumens geht einher mit der für MS typischen Schrumpfung der Hirnmasse (Hirnatrophie). Bereits im Frühstadium der Krankheit lassen sich mit MRT-Bildern Veränderungen im Gehirn messen und damit der weitere Krankheitsverlauf genauer beobachten und bewerten. Die Ergebnisse ihrer Langzeitstudie veröffentlichten die Forscher vor kurzem in der renommierten Zeitschrift „Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry“.

Belastend: der ungewisse Krankheitsverlauf

MS ist eine chronisch entzündliche und degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie tritt schon bei relativ jungen Menschen auf und kann zu dauerhaften schweren Behinderungen führen. Die Zahl der MS-Patienten in Deutschland wird derzeit auf ca. 120.000 geschätzt. Die Krankheit ist nicht heilbar, auch die Ursache ist noch nicht genau geklärt. Für die Patienten besonders belastend ist der bisher ungewisse und nur schwer vorhersehbare Verlauf. Bei der MS treten im Gehirn und im Rückenmark verstreut Entzündungen auf, die vermutlich durch den Angriff körpereigener Abwehrzellen auf die Ummantelung der Nervenzellen (Myelin) verursacht werden. Außerdem kommt es aus verschiedenen Gründen zu einer Schädigung der Nervenfasern (Axone).

Fortschritte durch Bildgebung

Untersuchungen mit modernen bildgebenden Verfahren wie MRT ergaben in den letzten Jahren, dass die Beeinträchtigung der Axone (u. a. gemessen an der globalen Schrumpfung der Gehirnmasse) der wesentliche Faktor bei der Entwicklung bleibender Behinderungen ist. Die Schädigungen treten nicht nur in chronischen Verlaufsformen oder späten Stadien der MS auf, sondern schon sehr frühzeitig – im Grunde von Anfang an.

Bisherigen Methoden überlegen

Dr. Carsten Lukas, Leiter der Arbeitsgruppe MR Bildanalyse am St. Josef-Hospital, Klinikum der RUB, hat gemeinsam mit Kollegen vom MS Center der Freien Universität Amsterdam 54 MS-Patienten im Frühstadium über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet. Die Zunahme des Ventrikelvolumens (Aufweitung der inneren Liquorräume) zu messen und über den Beobachtungszeitraum zu vergleichen, erwies sich als „überlegen gegenüber den bisherigen Methoden“, so Dr. Lukas. „Das Verfahren ist geeignet, um eine Prognose der zukünftigen Behinderung durch die Erkrankung abzugeben.“

Bereits im Frühstadium der MS lassen sich geringe krankheitsbedingte Veränderungen im Gehirn anhand von MRT-Bildern nachweisen. Damit seien gute Voraussetzungen für die genaue Beobachtung und Bewertung des weiteren Krankheitsverlaufs gegeben, sagt der Facharzt für Neurologie und Radiologie im Klinikum der RUB. „Auch bei zukünftigen Therapiestudien ist das Verfahren ein vielversprechender prognostischer Ansatz.“

Titelaufnahme

Carsten Lukas, Arjan Minneboo, Vincent de Groot, et al.: Early central atrophy rate predicts 5 year clinical outcome in multiple sclerosis. In: Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry, doi:10.1136/jnnp.2009.199968

Weitere Informationen

Dr. Carsten Lukas, Oberarzt in der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin am St. Josef Hospital (Direktor: Prof. O. Köster), Klinikum der RUB, Tel. 0234/509-0, E-Mail: carsten.lukas@rub.de

Redaktion: Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/

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