Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verkehrsunfall-Studie der TU Dortmund zeigt: Städte weniger gefährlich als ländliche Regionen

01.09.2009
Verkehrsforscher der Technischen Universität Dortmund analysierten Verkehrsunfallzahlen und kommen zu einem überraschenden Ergebnis:

Großstadtbewohner verunglücken im Verkehr erheblich seltener schwer als Umlandbewohner. Damit entkräften sie eines der wichtigsten Argumente für das Häuschen im Grünen.

Raus aus der Stadt, und ein Häuschen im Grünen! Diese Vorstellung verbinden viele Menschen auch mit einem Leben abseits der Gefahren des tosenden Straßenverkehrs in der Stadt. Für besorgte Eltern spielt die Verkehrssicherheit eine große Rolle bei der Wohnungssuche. Sie wollen, dass sich ihre Kinder frei und gesund draußen bewegen.

Prof. Christian Holz-Rau und PD Joachim Scheiner vom Fachgebiet Verkehrswesen und Verkehrsplanung der Fakultät Raumplanung der TU Dortmund haben nachgerechnet. Das überraschende Ergebnis der beiden Verkehrsforscher: In der Stadt lebt es sich deutlich sicherer als auf dem Land oder im in den Vororten. Neue Wege gingen die Wissenschaftler bei der Auswertung der Daten: Für Niedersachsen analysierten sie erstmals Unfalldaten, bei denen der Wohnort der Verunglückten berücksichtigt wurde. "Allein die Betrachtung der Unfallorte lässt nicht unbedingt einen Rückschluss darauf zu, ob die Bevölkerung eines Ortes mehr oder weniger gefährdet ist," so Holz-Rau. Schließlich bewegen sich die Bewohner des Umlandes auch in die Städte hinein: "Man denke nur an Pendler und Schüler".

Leichte Unfälle in den Städten, schwere auf dem Land
Die Ergebnisse der Analysen zeigten, dass das Risiko, tödlich zu verunglücken, bereits für die Bevölkerung der dicht besiedelten Umlandkreise großer Städte rund 40% höher liegt als für die Stadtbevölkerung. Bewohner des ländlichen Raums leben sogar in ein doppelt bis dreimal so hohen Risiko im Straßenverkehr zu sterben. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so stark, verhält es sich bei Unfällen mit schweren Verletzungen. Als Schwerverletzte zählen in der Unfallstatistik alle Personen, bei denen eine stationäre Behandlung im Krankenhaus erforderlich war. Das Risiko einer schweren Verletzung ist in ländlichen Kreisen rund 70-100% höher als in Großstädten.

Lediglich das Risiko einer leichten Verletzung ist für Großstadtbewohner etwas höher als für die Bevölkerung kleinerer Gemeinden. Hier vermutet Joachim Scheiner den Grund für das negative Image der Städte, denn Unfälle mit leichten Verletzungen sind um ein vielfaches häufiger als Unfälle mit schweren Verletzungen oder gar Todesfällen. Die hohe Gesamtzahl der städtischen Unfallopfer ergibt sich vor allem aus vielen nur leicht verletzten Menschen.

Kinder: sicherer aufgehoben in der Stadt

Die größere Sicherheit in der Stadt gilt für alle Altersgruppen. Bereits bei den Kleinsten ist das Risiko eines tödlichen Unglücks in ländlichen Kreisen rund drei bis fünf mal so hoch wie in der Stadt. Die hohen Geschwindigkeiten und riskante Überholmanöver auf den Landstraßen treffen nicht nur die Fahrer, sondern alle, die im Wagen sitzen.

Mit dem ersten Auto explodiert das Risiko für die Landjugend
Fahranfänger leben gefährlich. Das ist nicht neu, doch auch hier lohnt ein Blick auf die regionale Verteilung der Verunfallten: Bei jungen Erwachsenen explodiert das Unfallrisiko im ländlichen Raum förmlich und liegt in den ländlichen Kreisen um das 10-20-fache höher als in Großstädten. Joachim Scheiner erklärt die Zahlen: "Mit 18 steht bei vielen jungen Erwachsenen auf dem Land das Auto vor der Tür, sie legen damit vergleichsweise weite Strecken zurück - da steigt das Risiko zu verunglücken zwangsläufig" Und auch die verhängnisvollen nächtlichen Disko-Fahrten forderten ihren Tribut, ergänzt Christian Holz-Rau die traurige Bilanz für das Wohnen im Grünen. Dagegen lassen junge Leute in der Stadt mit Blick auf den zu erwartenden Alkoholkonsum eher einmal den Wagen stehen und fahren mit Bus oder Straßenbahn.

Als Konsequenz der Studie empfehlen Christian Holz-Rau und Joachim Scheiner: "Es mag viele Gründe geben, die Städte zu verlassen und in das Umland zu ziehen. Aus der Perspektive der Verkehrssicherheit ist Haushalten anzuraten, besser in der Stadt zu bleiben. Für Familien gilt dies in besonderem Maße."

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Christian Holz-Rau
PD Dr. Joachim Scheiner
Technische Universität Dortmund
Fakultät Raumplanung
Verkehrswesen und Verkehrsplanung
August-Schmidt-Straße 10
D-44221 Dortmund
Fon ++49 / (0)231 / 755-2270 oder 4822
Fax ++49 / (0)231 / 755-2269
e-mail: christian.holz-rau@tu-dortmund.de
joachim.scheiner@tu-dortmund.de

Ole Lünnemann | idw
Weitere Informationen:
http://www.vpl.tu-dortmund.de
http://www.tu-dortmund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics