Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vereinfachung der Artesunat-Malariatherapie bei gleicher Effektivität

16.12.2011
aktuell in „The Journal of Infectious Diseases“ veröffentlicht - doi: 10.1093/infdis/jir724

Die heute im Journal of Infectious Diseases veröffentliche klinische Studie „A simplified intravenous artesunate regimen for severe malaria“ zeigt, dass eine verkürzte intravenöse Malariatherapie mit der selben Effektivität schwer erkrankte Kinder heilen kann wie die derzeitig etablierte, längere Standardmethode. Dies konnten Wissenschaftler und Ärzte unter Federführung des Instituts für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen nachweisen.

Mit der verkürzten intravenösen Malariatherapie ist es möglich, dass zukünftig mehr an schwerer Malaria erkrankter Kinder ihre Behandlung erfolgreich abschließen und somit potenziell Leben gerettet werden kann. Die Forscher konnten darstellen, dass die Verabreichung von drei Dosen des Medikaments Artesunat verteilt über zwei Tage den Malaria-Parasiten mit der gleichen Effizienz im Körper abtötet wie die Gabe von fünf Dosen verteilt über drei Tage.

Die Studie wurde unter Leitung von Professor Dr. Peter Kremsner am Albert-Schweitzer-Krankenhaus in Lambaréné, Gabun und zwei weiteren Zentren in Afrika durchgeführt. Das hochkarätige Studienteam am Universitätsklinikum Tübingen bildeten neben dem Institutsdirektor Professor Kremsner der stellvertretende Institutsdirektor Dr. Benjamin Mordmüller sowie der Direktor des Kompetenzzentrums Dr. Dr. Carsten Köhler. Die Studienergebnisse wurden heute in der Fachzeitschrift „Journal of Infectious Diseases“ der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Team untersuchte 171 Kinder im Alter von sechs Monaten bis zehn Jahren, die an schwerer Malaria erkrankt waren. Die Kinder wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und intravenös mit Artesunat behandelt. Eine Kohorte erhielt die derzeit von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen fünf Dosen Artesunat innerhalb von 72 Stunden. Der anderen Patientengruppe wurden dreimal etwas höhere Einzeldosen über 48 Stunden verteilt verabreicht. Dabei erhielten alle Kinder die gleiche Gesamtmenge des Medikaments.

In beiden Gruppen wurde ungefähr zu 80 Prozent eine 99-prozentige Parasitenbeseitigung innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Behandlung erreicht.

Professor Kremsner: „Die 5-Dosis-Behandlung wird seit einigen Jahren durchgeführt, jedoch beruht die WHO-Empfehlung auf großen Studien, die sich primär auf die Verbesserung der Überlebensrate konzentrieren. Wir postulierten, dass es einen besseren, einfacheren Weg der Administration dieses hoch effizienten Medikamentes geben könnte und somit untersuchten wir, wie die Parasiten tatsächlich auf die Behandlung reagieren. Jetzt wissen wir, dass die kürzere Behandlung genauso effizient funktioniert, was folglich zu einer signifikanten Verbesserung der Anwendung von Artesunat führen sollte.“

Dr. Dr. Köhler schätzt, dass bei einem Wechsel zur 3-Dosis-Behandlung durch den effizienteren Einsatz der Medikamente sowie der Ausrüstung und des Personals, welche für die 5-Dosis-Behandlung benötigt werden, die Kosten um 40 Prozent reduziert werden könnten.

Der nächste Schritt des Forscherteams in der weiteren Verbesserung der Behandlungsmethode ist nun die Untersuchung der Vorteile einer modifizierten Verabreichung von Artesunat durch eine intramuskuläre Injektion anstelle einer intravenösen Gabe. Dadurch könnten die Kosten weiter reduziert und die Effizienz gesteigert werden. Diese Ergebnisse werden für 2013 erwartet.

Die Studie wurde von der EU-Organisation „European and Developing Countries Clinical Trial Partnership“ (EDCTP) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert. Das verwendete Artesunat ist die erste nach Good Manufacturing Practice-Richtlinien hergestellte Formulierung.

Titel der Originalpublikation
A simplified intravenous artesunate regimen for severe malaria
doi: 10.1093/infdis/jir724
Peter Gottfried Kremsner1,2, Terrie Taylor3,4, Saadou Issifou1,2, Maryvonne Kombila5, Yamikani Chimalizeni6, Kondwana Kawaza7, Marielle K Bouyou Akotet5, Mattias Duscha1,2, Benjamin Mordmüller1,2, Katrin Kösters1, Alexander Humberg1, R. Scott Miller8, Peter Weina8, Stephan Duparc9, Jörg Möhrle9, Jürgen F.J. Kun1, Tim Planche2,10, Paktiya Teja-Isavadharm11, Julie Anne Simpson12 Carsten Köhler1, Sanjeev Krishna2,*10
1 Institut für Tropenmedizin, Universität Tübingen, Wilhelmstraße 27, 72074 Tübingen, Germany
2 Medical Research Unit, Albert Schweitzer Hospital, Lambaréné, Gabon
3 Blantyre Malaria Project, University of Malawi College of Medicine, PO Box 32256, Blantyre 3, Malawi
4 College of Osteopathic Medicine, Michigan State University, East Lansing MI 48824
5 Département de Parasitologie, Mycologie et Médecine Tropicale, Faculté de Médecine et des Sciences de la San-té, BP 4009, Libreville, Gabon.
6 Malawi/Liverpool/Wellcome Trust Clinical Research Programme, University of Malawi College of Medicine, Blanty-re Malawi
7 Dept of Paediatrics, Queen Elizabeth Central Hospital, Blantyre, Malawi
8 Division of Experimental Therapeutics, Walter Reed Army Institute of Research. Silver Spring MD, USA.
9 Medicines for Malaria Venture, International Centre Contrin, Rue de Pres Bois 20, 1211 Geneva 15 *
10 Division of Clinical Sciences, Centre for Infection, St. George’s University of London, London SW17 0RE. United Kingdom.
11 Armed Forces Research Institute of Medical Sciences, Bangkok, Thailand.
12 Centre for MEGA Epidemiology, School of Population Health, University of Melbourne, Melbourne, Australia

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Tropenmedizin - Kompetenzzentrum Baden-Württemberg
Wilhelmstr. 27, 72074 Tübingen
Prof. Dr. Peter G. Kremsner
peter.kremsner@uni-tuebingen.de
Dr. med. Dr. rer. nat. Dipl. Biol. Carsten Köhler
carsten.koehler@medizin.uni-tuebingen.de
Tel. 07071/29-8 02 29, Fax 07071/29-51 89
Dr. med. Benjamin Mordmüller
Benjamin.mordmueller@uni-tuebingen.de
Tel. 07071/29-8 21 87

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten