Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn die Verbindung zwischen den Gehirnhälften fehlt

09.11.2009
Biopsychologen suchen Studienteilnehmer mit Balkenagenesie

RUB-Forscher untersuchen die Wahrnehmung des Menschen

Wenn sich bei der Entwicklung eines Kindes das so genannte Corpus callosum nicht bildet, fehlt die größte Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften. Wie sich dieses Fehlen auf die Wahrnehmung auswirkt, untersuchen Forscher der Ruhr-Universität Bochum am Institut für Kognitive Neurowissenschaft um Claudia C. Wolf.

Sie wollen wissen: Wie kommunizieren die Gehirnhälften dennoch miteinander? Und inwiefern kann das Fehlen des Balkens die Gehirnorganisation und Informationsverarbeitung beeinflussen? Für ihre Studie suchen die Forscher noch Teilnehmer, bei denen eine isolierte Balkenagenesie diagnostiziert wurde.

Interessierte können sich melden unter Tel. 0234/32-26804 oder per E-Mail an claudia.c.wolf@ruhr-uni-bochum.de

250 Millionen Nervenfasern fehlen

Das Corpus callosum des Menschen, der verbindende Balken zwischen den Hirnhälften, besteht aus etwa 250 Millionen Nervenfasern. Es dient dem Informationsaustausch sowie der Koordination zwischen den Gehirnhälften, die zum Teil für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind. Die Corpus-callosum-Agenesie (oder Balkenagenesie) ist die häufigste angeborene Fehlbildung des Gehirns. In etwa der Hälfte der Fälle gibt es keine zusätzlichen Fehlbildungen oder Symptome wie körperliche oder geistige Behinderungen.

Auf der Suche nach alternativen Informationswegen

"Ziel unseres Projektes ist es herauszufinden, wie die Informationsverarbeitung stattfindet, wenn das Corpus callosum nicht vorhanden ist", erklärt Claudia C. Wolf vom Lehrstuhl für Biopsychologie. "So wollen wir untersuchen, wie verschiedene Informationen, die von ein und demselben Objekt in der Umgebung ausgehen, jedoch zunächst von unterschiedlichen Gehirnhälften verarbeitet werden, wie etwa visuelle und akustische Information, integriert werden, so dass das Objekt als Einheit wahrgenommen wird." Auch wollen die Forscher herausfinden, welche alternativen Wege der Informationsübertragung das Gehirn in Abwesenheit des Corpus callosum nutzt und inwiefern sich die Informationsverarbeitung bei Menschen mit Corpus-callosum-Agenesie von der Verarbeitung bei Menschen mit intaktem Balken unterscheidet.

Informationen für Teilnehmer

Teilnehmen können Menschen ab 16 Jahren, bei denen eine isolierte Form der Balkenagenesie diagnostiziert wurde. Die Teilnehmer werden einige Fragebögen ausfüllen und an verschiedenen Verhaltens-, Reaktions- und Wahrnehmungstests teilnehmen. Alle Tests sind Computertests und somit nicht-invasiv. Nach Auswertung der Daten erhalten alle Teilnehmer eine Zusammenfassung über die wissenschaftlichen Erkenntnisse, zu denen die Forscher des Lehrstuhls für Biopsychologie mit Hilfe der Teilnehmer gekommen sind. Die Teilnahme wird mit 100 Euro vergütet. Alle erhobenen Daten werden streng vertraulich behandelt und anonymisiert ausgewertet.

Weitere Informationen

M.Sc. Claudia C. Wolf, Ruhr-Universität Bochum, Institut für Kognitive Neurowissenschaft, Abteilung Biopsychologie, GAFO 05/623, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26804, Fax: 0234/32-27641, Email: claudia.c.wolf@ruhr-uni-bochum.de, http://www.bio.psy.rub.de/

Redaktion: Meike Drießen

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.bio.psy.rub.de/
http://www.ruhr-uni-bochum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics