Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Väter in Bayern nutzen Elternzeit am meisten

23.09.2013
Studie der Universität Rostock analysiert Motive und soziale Situation

Väter gehen immer häufiger, aber nur kurz in Elternzeit. Von den Elterngeldempfängern beziehen drei von vier Vätern diese Leistung für maximal zwei Monate, während neun von zehn Müttern mindestens zwölf Monate Elterngeld in Anspruch nehmen. Doch wer sind die Väter, die eine Auszeit vom Beruf nehmen und sich vorübergehend intensiv der Kinderbetreuung widmen? Welche Rolle spielen ökonomische Abwägungen für eine Entscheidung der Männer, Elterngeld in Anspruch zu nehmen?

Die Soziologin Heike Trappe, Professorin der Universität Rostock, hat für Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Schleswig-Holstein untersucht, wie oft und vor allem wie lange Väter von Elterngeld und Elternzeit Gebrauch machen. Das Interessante: Männer aus Bayern liegen bei der Inanspruchnahme von Elterngeld mit 27 Prozent (2012) vorn. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind es rund 20 Prozent der Männer, die Elterngeld beziehen. „Das hat auch etwas mit lokalen Arbeitsmarktsituationen zu tun“, sagt Heike Trappe. Nach ihrer Auffassung begünstigen eine Tätigkeit im öffentlichen Dienst, eine Beschäftigung in größeren Unternehmen sowie ein unbefristeter Arbeitsvertrag, ein höheres Alter des Vaters und auch das Leben in einer größeren Stadt die Entscheidung der Männer, Elterngeld in Anspruch zu nehmen. „Letzteres könnte etwas damit zu tun haben, dass es in Großstädten mehr Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst gibt und dass dort häufiger Menschen mit entsprechenden Einstellungen in Bezug auf Familie und Partnerschaft leben“.

Als weitere Motive nennt die Soziologin aber auch den Wunsch, die Familie zu entlasten, eine enge Beziehung zum Kind zu entwickeln, den beruflichen Wiedereinstieg der Partnerin zu ermöglichen oder sich als Mann eine berufliche Auszeit zu gönnen. Vor allem beim ersten Kind entscheiden sich Männer und ihre Partnerin für eine kurze Elternzeit des Vaters, während ein weiteres Kind in der Familie, aber auch das Zusammenleben in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft eine längere Elternzeit begünstigen. Dies gilt auch für Paare, bei denen die Frau vor der Geburt des Kindes einer selbstständigen Tätigkeit nachging oder in einer Ausbildung war. „Es zeigt sich, dass gerade Frauen, die vor der Geburt ihres Kindes in einer vergleichsweise günstigen ökonomischen Situation waren, selbst eine einjährige Elternzeit anstreben“, so Heike Trappe.

Das Elterngeld wurde Anfang 2007 eingeführt. Es wird nach der Geburt an Mütter und Väter für maximal 14 Monate gezahlt, sofern ein Elternteil mindestens zwei und der andere maximal zwölf Monate beansprucht und den Eltern mindestens zwei Monate Erwerbseinkommen wegfallen. Es orientiert sich in der Höhe am bisherigen durchschnittlich verfügbaren Erwerbseinkommen und beträgt höchstens 1.800 Euro und mindestens 300 Euro im Monat. „Die Regelung hat Männern in zweierlei Hinsicht geholfen. Sie können ihren Anspruch auf mehr Zeit mit dem Kind gegenüber ihrem Arbeitgeber, aber auch gegenüber ihrer Partnerin besser vertreten“, bilanziert Professorin Trappe. Momentan sind Väter, die Elterngeld beziehen und insbesondere diejenigen, die ihre Erwerbstätigkeit für mehr als zwei Monate unterbrechen, noch eine Minderheit.

Kontakt
Universität Rostock
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Institut für Soziologie und Demographie
Fon: +49 (0) 381 498-4040
Mail: heike.trappe@uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Elterngeld Elternzeit Erwerbseinkommen öffentlicher Dienst

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten

CRTD erhält 1.56 Millionen Euro BMBF-Förderung für Forschung zu degenerativen Netzhauterkrankungen

24.05.2017 | Förderungen Preise

Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene

24.05.2017 | Förderungen Preise