Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Untersuchung zur Grundsicherung für Migranten

19.11.2009
Migranten und ihre in Deutschland geborenen Nachkommen sind doppelt so häufig wie Deutsche ohne Migrationshintergrund hilfebedürftig.

Rund 28 Prozent der Bezieher von Arbeitslosengeld II haben einen Migrationshintergrund. Im Vergleich erhalten sie bei den Grundsicherungsstellen zwar mehr Beratungsgespräche, schließen aber seltener Eingliederungsvereinbarungen ab und nehmen deutlich seltener an Arbeitsmarkt-Maßnahmen teil.

Andererseits erhalten sie häufiger ein Stellen oder Ausbildungsangebot. Das zeigt eine aktuelle Studie, die vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Uni Duisburg-Essen koordiniert und soeben vom Bundesarbeitsministerium veröffentlicht wurde.

An der Forschungsarbeit über die Wirkungen der "Grundsicherung für Arbeitsuchende" auf Migranten sind neben dem IAQ das ZEW, die Universität Magdeburg, die Stiftung Zentrum für Türkeistudien, das Team Dr. Kaltenborn, TNS Emnid und Prof. Dr. Dorothee Frings beteiligt.

Laut der Studie haben 30 Prozent der hilfebedürftigen Migranten osteuropäische Wurzeln (einschließlich der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten), 23 Prozent sind türkischer Herkunft, 17 Prozent sind deutschstämmige (Spät-)Aussiedler. 19 Prozent gehören zur Gruppe "übrige Welt". Aus Südeuropa stammen 11 Prozent der ALG II-Bezieher mit Migrationshintergrund.

Im Vergleich zu den Migranten in Deutschland insgesamt sprechen diejenigen, die Hartz IV beziehen, zu Hause und im Freundeskreis seltener Deutsch. Das gilt besonders für Frauen. Jeder dritte erwerbsfähige Hilfebedürftige mit Migrationshintergrund gibt an, dass die mündliche Verständigung in deutscher Sprache "eher schwer" oder gar "sehr schwer" falle. Von Sprachdefiziten am stärksten betroffen sind die aus Mittel und Osteuropa Stämmigen, dicht gefolgt von der türkischen Herkunftsgruppe.

Laut Selbsteinschätzung sind ALG II-beziehende Migranten im Durchschnitt mit ihrem Leben zufriedener als deutsche Hilfebezieher; sie fühlen sich offenbar weniger als diese ausgegrenzt. Das könne auch damit zusammenhängen, dass sie seltener allein leben und intensivere soziale Kontakte pflegen, vermuten die Wissenschaftler. Von "Problemen als Ausländer in Deutschland" sehen sich weniger als acht Prozent betroffen, mit den Dienstleistungen der Grundsicherungsstellen zeigen sich die Kunden mit Migrationshintergrund insgesamt zufriedener als die Deutschen. Allerdings bewerten Personen türkischer Herkunft - und hier insbesondere türkische Männer - die Grundsicherungsstellen am kritischsten

Die Erwerbsmotivation von Hartz-IV-Empfängern ist unabhängig von deren Herkunft hoch. Positiv treten bei vielen Migranten die stärkere Einbindung in soziale Netzwerke sowie (bei Männern) die größere räumliche Mobilitätsbereitschaft und die Akzeptanz ungünstiger Arbeitszeiten hervor. Weniger jedoch sind Migranten zu Konzessionen bereit, wenn die Arbeitsbedingungen besonders belastend sind, das Einkommen niedrig ist oder wenn es ohne externe Kinderbetreuung nicht möglich ist, die Arbeit anzunehmen.

Personen mit türkischer oder südeuropäischer Herkunft werden von den Grundsicherungsstellen laut der Befragungsergebnisse deutlich häufiger mit Sanktionen belegt als Deutsche ohne Migrationshintergrund, Aussiedler und Personen aus Mittel und Osteuropa dagegen deutlich seltener. Vor allem türkische Frauen berichten von vollzogenen wie angedrohten Druckmitteln, die ihrer Ansicht nach ungerechtfertigt seien.

Aktuelle Publikation:
IAQ; ZEW; Universität Magdeburg; Stiftung Zentrum für Türkeistudien;
Team Dr. Kaltenborn; TNS Emnid; Frings, Dorothee (2009): Wirkungen des SGB II auf Personen mit Migrationshintergrund. Abschlussbericht.
Hauptband. Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Berlin.
(Forschungsbericht, 395). Online verfügbar unter
http://www.bmas.de/portal/39960/f395__forschungsbericht.html
Weitere Informationen: Dr. Martin Brussig, Tel. 0203/379-3931, martin.brussig@uni-due.de, Prof. Dr. Matthias Knuth, Tel. 0203/379-1821, matthias.knuth@uni-due.de, http://www.iaq.uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170-8761608, presse-iaq@uni-due.de

Ulrike Bohnsack | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmas.de/portal/39960/f395__forschungsbericht.html

Weitere Berichte zu: EMNID Grundsicherung Grundsicherungsstellen Hartz IV IAQ Migrant Migrationshintergrund TNS ZEW

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics