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Unsicherheit spornt Fußballer an

04.08.2009
Fußballer, deren Nominierung für die Nationalelf unsicher ist, sind in den Monaten vor einer Welt- oder Europameisterschaft deutlich einsatzfreudiger als bereits sicher nominierte Spieler.

Letztere lassen sogar in ihrer spielerischen Leistung nach. Die Chance, im Nationalkader zu spielen, motiviert besonders jüngere Fußballer zu erhöhter Leistung. Das belegt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

In ihr wurden mit Daten aus der deutschen Fußball-Bundesliga die Leistungsanreize von Nominierungswettbewerben untersucht.

Die Studie wertet verschiedene Leistungsmerkmale wie etwa erzielte Tore, gewonnene Zweikämpfe oder angenommene Pässe aus der Bundesliga-Saison 2006/ 2007 sowie 2007/ 2008 aus. In diesen Zeitraum fiel die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2008, die in Österreich und der Schweiz ausgetragen wurde.

Das heißt, viele Spieler der deutschen Fußball-Bundesliga hatten in den Monaten vor der Euro 2008 Gelegenheit, sich durch ihre gezeigten Leistungen dem Nationalteam ihres jeweiligen Landes zu empfehlen. Die Studie betrachtete insgesamt 165 Spieler aus 12 Ländern, die am Nominierungswettbewerb für die Euro 2008 teilnahmen und verglich deren Leistungen mit 81 Spielern aus 33 Ländern, die von vornherein nicht als Teilnehmer an der Euro 2008 in Frage kamen, also nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen.

Es zeigt sich, dass die Leistungsanreize im Nominierungswettbewerb asymmetrisch verteilt sind. Spieler mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit in den Nationalkader aufgenommen zu werden, reagierten stark positiv auf die Möglichkeit, bei der Euro 2008 für das Heimatland auf dem Platz zu stehen. Für Fußballer, deren Nominierungswahrscheinlichkeit sehr hoch war, wurde dagegen kein positiver, zum Teil sogar ein negativer Effekt des Nominierungswettbewerbs nachgewiesen. So erzielten in den Monaten vor der Euro 2008 Spieler mit mittleren Nominierungswahrscheinlichkeiten durchschnittlich 27 Prozent mehr Torschüsse als Spieler, die nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen. Sicher nominierte Fußballer erzielten dagegen nicht mehr Torschüsse als die Spieler der Vergleichsgruppe. Sie gewannen sogar im Schnitt 1,5 Zweikämpfe pro Spiel weniger als Kameraden und Gegner, die außerhalb des Nominierungswettbewerbs spielten. Im Durchschnitt wurden 12,2 Zweikämpfen pro Spiel gewonnen.

Leistung auf dem Platz zu zeigen, lohnt sich also am meisten für die Sportler, deren Nominierung ungewiss ist, da sie die Nominierungsentscheidung weitgehend selbst in der Hand haben. Spieler, die sich ihrer (Nicht-)Nominierung sicher sind, haben dagegen kaum Anreize sich überdurchschnittlich anzustrengen, da sie die Entscheidung kaum mehr selbst beeinflussen können. Spieler, deren Nominierung sicher ist, halten sich sogar eher zurück, um Verletzungen zu vermeiden und damit ihre Teilnahme am Wettbewerb nicht zu gefährden.

Schließlich belegt die Studie, dass jüngere Spieler am stärksten auf die Möglichkeit reagieren, in die Nationalelf ihres Landes berufen zu werden. So erzielten Fußballer im Alter von 20 Jahren im Nominierungswettbewerb für die Euro 2008 durchschnittlich 4,5 Balkontakte pro Spiel mehr als ihre Altersgenossen, die nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen. 30 jährige Spieler, die die Möglichkeit hatten, sich für den Nationalkader zu empfehlen, erzielten im Durchschnitt sogar knapp einen Ballkontakt weniger als Gleichaltrige, die nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen. Im Durchschnitt erzielten Bundesligaspieler ca. 57 Ballkontakte pro Spiel. Dies zeigt, dass die Teilnahme an einem internationalen Turnier für die zukünftige Karriere eines jungen Spielers von größerer Bedeutung ist als für die Karriere eines älteren Spielers, der möglicherweise schon auf das Ende seiner aktiven Zeit zusteuert.

Die Erkenntnisse der Studie haben Relevanz in zahlreichen Situationen des Berufs- und Alltagslebens. Inwiefern beispielsweise die Perspektive einer möglichen Beförderung die Motivation von Mitarbeitern im Unternehmen erhöht, hängt entscheidend von den Chancen ab, die sich der einzelne Mitarbeiter ausmalt. Ein Mitarbeiter mit einer realistischen, aber nicht zu hohen Erfolgschance wird positiv auf eine solche Karrieremöglichkeit reagieren. Ein Mitarbeiter, der sich seiner anstehenden Beförderung so gut wie sicher ist, wird möglicherweise sogar weniger motiviert sein als er es andernfalls wäre. Ferner ist es einfacher, jüngere Mitarbeiter, die noch eine lange Karriere vor sich haben, durch Beförderungschancen zu motivieren.

Gunter Grittmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.zew.de/publikation5416

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