Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Universum der Gefühle

02.12.2013
Der Psychologe David Sander ist auf die Erforschung von Emotionen und deren Auswirkung auf kognitive Funktionen spezialisiert. Seine Forschungen befinden sich an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen. Für seine Arbeit erhält er den Nationalen Latsis-Preis 2013.

David Sander forscht auf dem Gebiet der affektiven Wissenschaften. Dieses Gebiet verbindet verschiedene Disziplinen, die sich mit Gefühlen beschäftigen: Humanwissenschaften, Neurowissenschaften, Informatik, Recht, Wirtschaft und Psychologie. Als Verfechter eines multidisziplinären Ansatzes ist er davon überzeugt, dass die konzeptuellen Analysen der Philosophie die psychologische Forschung ebenso bereichern können wie das Verständnis neuronaler Mechanismen.

Er betrachtet die bildgebenden Verfahren, die Psychophysiologie, die funktionelle Magnetresonanztomographie (MRT), die Olfaktometrie und die virtuelle Realität als "Verbündete", die es erlauben, mehr über den menschlichen Geist zu erfahren. Für seine Forschungen wird ihm der Nationale Latsis-Preis 2013 verliehen.

Psychologie und Mathematik
Der leidenschaftliche Experimentator ist Leiter des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NFS) "Affektive Wissenschaften" und des interfakultären Zentrums für affektive Wissenschaften an der Universität Genf. Dieses verfügt über ein Labor, in dem komplexe Experimente über Emotionen und deren Auswirkungen auf die kognitiven Funktionen – wie das Treffen von Entscheidungen, das Gedächtnis oder die Aufmerksamkeit – durchgeführt werden können.

David Sander ist über die kognitiven Wissenschaften zur Erforschung der Emotionen gelangt. Nachdem er in Paris das Studium der Psychologie und der angewandten Mathematik in Angriff genommen hatte, machte er sich 1996 nach Lyon auf, wo gerade ein Studiengang in kognitiven Wissenschaften eröffnet worden war. Schon bald begann Sander, seine frisch erworbenen Kenntnisse auf die Erforschung von Emotionen anzuwenden. Sein Ziel: Durch Anwendung verschiedener Ansätze Mechanismen zu identifizieren, welche die Gefühle steuern, und daraus Gesetzmässigkeiten abzuleiten.

Eine kleine Revolution
David Sander interessiert sich insbesondere für den Evaluierungsprozess, mit dem wir den affektiven Wert von Ereignissen einschätzen. Im Jahr 2003 löste er mit der Veröffentlichung eines Artikels, der die bis dahin angenommene Funktion der Amygdala in Frage stellte, eine kleine Revolution aus. Gegen die vorherrschende Lehrmeinung, dass diese mandelförmige Hirnstruktur als "Angstzentrum" fungiert, vertritt David Sander die Hypothese, dass die Amygdala eine sehr viel umfangreichere Funktion hat: Ihm zufolge bewertet sie die Relevanz von Ereignissen und informiert uns darüber, was im Hinblick auf unsere Ziele, unsere Werte und unser momentanes Wohlbefinden wichtig ist. Mit seiner Hypothese zur Amygdala stellt David Sander die Emotionen in einen grösseren Zusammenhang, "in das Herz des Geistes", wie er zu sagen pflegt.
Mehrgleisiger Ansatz
2013 hat David Sander an der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Universität Genf eine Stelle als ordentlicher Professor angetreten. Er hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht, darunter auch ein populärwissenschaftliches Buch für Kinder, das sich mit Gefühlen auseinandersetzt. Gegenwärtig untersucht er mit seinen Kollegen fünf Komponenten, die allen Gefühlen gemeinsam sind: die physiologische Reaktion, die Tendenz zur Aktion, die Evaluation, den Ausdruck (Gesicht, Stimme und Körper) und das subjektive Empfinden. Die Projekte befassen sich beispielsweise damit, wie Emotionen durch Hirnprozesse gesteuert, durch Gerüche ausgelöst oder durch soziale Faktoren beeinflusst werden.
Ein ausführliches Porträt von David Sanders findet sich in der neusten Ausgabe von "Horizonte", dem Schweizer Forschungsmagazin, das soeben erschienen ist:

www.snf.ch > Aktuell > Forschungsmagazin Horizonte

Anschrift des Preisträgers:
Prof. David Sander
Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften
Universität Genf
Bld. du Pont d’Arve 40
CH-1205 Genf
+41 22 379 92 12
david.sander@unige.ch
Die Preise der Latsis-Stiftung
Die Latsis-Stiftung wurde 1975 in Genf von der griechischen Familie Latsis gegründet. Der Nationale Latsis-Preis wird vom Schweizerischen Nationalfonds im Auftrag der Stiftung verliehen. Daneben existieren die mit je 25'000 Franken dotierten vier universitären Latsis-Preise, die von der ETH Zürich und der ETH Lausanne sowie den Universitäten Genf und St. Gallen verliehen werden.

Jedes Jahr verleiht der SNF im Auftrag der internationalen Latsis-Stiftung den mit 100'000 Franken dotierten Nationalen Latsis-Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Die Auszeichnung ist Forscherinnen und Forschern vorbehalten, die nicht älter als 40 Jahre sind, und gehört zu den prestigeträchtigsten Wissenschaftspreisen der Schweiz.

Die Verleihung der dreissigsten Auszeichnung findet am 16. Januar 2014 ab 10.30 Uhr im Berner Rathaus statt. Dieser Anlass steht allen Medien offen.
Ein Foto von David Sander können Sie hier herunterladen:
www.snf.ch > Medien > Medienmitteilungen

Medien - Abteilung Kommunikation | idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch
http://www.snf.ch/D/Medien/Medienmitteilungen/Seiten/2013.aspx

Weitere Berichte zu: Amygdala ETH Emotion Hypothese Latsis-Preis Latsis-Stiftung Psychologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten