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Uni statt Umgehungsstraße - Städte und Kreise können Arbeitsplätze der Zukunft sichern

16.12.2008
Studie von PwC und HWWI: Die öffentliche Hand muss stärker in Wissensinfrastruktur investieren / Strategiewechsel könnte Mehrheit der ostdeutschen Kreise bis 2018 mehr Arbeitsplätze bringen

Viele deutsche Regionen müssen ihre Strategien im Standortwettbewerb überdenken. So werden in den kommenden zehn Jahren vor allem diejenigen Regionen eine positive Beschäftigungsentwicklung aufweisen, die überdurchschnittlich viele hochqualifizierte Arbeitskräfte anziehen, wie aus der Studie "Deutschland 2018 - Die Arbeitsplätze der Zukunft" des Hamburger WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor geht.

Bliebe es bei der bisherigen Förderpraxis, würden bis zum Jahr 2018 nur 330 der 429 deutschen Kreise und kreisfreie Städte einen Zuwachs an Erwerbstätigen verzeichnen. Gezielte Investitionen zur Erhöhung der Attraktivität des Standortes und Erhöhung der Lebensqualität könnten demgegenüber in 357 Kreisen und Städten einen Anstieg der Erwerbstätigenzahl bewirken.

"Städte und Kreise müssen sich heute auf die Anforderungen hochqualifizierter Arbeitnehmer und Führungskräfte von morgen einstellen. High-Tech-Unternehmen achten nicht mehr nur auf niedrige Steuersätze und gut erschlossene Gewerbegebiete, sondern auch auf die Attraktivität des Standorts für das dringend benötigte hochqualifizierte Personal. Damit gewinnen 'weiche' Faktoren wie die Qualität der Schulen, das kulturelle Angebot und die allgemeine Lebensqualität vor Ort erheblich an Bedeutung", kommentiert Alfred Höhn, Partner bei PwC im Bereich Öffentliche Infrastruktur.

Vor allem Ostdeutschland würde von einer wissensorientierten Standortpolitik profitieren. Zwar prognostiziert die Studie auch bei einer Zunahme hochqualifizierter Arbeitskräfte für 47 ostdeutsche Kreise einen Beschäftigungsrückgang bis 2018. Allerdings gelänge 56 Kreisen und Städten ein Beschäftigungsaufbau. Ohne eine Neuausrichtung der Förderpolitik erwarten PwC und HWWI nur in wenigen Leuchtturmregionen ein Beschäftigungswachstum von mehr als zehn Prozent, beispielsweise in den Städten Leipzig, Dresden, Gera, Jena und Potsdam sowie den Landkreisen Sonneberg, Bad Doberan und Rügen.

Überdurchschnittlich gute Perspektiven hätten bei einer Fortsetzung des Trends der vergangenen Jahre die Metropolregionen Westdeutschlands. So wachsen die Erwerbstätigenzahlen in den Großräumen München, Hamburg, Köln-Bonn, Frankfurt / Rhein-Main, Stuttgart und Hannover um mehr als zehn Prozent. Aber auch ländliche Kreise in den Grenzregionen zu den Benelux-Staaten und Frankreich dürften bezogen auf die Erwerbstätigkeit besser abschneiden.

Für die Studie wurde die Beschäftigungsentwicklung in den 429 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten zwischen 1994 und 2006 analysiert und bis 2018 fortgeschrieben. Das eigens hierfür vom HWWI entwickelte Modell prognostiziert die Entwicklung der regionalen Erwerbstätigkeit in Abhängigkeit von der Quote hochqualifizierter Beschäftigter in drei verschiedenen Szenarien. Während der bundesweite Beschäftigungstrend vorgegeben ist, verläuft er in den Städten und Kreisen je nach Wirtschaftsstruktur und Entwicklung der Standortbedingungen unterschiedlich. "Die Trendaussage unserer Prognose sowie die Empfehlungen an die Politik werden von den Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise nicht beeinflusst, da die langfristigen Entwicklungen deutlich in die von uns aufgezeigte Richtung weisen", so Michael Bräuninger, Leiter des Kompetenzbereichs Wirtschaftliche Trends am HWWI. "Kurzfristig angelegte Bauprojekte der öffentlichen Hand mögen kurzfristige Effekte zeigen und nötig sein. Die langfristige Entwicklung der regionalen Beschäftigung lässt sich jedoch vor allem durch Investitionen, die die Ansiedlung hochqualifizierter Arbeitskräfte fördern, positiv beeinflussen", betont Höhn.

Wirtschaftsförderung braucht Strategiewechsel

Ohne eine Abkehr von der bisherigen Förderpraxis drohen den meisten ostdeutschen Städten und Kreisen bis 2018 deutliche Beschäftigungsverluste. Im "Basisszenario", in dem der Anteil hochqualifizierter Beschäftigter an den Erwerbstätigen konstant bleibt, würde die Erwerbstätigenzahl in 61 von 103 ostdeutschen Kreisen sinken. Gelänge es hingegen in einem "Wachstumsszenario", die Zahl der Hochqualifizierten in allen Regionen gleichmäßig entsprechend dem bundesweiten Trend von 1994 bis 2006 ansteigen zu lassen (1,7 Prozent pro Jahr), würde die Beschäftigung nur in 47 ostdeutschen Kreisen und Städten zurückgehen.

Zudem wäre der Rückgang der Erwerbstätigenzahl in vielen Regionen deutlich abgeschwächt. Während 2018 beispielsweise im Landkreis Spree-Neiße im "Basisszenario" 27,6 Prozent (12.699) weniger Menschen arbeiten würden als heute, wäre der Rückgang im "Wachstumsszenario" auf rund 22,5 Prozent (10.390) begrenzt.

Doch auch ostdeutsche Regionen mit einer positiven Beschäftigungsprognose könnten von einer konsequent auf die Gewinnung hochqualifizierter Arbeitskräfte ausgerichteten Investitionsstrategie profitieren. So steigt die Erwerbstätigenzahl im Thüringer Kreis Eichsfeld bis 2018 bei Fortschreibung der bisherigen Entwicklung um gut 6,8 Prozent, im "Wachstumsszenario" jedoch um knapp 11,1 Prozent.

Mobilität erhöht den Handlungsdruck

Strukturschwache Regionen stehen nicht nur wegen ihrer vergleichsweise schlechten Startbedingungen unter Handlungsdruck. Vielmehr ist es wahrscheinlich, dass in den kommenden Jahren die wenigen hochqualifizierten Arbeitskräfte in Städte und Kreise mit höheren Löhnen und besseren Arbeits- und Lebensbedingungen abwandern. "Der in vielen Regionen schon heute zu beobachtende 'Brain-Drain', die Abwanderung gut ausgebildeter Erwerbstätiger, wird ohne Gegenmaßnahmen auch Kreise und Städte erfassen, die bei einer bloßen Fortschreibung der bisherigen Entwicklung leichte Beschäftigungsgewinne verzeichnen könnten", erläutert Michael Bräuninger.

Im "Polarisierungsszenario", das die Zu- und Abwanderung Hochqualifizierter berücksichtigt, würde beispielsweise Zwickau bis 2018 einen Beschäftigungsrückgang um knapp 0,1 Prozent bescheren. Im "Basisszenario" würde die Zahl der Erwerbstätigen hingegen um knapp zwei Prozent (1.193) steigen, im Wachstumsszenario sogar um knapp 4,9 Prozent (2.954).

Lernen von den Nachbarn

Zwar hat auch die geographische Lage der Regionen Konsequenzen für die Beschäftigungsentwicklung. Jedoch zeigt das Modell, dass auch benachbarte Kreise und Städte bei der Beschäftigungsbilanz weit auseinander liegen können. So steigt die Zahl der Erwerbstätigen beispielsweise in Dortmund im "Basisszenario" bis 2018 um 27,7 Prozent, das nur wenige Kilometer entfernt liegende Bochum schafft hingegen nur einen Zuwachs von 7,5 Prozent. Auch im "Wachstumsszenario" bliebe Dortmund deutlich vor Bochum. "Städte mit einer unterdurchschnittlich entwickelten Wissensinfrastruktur müssen aktiv auf eine Trendumkehr hinarbeiten. Ein erster Schritt ist die Stärkung und intensivere Nutzung vorhandener Ressourcen, beispielsweise durch Investitionen in Schulen und Universitäten", kommentiert Holger Jandke, Partner bei PwC und verantwortlich für den Bereich Investitionsförderung in den neuen Bundesländern.

Für viele ostdeutsche Zentren könnte die Stadt Jena ein Vorbild sein. Hier steigt die Zahl der Erwerbstätigen im "Basisszenario" bis 2018 um knapp 11,5 Prozent. Jena hat aufgrund der hohen Lebensqualität und der sehr guten wissenschaftlichen Einrichtungen sowie zahlreicher innovativer Unternehmen eine sehr große Anziehungskraft auf Hochqualifizierte. Demgegenüber schneidet die Universitätsstadt Halle trotz vergleichbarer Rahmenbedingungen deutlich schlechter ab. Hier wird die Zahl der Erwerbstätigen lediglich um knapp 1,9 Prozent steigen.

Die PwC / HWWI-Studie "Deutschland 2018 - Die Arbeitsplätze der Zukunft" können Sie hier kostenlos bestellen: www.pwc.de/de/deutschland2018

Die PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist in Deutschland mit 8.870 Mitarbeitern und einem Umsatzvolumen von rund 1,47 Milliarden Euro eine der führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften. An 28 Standorten arbeiten Experten für nationale und internationale Mandanten jeder Größe. PwC bietet Dienstleistungen an in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Dienstleistungen (Assurance), Steuerberatung (Tax) sowie in den Bereichen Transaktions-, Prozess- und Krisenberatung (Advisory).

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut gemeinnützige GmbH (HWWI) ist eine unabhängige Forschungseinrichtung, die wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch wichtige Trends analysiert. Als unabhängiges Institut mit interdisziplinärer Ausrichtung betreibt das HWWI wirtschaftswissenschaftliche Forschung und politische Beratung in den Kompetenzbereichen: Wirtschaftliche Trends, Hamburg und regionale Entwicklungen, Weltwirtschaft und Migration Research Group.

Sandra Otte | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.pwc.com

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