Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Uni Osnabrück und IGB veröffentlichen Studie zu den Auswirkungen neuer Staudämme

12.11.2014

Der weltweite Bedarf an Elektrizität steigt. Bislang haben trotz wachsender Wirtschaft bei weiter steigender Weltbevölkerung vor allem in sich entwickelnden Ländern noch immer 1,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu elektrischem Strom.

Der Klimawandel treibt dabei die Suche nach erneuerbaren Quellen zur Elektrizitätserzeugung voran. Dies zeigt sich auch in einer von Wissenschaftlern des Instituts für Umweltsystemforschung (USF) der Universität Osnabrück und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Berlin jetzt veröffentlichten Studie. Im Fokus dabei: die Auswirkungen neuer Staudämme.

Derzeit werden weltweit 3.700 große Staudämme zur Elektrizitätserzeugung gebaut oder geplant, die die heutige Stromkapazität aus Wasserkraft fast verdoppeln werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: eine flexible und dezentrale Stromproduktion, die Möglichkeit der Energiespeicherung, Überflutungsschutz und keine direkten Treibhausgasemissionen. Das hinter der Staumauer entstandene Reservoir kann außerdem der Trinkwasserversorgung, der Bewässerung, der Fischzucht oder als Erholungsgebiet dienen.

Doch es gibt auch eine Kehrseite, wie die Studie deutlich macht: Die für das Reservoir benötigte Fläche erfordert Umsiedlungen der dort ansässigen Bevölkerung, die Verbauung der Flüsse unterbricht den natürlichen Wasserabfluss und Sedimenttransport und verhindert die Wanderung von Fischen – ein Verlust unserer biologischen Vielfalt ist die Folge.

»Werden alle geplanten Staumauern verwirklicht, die wir in einer Datenbank zusammengetragen haben, wird jeder fünfte der jetzt noch freifließenden Flüsse verbaut werden«, erläutert Dr. Jürgen Berlekamp vom USF. Er zeigt die Schwerpunkte des Dammbaus auf einer Weltkarte: »Ein besonders starker Ausbau ist in der Amazonas-Region und im La-Plata-Becken in Südamerika sowie in den Einzugsgebieten des Ganges-Brahmaputra und des Yangtze zu erwarten, aber auch auf dem Balkan.«

Trotz dieses intensiven Ausbaus wird sich der Anteil der Wasserkraft zur Deckung des globalen Elektrizitätsbedarfs kaum erhöhen, zeigen die Wissenschaftler in ihren Untersuchungen. Auch der fehlende Zugang zu Elektrizität wird damit nicht gedeckt werden.

Trotzdem hat Wasserkraft eine zentrale Bedeutung als erneuerbare Stromquelle. Derzeit trägt diese bereits lange etablierte Technik mit ca. 80 Prozent den weitaus größten Anteil der aus erneuerbaren Quellen produzierten Elektrizität.

»Wir hoffen daher, dass unsere Datenbank dazu beitragen kann, bei der Errichtung neuer Staudämme einen systematischen Managementansatz zu verfolgen, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Konsequenzen von allen bereits vorhandenen und geplanten Dämmen innerhalb einer Flussregion berücksichtigt«, erläutert Prof. Dr. Christiane Zarfl vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und dem Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen. So könnten negative Auswirkungen minimiert werden.

Weitere Informationen für die Redaktionen:
Dr. Jürgen Berlekamp, Universität Osnabrück
Institut für Umweltsystemforschung
Barbarastraße 12, 49069 Osnabrück
Tel.: +49 541 969 2572
E-Mail: juergen.berlekamp@uni-osnabrueck.de
Die Studie: Zarfl, C, Lumsdon AE, Berlekamp J, Tydecks L, Tockner K (im Druck): A global boom in hydropower dam construction. Aquatic Sciences (DOI: 10.1007/s00027-014-0377-0).

Dr. Oliver Schmidt | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-osnabrueck.de/startseite.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

nachricht »Zweites Leben« für Smartphones und Tablets
16.03.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics