Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die unerklärliche Angst vor den grusligen Krabblern

27.11.2008
Angst vor Spinnen: Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann hat sie. An den bisherigen Erklärungsversuchen für diese weitverbreitete Furcht hatten Würzburger Psychologen ihre Zweifel. Im Experiment konnten sie diese jetzt bestätigen.

Spinnen sind eklig, irgendwie gruselig und ihre Bisse giftig. Kein Wunder, dass ein großer Anteil der Bevölkerung zugibt: "Ich habe Angst vor Spinnen". Aus evolutionärer Sicht könnte diese Angst Sinn ergeben.

Spinnen sind Jäger und verabreichen ihren Opfern Gift, das diese lähmt und hilflos macht - allerdings kann dies in der Regel nur Insekten und kleinen Säugetieren gefährlich werden. Wer Angst hat, wird jedoch beim ersten Anblick einer Spinne in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt und kann so möglicherweise dem lähmenden Biss entgehen. Klingt schlüssig und wurde wohl deshalb bisher als Erklärung von vielen Seiten akzeptiert.

Bienen und Wespen sind gefährlicher

Ein Team um den Würzburger Psychologen Georg W. Alpers hatte allerdings Zweifel an der Richtigkeit dieser These: "Wenn das Gift Auslöser für die Angst ist, müssten Menschen eigentlich genauso stark auf andere Tiere reagieren, beispielsweise auf Bienen oder Wespen", sagt Alpers. Tatsächlich stellen die Insekten für Menschen eine sehr viel realere Gefahr dar als Spinnen: Ihr Stich kann eine tödlich verlaufende allergische Reaktion auslösen; und selbst ein gesunder Mann wird es nicht überleben, wenn ein Bienenschwarm auf ihn losgeht und 500- bis 1000-mal zusticht.

Alpers und seine Mitarbeiterin Antje Gerdes und die Biologin Gabriele Uhl, die an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Zoologie vertrat, wollten deshalb wissen, ob Menschen allgemein Furcht verspüren, wenn sie auf die "grusligen Krabbler" stoßen, ob dies nur für giftige Arten gilt - oder ob Spinnen einzigartig sind, wenn es darum geht, Angst hervorzurufen. Dazu präsentierten sie Studierenden Bilder von Spinnen, Wespen, Bienen, Käfern, Schmetterlingen und Motten und befragten sie danach, wie sehr sie sich vor den Tieren fürchteten oder ekelten und für wie gefährlich sie diese hielten.

Spinnenangst und -ekel sind einzigartig

Ergebnis: "Spinnen riefen signifikant mehr Angst und Ekel hervor als die anderen Tiere", so Alpers. So wie Angst vor Gefahr schützt, schützt Ekel vor Vergiftung durch Verdorbenes. Das würde erklären, dass manche sich vor Käfern ekelt. Tatsächlich übertrifft aber in der Studie der Ekel vor Spinnen bei weitem den Ekel vor Käfern.

Gleichzeitig stuften die Teilnehmer Spinnen als deutlich gefährlicher ein als Bienen, Käfer oder Motten. "Spinnenangst ist also tatsächlich spinnenspezifisch", so der Schluss des Psychologen. Und: "Die mögliche Gefahr, die von einer Tierart für den Menschen ausgeht, reicht als Grund alleine nicht aus, um solche Ängste zu erklären, wie wir sie im Fall der Spinnen finden."

Die Gewöhnung an Stiche vermindert die Angst

Wieso aber nur Spinnen Angst auslösen, Bienen jedoch nicht, dafür gibt es mehrere Erklärungsmöglichkeiten. Eine lautet: "Weil Menschen mit Bienen mehr Erfahrungen haben als mit Spinnen, da sie schon immer am Honig interessiert waren", sagt Antje Gerdes. Zu diesen Erfahrungen gehört es zwar auch, hin und wieder gestochen zu werden. Das ist aber nur von Vorteil: "Auf diese Weise konnten die Menschen die Erfahrung machen, dass Bienenstiche in der Regel nicht zum Tod führen. Die Gewöhnung hat zur Folge, dass Angst zurückgeht", so die Psychologin.

Anders bei den Spinnen: Weil einfach nicht genug Menschen von den Krabblern gebissen werden, fehlt es an der Erfahrung, dass diese Bisse vergleichsweise harmlos sind.

Spiders are special: fear and disgust evoked by pictures of arthropods. Antje B.M. Gerdes, Gabriele Uhl, Georg W. Alpers. Evolution and Human Behavior, DOI: 10.1016/j.evolhumbehav.2008.08.005)

Kontakt: PD Dr. Georg W. Alpers, T: (0931) 31-2840,
E-Mail: alpers@psychologie.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Biene Ekel Furcht Gewöhnung Gift Insekt Krabblern Motte Psychologe Spinne Wespen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie