Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Übergewicht als Risikofaktor für die Erkrankung an Hirntumoren – Forscher legen neue Studie vor

17.09.2015

Wenn man übergewichtig oder fettleibig ist, scheint sich auch das Risiko zu erhöhen, an einer bestimmten Form von Hirntumoren – Meningeomen – zu erkranken. Diesen Schluss legt eine groß angelegte Untersuchung von Gesundheitsdaten und -studien nahe, die jetzt von Regensburger Forschern durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung werden in der renommierten Fachzeitschrift „Neurology“ veröffentlicht.

„Das ist eine bedeutende Entdeckung, da wir erst wenige Risikofaktoren für die Erkrankung an Meningeomen identifiziert haben. Und die Risikofaktoren, die wir bislang kennen, lassen sich nicht beeinflussen“, erklärt Dr. Gundula Behrens. Sie hat die Studie gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg betreut.

„Wenn man die starke Verbreitung von Adipositas und die ungünstige Prognose für Meningeom-Patienten berücksichtigt, dürften unsere Ergebnisse für die Entwicklung neuer Strategien zur Verringerung des Risikos zur Erkrankung an dieser gefährlichen Form von Hirntumoren bedeutsam sein.“ Fünf bis acht Personen von 100.000 erkranken jedes Jahr ein einem Meningeom. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt dabei bei lediglich 63 Prozent.

Die Meta-Untersuchung der Regensburger Wissenschaftler umfasste Gesundheitsdaten und -studien zum Body-Mass-Index (BMI), zur körperlichen Aktivität und zu den beiden Hirntumor-Typen Meningeom und Gliom. Meningeome und Gliome sind die häufigsten Formen von Hirntumoren bei Erwachsenen. Insgesamt wurde das Datenmaterial aus 12 Studien einbezogen, darunter 2.982 Fälle mit Meningeom- und 3.057 Fälle mit Gliom-Erkrankung.

Die Analysen ergaben, dass für Personen mit Übergewicht eine um 21 % höhere Wahrscheinlichkeit vorliegt, in ihrem Leben an einem Meningeom zu erkranken. Für fettleibige Personen liegt die Wahrscheinlichkeit sogar um 54 % höher. Übergewicht wurde dabei über einen BMI von 25 bis 29,9 definiert, Fettleibigkeit über einen BMI von 30 oder mehr.

Zwischen einem erhöhten Körpergewicht und Erkrankungen mit einem Gliom, der ähnlich oft auftritt wie ein Meningeom, aber eine noch schlechtere Prognose hat, konnte kein Zusammenhang hergestellt werden. Die Regensburger Studie deutet jedoch auf einen positiven Einfluss körperlicher Aktivität hin. So weisen die Personen mit dem höchsten Grad an körperlicher Aktivität ein um 27 % geringeres Meningeom-Risiko auf als die „inaktivste“ Personengruppe.

Behrens geht davon aus, dass – mit Blick auf die Verbindung zwischen Übergewicht und Meningeom-Erkrankungen – verschiedene biologische Prozesse eine Rolle spielen. So führt Übergewicht beispielsweise zu einer Überproduktion von Östrogenen, die wiederum die Entwicklung von Meningeomen fördern. Zudem ist Übergewicht mit einem hohen Insulinniveau im Körper verbunden, wobei auch Insulin das Wachstum von Meningeomen begünstigt.

Die Regensburger Wissenschaftlerin betont allerdings auch, dass die neue Studie kein Nachweis dafür ist, dass Übergewicht oder fehlende körperliche Aktivität die Ursachen für eine Erkrankung mit Hirntumoren darstellen. Sie belegt nach Ansicht von Behrens nur eine Beziehung zwischen den Messkategorien „Übergewicht“ oder „körperliche Aktivität“ und der Häufigkeit der Erkrankungen.

Titel der Original-Publikation:
Tobias Niedermaier, Gundula Behrens, Daniela Schmid, Inga Schlecht, Beate Fischer, Michael F. Leitzmann: Body mass index, physical activity, and risk of adult meningioma and glioma. A meta-analysis, in „Neurology“ 2015; 85 : 1–9

Ansprechpartnerin für Medienvertreter:
Dr. Gundula Behrens
Universität Regensburg
Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin
Tel.: 0941 944-5217
Gundula.Behrens@klinik.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie