Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tumorprotein gegen Tumorwachstum

27.04.2009
PROSTATA, PROTEIN & PROLIFERATION
Ein in Zellen des Prostatakrebs nachgewiesenes Protein kann das Tumorwachstum einschränken. Das als SOCS-1 bezeichnete Protein gehört zur Klasse der sogenannten Suppressor of Cytokine Signaling (SOCS)-Proteine, die in verschiedenen Tumorarten sehr unterschiedliche Wirkungen bedingen. Die vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützte und jetzt im American Journal of Pathology veröffentlichte Arbeit zeigt weiter, dass die wachstumshemmende Wirkung von SOCS-1 durch Einfluss auf die Zellteilung erfolgt.

Für Männer ist das Prostatakarzinom, nach Lungen- und Darmkrebs, die Krebserkrankung mit der höchsten Sterblichkeit. Aber in einem frühen Entwicklungsstadium des Tumors bietet neben der Strahlentherapie auch das chirurgische Entfernen des Tumors eine gute Aussicht auf erfolgreiche Behandlung. In einem späteren Entwicklungsstadium ist die Chemotherapie zwar zunehmend erfolgreich, derzeit ist aber die Hormonbehandlung noch das erste Mittel der Wahl. Denn als eine der Hauptursachen für das Entstehen und die Entwicklung des Prostatakarzinoms gilt eine Aktivierung der Rezeptoren für männliche Sexualhormone auf den Zellen der Prostata. In den letzten Jahren mehren sich aber die Hinweise, dass auch chronische Entzündungen zur Entstehung des Krebses beitragen können. Zum besseren Verständnis dieser Zusammenhänge werden derzeit die dabei ablaufenden Signalübertragungswege im Detail analysiert.

SIGNALWIRKUNG
Mit einer ganz speziellen Klasse an Schlüsselproteinen dieser Signalwege befasst sich das Team um Prof. Zoran Culig von der Universitätsklinik für Urologie der Medizinischen Universität Innsbruck. Die als SOCS - Suppressor of Cytokine Signaling - bezeichneten Proteine wirken hemmend auf jene Signale, die von wichtigen entzündungsrelevanten Botenstoffen, den Zytokinen, ausgehen. Dazu Prof. Culig: "Derzeit wissen wir von sieben verschiedenen SOCS-Proteinen, die in Tumorzellen unterschiedlicher Krebsarten nachgewiesen werden können. Nun haben wir auch in Zellen des Prostatakrebses das SOCS-1 eindeutig belegen können. Neben sechs verschiedenen Zelllinien verwendeten unsere Kooperationspartner und Kooperationspartnerinnen von der Medizinischen Universität Wien und vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung, L. Kenner, M. Susani und M. Schlederer, für diese Untersuchung auch Gewebeproben von Tumorpatienten vor und nach einer Hormontherapie sowie von Patienten, die auf eine solche Therapie nicht mehr ansprechen. In allen Fällen gelang es uns, SOCS-1 nachzuweisen."

(ENT-)ZÜNDENDE WIRKUNG
Zum weiteren Verständnis der Zusammenhänge zwischen SOCS-1 und den entzündungsrelevanten Signalübertragungswegen der Krebszellen wählte Prof.
Culig ein elegantes Experiment: Prostatakrebs-Zelllinien wurden mit IL-6, einem Interleukin, das bei der Entstehung von Entzündungen eine maßgebliche Rolle spielt, behandelt. Interessanterweise bewirkte dies zwar keine Erhöhung der zur Herstellung von SOCS-1 notwendigen mRNA - trotzdem stieg die Konzentrationen an SOCS-1 deutlich an. Dazu Prof. Culig: "Obwohl das Ergebnis zunächst überrascht, kann dessen Erklärung recht einfach sein. Denn es ist durchaus vorstellbar, dass IL-6 stabilisierend auf die mRNA wirkt und somit SOCS-1 über einen längeren Zeitraum hergestellt werden kann. Auch das führt zu einer erhöhten Konzentration in den Zellen."

Da die Wirkungen der bisher bekannten SOCS-Proteine in den verschiedenen Krebsarten deutlich voneinander abweichen, wurden die Wirkungen von SOCS-1 von Prof. Culig in Prostatakrebszellen näher analysiert. Dafür wählte er zwei weitere aussagekräftige Experimente, wobei in einem die Konzentration des SOCS-1 in den Zellen erhöht und in dem anderen reduziert wurde. So konnte gezeigt werden, dass SOCS-1 über einen hemmenden Einfluss auf die Zellteilung der Tumorzellen das Wachstum des Tumors einschränkt. Speziell konnte ein Einfluss von SOCS-1 auf die Synthese der Proteine Cyclin und CDK gezeigt werden, die beide zur Initiierung der Zellteilung beitragen.

Insgesamt legt diese jetzt vom American Journal of Pathology auch als "Featured Article" publizierte Arbeit den Gedanken nahe, bei der Erforschung des Prostatakrebses das Augenmerk verstärkt auf die Zusammenhänge mit entzündungsrelevanten Vorgängen zu legen. Denn, so deutet das vom FWF unterstützte Projekt an, Signalübertragungswege, die für Entzündungen verantwortlich sind, könnten das Fortschreiten des Tumorwachstums bei Prostatakrebs beeinflussen.

Originalpublikation: Suppressor of Cytokine Signaling (SOCS)-1 is Expressed in Human Prostate Cancer and Exerts Growth-inhibitory Function through Down-regulation of Cyclins and Cyclin-dependent Kinases. H. Neuwirt, M.
Puhr, F. R. Santer, M. Susani, W. Doppler, G. Marcias, V. Rauch, M. Brugger, A. Hobisch, L. Kenner and Z. Culig. Am. J. Path., DOI 10.2353/ajpath 2009.080751.


Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Zoran Culig
Medizinische Universität Innsbruck
Univ.-Klinik für Urologie
Anichstraße 35
6020 Innsbruck
T +43 / 512 / 504 - 24717
E zoran.culig@i-med.ac.at

Der Wissenschaftsfonds FWF:
Mag. Stefan Bernhardt
Haus der Forschung
Sensengasse 1
1090 Wien
T +43 / 1 / 505 67 40 - 8111
E stefan.bernhardt@fwf.ac.at

Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung Campus Vienna Biocenter 2 1030 Wien T +43 / 1 / 505 70 44 E contact@prd.at W http://www.prd.at

Ramona Seba | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.fwf.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu Bildungsangeboten für die Industrie 4.0 in Österreich
05.02.2018 | Fachhochschule St. Pölten

nachricht Schildkrötengehirne sind komplexer als gedacht
05.02.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics