Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TRILOGY-ACS-Studie: Clopidogrel und Prasugrel gleich gut

28.08.2012
Vom 25. bis 29. August 2012 findet in München der Europäische Kardiologenkongress (ESC) statt

Auf dem Europäischen Kardiologenkongress in München wurden die Daten der gleichzeitig im New England Journal of Medicine publizierten TRILOGY-ACS-Studie präsentiert, die die Gerinnungshemmer Clopidogrel und Prasugrel in einem Kollektiv von Patienten mit akutem Koronarsyndrom ohne Hebung der ST-Strecke verglich, bei denen keine interventionelle Revaskularisation (Wiederherstellung des Blutflusses) vorgenommen wurde.

Dies ist insofern eine besondere Population, als Patienten nach Revaskularisation im Allgemeinen ein besseres Outcome haben, gleichzeitig aber gerade bei älteren Patienten mit ungünstiger Prognose eher auf eine Intervention im Katheterlabor verzichtet wird – unter anderem wegen des Risikos der Kontrastmittel-Unverträglichkeit.

„Rund 40 bis 60 Prozent der Patienten mit Nicht-STEMI-Infarkt werden keiner Revaskularisierung zugeführt. Diese Patienten haben etwa das doppelte Risiko eines weiteren ischämischen Events, sind in den neueren Studien jedoch unterrepräsentiert“, so Studien-Erstautor Prof. Dr. Matthew Roe (Duke University, USA). So wurde ein Vergleich von Clopidogrel und Prasugrel bislang nur bei Patienten nach Revaskularisation durchgeführt (TRITON-Studie).

TRILOGY-ACS war eine doppelblinde, randomisierte Studie mit insgesamt mehr als 9000 Patienten (966 Zentren aus 52 Ländern) und einer Beobachtungszeit von bis zu 30 Monaten. Die Teilnehmer erhielten entweder 75 mg Clopidogrel oder 10 mg Prasugrel täglich, zusätzlich zu Aspirin. Bei Personen mit weniger als 60 kg Körpergewicht wurde die Prasugrel-Dosis auf 5 mg reduziert.

Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen

Die Ergebnisse überraschten die Autoren, wie der Vorsitzende des Studienkomitees, Prof. Dr. Magnus Ohman (Duke University) betont. TRILOGY zeigte nämlich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Weder hinsichtlich der Risikoreduktion für ischämische Events noch in Bezug auf schwere oder gar tödliche Blutungen. Im Gegensatz dazu hatte man in TRITON unter Prasugrel bessere Wirksamkeit um den Preis eines höheren Blutungsrisikos gesehen. Prof. Ohman: „TRILOGY war als Fortsetzung von TRITON gedacht. Wir wollten zeigen, dass Prasugrel auch bei Patienten, die nicht interventionell versorgt wurden, genauso gut wirkt.“
In dieser Population lagen die beiden Plättchen-Inhibitoren gleichauf. In der Gruppe der Patienten unter 75 Jahren trat der primäre Endpunkt bei 13,9 Prozent in der Prasugrel- und 16,0 Prozent in der Clopidogrel-Gruppe auf (HR 091; 95 % CI 0,79-1,05; P = 0,21). In der Gesamtpopulation der Studie (9326 Patienten, davon 2083 über 75 Jahre) wurden ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen gefunden. Allerdings gab es eine weitere Überraschung: Bei Patienten unter 75 Jahren wurde nach zwölf Monaten unter Prasugrel ein Trend zu weniger ischämischen Events beobachtet. Eine Erklärung für diesen verzögerten Effekt haben die Autoren nicht. Wiederholte ischämische Ereignisse waren unter Prasugrel – besonders nach zwölf Monaten – seltener. Es wurde kein Zusammenhang zwischen Prasugrel-Behandlung und erhöhter Tumorinzidenz gefunden. Prof. Roe: „Wir haben unser Studienziel nicht erreicht, aber wir haben gezeigt, dass es hinsichtlich schwerer Blutungskomplikationen keine signifikanten Unterschiede zwischen Clopidogrel und Prasugrel gibt, und wir haben einige interessante Entdeckungen gemacht, die weiterer Untersuchungen bedürfen.“

Studien-Mitautor Prof. Kurt Huber: In den rezenten ESC-Guidelines festgehaltene Indikationen sind weiterhin gültig

„Die Studie, die mit besonders hoher Qualität (nur 0,2 % Dropout-Rate) und über einen besonders langen Zeitraum durchgeführt wurde, zeigt einerseits, dass Prasugrel bei konservativ medikamentös behandelten ACS-Patienten keinen Vorteil hinsichtlich der Reduktion ischämischer Ereignisse, aber auch keinen Nachteil hinsichtlich erhöhter schwerer Blutungskomplikationen in sich birgt“, so Studien-Mitautor Prof. Dr. Kurt Huber (Wilhelminenspital, Wien, AT; Vorsitzender des ESC-Pressekomitees). „Somit sind die bisherigen, in den rezenten ESC-Guidelines festgehaltenen Indikationen weiterhin gültig, das heißt, Prasugrel-Gabe bei Patienten ohne ST-Streckenhebung bei bekannter Anatomie und geplanter Intervention sowie Verwendung in der primär PCI bei St-Hebungsinfarkt.“
Nach einem akuten Koronarsyndrom („Herzinfarkt“ mit oder ohne Hebung der ST-Strecke im EKG) ist eine Beeinflussung der Blutgerinnung durch Hemmung der Aggregation von Thrombozyten Standard. Diese erfolgt unabhängig davon, ob eine interventionelle Versorgung des verschlossenen Herzkranzgefäßes mittels Herzkatheter vorgenommen wird. Zur Plättchen-Hemmung stehen unterschiedliche Substanzen zur Verfügung, die mittlerweile in einer Reihe von Studien in unterschiedlichen Populationen verglichen wurden.

ESC-Medienkontakt für deutschsprachige Medien:
Dr. Birgit Kofler, Roland Bettschart
B&K Bettschart & Kofler Kommunikationsberatung
E-Mail: kofler@bkkommunikation.com; bettschart@bkkommunikation.com
Pressezentrum ESC-Kongress: +49 89 949 27 045; +49 1525 9359276
Nach dem Kongress: Dr. Birgit Kofler +43-676-6368930, Roland Bettschart: +43-676-6356775

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.escardio.org/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Diabetesmedikament könnte die Heilung von Knochenbrüchen verbessern
17.03.2017 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Soziale Phobie: Hinweise auf genetische Ursache
10.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit