Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trennungen: Studie zeigt, dass erst ein neuer Partner die Wunde heilt

09.12.2010
Die Zeit heilt alle Wunden: Dieser tröstlich gemeinte Spruch scheint für Trennungen nicht zu gelten. Stattdessen bewirkt häufig erst eine neue Partnerschaft die endgültige Lösung von der oder dem Ex.

Zu diesem Schluss kommen Psychologen der Universität Bonn in einer aktuellen Studie. Ihre Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift „Personal Relationships“, sind aber bereits online abrufbar (doi: 10.1111/j.1475-6811.2010.01308.x).

Die Bonner Forscher nutzten einen Trick, um den insgesamt 144 Teilnehmern ihrer Studie ins Herz zu schauen. Zum Auftakt fragten sie ihre Probanden nach fünf besonders charakteristischen Merkmalen ihrer Ex-Partner – also etwa Vorname, Lieblingsmusik, Haarfarbe oder Hobby.

Dann führten die Versuchspersonen ein einfaches Computerexperiment durch: Zunächst erschien auf dem Bildschirm nach dem Zufallsprinzip entweder eines dieser fünf Merkmale oder aber eine Eigenschaft, die mit der oder dem Ex nichts zu tun hatte. Direkt danach zeigte der Monitor ein chinesisches Schriftzeichen. Die Probanden sollten nun per Tastendruck angeben, ob sie dieses Zeichen „angenehm“ oder „unangenehm“ fanden. Dieses Vorgehen wurde 60 Mal wiederholt.

„Bei Versuchen wie diesem projizieren die Teilnehmer ihre Emotionen auf das Schriftzeichen“, erklärt der Bonner Psychologe Robert Imhoff. „Genauer: Sie bewerten das Zeichen umso angenehmer, je positiver ihre Assoziation bei dem zuvor gezeigten Begriff war. Wir sprechen auch von einer Fehlzuordnung von Emotionen.“

Ein Beispiel: Hans wurde vor sechs Monaten von Britta verlassen. Im Experiment erscheint nun hin und wieder für eine knappe Zehntel Sekunde der Name „Britta“ auf dem Monitor. Immer, wenn das passiert, bewertet Hans das im Anschluss gezeigte Schriftzeichen positiver. Er verrät damit, dass er immer noch an Britta hängt. Diese Fehlzuordnung erfolgt automatisch, also weitgehend ohne bewusste Kontrolle. Das geht so weit, dass der Teilnehmer etwas über sich erfahren kann, was er selbst gar nicht ahnte.

Erst wer sich vom Partner gelöst hat, kann positiv über ihn reden

Die Forscher konnten so testen, was ihre Probanden implizit von ihren Ex-Partnern halten. Zusätzlich befragten sie die Teilnehmer explizit nach den Charaktereigenschaften ihrer Verflossenen – also etwa: „Mein Ex-Partner hatte viele positive Wesenszüge“ oder „Mein Ex-Partner ist egoistisch“. Außerdem sollten die Versuchsteilnehmer angeben, wie sehr sie mit ihrer augenblicklichen Lebenssituation zufrieden seien.

Ergebnis: Je positiver die implizite Einstellung zum ehemaligen Partner, desto unzufriedener waren die Teilnehmer mit ihrem Leben. Überspitzt gesagt: Wer an seinem oder seiner Ex hängt, ist unglücklicher. Das klingt zunächst wenig überraschend. „Erstaunlicherweise ist es mit den expliziten Meinungen aber genau andersherum“, betont der Leiter der Bonner Sozial- und Rechtspsychologie Prof. Dr. Rainer Banse: „Wer sich positiv über den Expartner äußert, ist tendenziell zufriedener.“

In gewisser Weise deckt sich auch dieser Befund mit unseren Alltags-Erfahrungen: Oft schimpft gerade der am lautesten über seinen Ex-Partner, der innerlich noch am meisten an ihm hängt. Gut über den Verflossenen oder die Ex zu reden, ist dagegen ein Zeichen der Souveränität. Und die besitzt man erst, wenn man wirklich mit der zerbrochenen Beziehung abgeschlossen hat.

Für diese Interpretation spricht noch eine andere Beobachtung: Die Ergebnisse treffen nämlich nur für Singles zu. Sobald ein neuer Partner ins Leben tritt, verliert die alte Beziehung an Bedeutung. Überrascht waren die Forscher dagegen von einem weiteren Ergebnis: Demnach gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Zeit seit der Trennung und der Lebenszufriedenheit. „Unsere Studie zeigt, dass man sehr lange unter einer Trennung leiden kann“, betont Roland Imhoff. „Oft scheint erst mit einer neuen Beziehung auch eine Neubewertung des Expartners einher zu gehen, der damit an Einfluss auf das Lebensglück verliert.“

Kontakt:
Roland Imhoff
Lehrstuhl für Sozial- & Rechtspsychologie
Institut für Psychologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4190
E-Mail: rimhoff@uni-bonn.de

Frank Luerweg | Uni Bonn
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Emotion Expartner Fehlzuordnung Monitor Psychologe Schriftzeichen Verflossenen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften