Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treffen gut Gelaunte die schlechteren Entscheidungen?

11.04.2012
Wer positiv gestimmt ist, entscheidet in bestimmten Situationen offenbar nicht optimal. Dies berichten Forschende der Fakultät für Psychologie der Universität Basel, die untersuchten, in welcher Stimmung ältere und jüngere Menschen sogenannte sequenzielle Entscheidungen treffen. Dabei gaben Ältere eine positivere Stimmung an und entschieden im Schnitt schlechter als Jüngere. Die Resultate werden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift «Psychology and Aging» veröffentlicht.

Viele Entscheidungen wie etwa beim Wohnungskauf oder der Jobsuche sind sequenziell: Man bekommt nacheinander verschiedene Angebote, die man jeweils annehmen oder ablehnen kann. Bei einer Ablehnung steht das Angebot nicht mehr zur Verfügung – zum Beispiel wurde die Wohnung bereits an den nächsten Interessenten verkauft.

Bei solchen Entscheidungen hängt die Qualität der Wahl eng damit zusammen, wie viele Angebote vor dem Entscheid begutachtet werden. Dabei sind sowohl eine zu kurze als auch eine zu lange Suche suboptimal: Bei einer kurzen Suche ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass später noch ein besseres Angebot kommt; bei einer sehr langen Suche steigt das Risiko, dass man das beste Angebot schon gesehen und bereits abgelehnt hat.

In ihrer Studie untersuchten die Basler Forschenden, wie ältere und jüngere Erwachsene, die meisten mit einem Universitätsabschluss, sequenzielle Entscheidungen treffen; zusätzlich hatten die 64 Probanden über ihre momentane Stimmungslage Auskunft zu geben. Sie erhielten Entscheidungsaufgaben am Computer vorgesetzt, bei denen sie für 60 verschiedene Produkte – von Flachbildschirmen über Rasenmäher bis zu Kühlschränken – jeweils das günstigste Angebot finden sollten. Bei jedem Angebot konnten sie sich entscheiden, ob sie das Produkt für diesen Preis kaufen oder lieber weitersuchen wollten; dann verfiel das Angebot aber. Im Ganzen konnten sich die Probanden bis zu 40 Preisangebote pro Produkt ansehen.

Die Psychologen fanden, dass ältere Erwachsene früher ein Angebot annahmen und insgesamt mehr für die Produkte zahlten als jüngere. Die Tendenz, weniger lange zu suchen, hing dabei nicht mit ihren kognitiven Fähigkeiten, sondern mit der Stimmung der Versuchspersonen zusammen: Je positiver ihre Stimmung, desto früher entschieden sie sich, ein Angebot anzunehmen, also eine Option zu akzeptieren, anstatt weiterzusuchen. Eine zweite Studie ausschliesslich mit jüngeren Erwachsenen – 81 Studierenden im Durchschnittsalter von 23 Jahren – zeigte, dass auch diese eher bereit waren, Angebote früher anzunehmen, wenn sie mit Bildern in eine positive Stimmung versetzt wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass nicht nur kognitive Fähigkeiten wichtig sind, um gute Entscheidungen zu treffen, sondern dass auch die aktuelle Stimmungslage einen wichtigen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten hat. Eine positive Stimmung kann also Angebote in einem rosigeren Licht erscheinen lassen und damit zu einer flüchtigeren Informationssuche führen. Dies kann aber schlechtere Entscheidungen zur Folge haben, etwa dann, wenn bei einer Wahl eine intensive Informationssuche notwendig ist.

Originalbeitrag
Bettina von Helversen, Rui Mata
Losing a Dime With a Satisfied Mind: Positive Affect Predicts Less Search in Sequential Decision Making

Psychology and Aging, March 26, 2012 | doi: 10.1037/a0027845

Weitere Auskünfte
Dr. Bettina von Helversen, Fakultät für Psychologie der Universität Basel, Tel. +41 (0)61 267 35 28, E-Mail: Bettina.vonhelversen@unibas.ch

Reto Caluori | idw
Weitere Informationen:
http://www.unibas.ch
http://psycnet.apa.org/psycinfo/2012-07757-001/

Weitere Berichte zu: Basel Informationssuche Psychologie Stimmungslage

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Studie zu sicherem Autofahren bis ins hohe Alter
19.06.2017 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften