Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trau nicht dem Applaus!

02.07.2013
Wenn Sie das nächste Mal auf der Bühne stehen und keine Standing Ovations ernten– seien Sie nicht betrübt!

Eine neue Studie internationaler Wissenschaftler, darunter Prof. Dr. Jens Krause, Verhaltensökologe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), konnte zeigen: Klatschen ist ansteckend und es hängt manchmal mehr von den Menschen vor der Bühne, als von den Protagonisten auf der Bühne ab, wie stark der Applaus ausfällt.

Die im „Journal of the Royal Society“ veröffentlichte Studie über soziale Identität und Gruppenpsychologie zeigt, wie und warum Individuen ihr Verhalten in Reaktion auf andere verändern. In einer Gruppe kann ein neues Verhalten erst bei einigen Individuen auftreten, bevor es auf andere überschwappt.

Es gibt eine Reihe von mathematischen Modellen die versuchen, dieses Phänomen der „sozialen Ansteckung“ zu beschreiben. Diese konnten aber bisher nicht in empirischen Studien – also durch Beobachtungen belegt werden. „Wir verwendeten die „Bayesian Model Selection“, ein mathematisches Verfahren, um zwischen verschiedenen Hypothesen zu unterscheiden, wie ein simples soziales Verhalten – nämlich das Klatschen nach einer wissenschaftlichen Präsentation – variieren kann“, so Krause. In dem Experiment wurden Studenten als Zuschauer einer Präsentation per Videoaufzeichnung beobachtet.

Die Wahrscheinlichkeit der Individuen, mit Klatschen zu beginnen, stieg in Abhängigkeit von der Zahl der anderen Zuschauer, die schon sozial angesteckt waren. Das Abflauen des Applauses ist ebenfalls sozial vermittelt, aber zu einem geringeren Grad. Kontrolliert wird es nämlich von dem Widerstreben jedes Einzelnen, zu lange zu klatschen. Die Forscher fanden auch heraus: Es sind immer die Gleichen, die anfangen, oder später starten. Die Reihenfolge, mit der die Individuen beginnen, ist also konsistent.

„Das soziale Ansteckungs-Modell welches wir auf Grundlage unserer Analysen entwickelt haben, sagt voraus, dass die Zeit, welche ein Publikum Applaus spendet, unabhängig von der Qualität der Präsentation deutlich variieren kann. Wir konnten in der Studie auch zeigen, dass die soziale Ansteckung eher über die Gesamtheit – in diesem Fall über das Verhalten der Masse im Raum – getrieben wird, also über das Verhalten der Menschen, die direkt neben einem sitzen“, fasst Krause die Ergebnisse zusammen. Diese Erkenntnis lässt sich möglicherweise auch auf andere Bereiche übertragen. Das Äquivalent bei Facebook oder Twitter wäre beispielsweise, ob Menschen einem Trend eher folgen, wenn viele Menschen im WWW darauf anspringen, oder ob die engen Freunde dafür ausschlaggebend sind.

Publikation
Mann RP, Faria J, Sumpter DJT, Krause J. 2013: The dynamics of audience applause.
J R Soc Interface 10: 20130466.
http://dx.doi.org/10.1098/rsif.2013.0466
Sie finden die Pressemitteilung auch online unter http://www.fv-berlin.de/news/trau-nicht-dem-applaus.
Kontakt
Wissenschaftler
Prof. Dr. Jens Krause
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
030/64181610
j.krause@igb-berlin.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Nadja Neumann
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
030/64181631
Nadja.neumann@igb-berlin.de

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de
http://www.igb-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Ab ins Ungewisse: Über das Risikoverhalten von Jugendlichen
19.01.2017 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Der Klang des Ozeans
12.01.2017 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise