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Tennis: Stöhnen verlangsamt den Gegner

05.10.2010
Sportpsychologin sieht gezielten Einsatz als Ablenkung

Viele Tennisprofis wie etwa Maria Sharapova oder Rafael Nadal sind für ihr notorisches Stöhnen im Spiel bekannt. Bis zu 100 Dezibel erreicht das geräuschvolle Luftablassen beim Schlag.

Immer wieder haben sich Spielgegner über die eigene Ablenkung dadurch beschwert. Die Kritik kommt zurecht, sagen Forscher der University of British Columbia. Im Online-Magazin PLoS ONE berichten sie, dass die Stöhn-, Grunz- und Zischgeräusche tatsächlich die Reaktion des Gegners verschlechtern.

Täuschung um 60 Zentimeter

Die Forscher spielten 33 Studenten eine Serie von 384 Videoclips vor, bei denen Tennisspieler am Platz Bälle aufschlugen. Teils verliefen die Schläge ruhig, teils waren sie von einem kurzen Stöhngeräusch begleitet genau in dem Moment, in dem der Schläger den Ball traf. Die Versuchspersonen sollten auf einer Tastatur so schnell und präzise angeben, in welche Richtung der Ball geschlagen wurde. Das Ergebnis: Die Reaktionszeit verlangsamte sich bei gleichzeitigem Geräusch deutlich und die Fehlerquote stieg.

Wenn auch der Nachweis am Tennisplatz noch aussteht, glauben die Forscher auf Grundlage dieser ersten Studie an eine deutliche Beeinträchtigung der Motorik des Gegners durch das Stöhnen. "Durch die verzögerte Reaktion empfindet ein Tennisspieler den Gegner bei einem Ball, der mit 80 Stundenkilometern daherkommt, um 60 Zentimeter näher als in Wirklichkeit. Das erschwert das Erwidern der Bälle", berichtet Studienleiter Scott Sinnett. In manchen Fällen könne man beim Stöhnen von Schummeln sprechen. In weiteren Untersuchungen wird nun der Effekt bei fortgeschrittenen und professionellen Tennisspielern getestet.

Aufschlaggeräusch birgt wichtige Infos

Warum das Stöhnen so stört, erklärt die Sportpsychologin Eva Pfaff http://www.eva-pfaff.de gegenüber pressetext. "Profis müssen im Tennis nicht nur sehen, sondern auch hören, wie der Ball am Treffpunkt geschlagen wird. Daraus erhält man wichtige Infos, etwa über Spin und Geschwindigkeit", so die Ex-Tennisspielerin, die es in den 80er-Jahren zur Nummer 17 der Weltrangliste und zu 15 deutschen Meistertiteln geschafft hat. Wird diese Information durch einen lauten Gegner überlagert, muss sie kompensiert werden, was sich jedoch oft als schwierig herausstellt.

"In vielen Fällen ist das Stöhnen auch gezielt aufgesetzt, um den Gegner abzulenken", vermutet die Expertin. So sei es zum Beispiel möglich, dass man laut stöhne, aber nur weich schlage. Tennisprofis, die sich so Vorteile erhoffen, tun sich dabei aber selbst nichts Gutes, gibt Pfaff zu bedenken. Die Folgen reichen über die heisere Stimme bei den Interviews nach dem Match hinaus. "Stellt das Geräusch einen Extraaufwand dar, so geht dies auch zu Kosten der eigenen Konzentration und des Schlagrhythmus. Der Gewinn in Summe ist somit fraglich."

Stöhnen in Mode

Stöhnen ist im Tennis noch ein junges Phänomen. "Die Rumänin Virginia Ruzici, die 1978 die French Open gewann, war die erste, die bei der Ausatmens-Bewegung gezischt hat. Die hastigen Laute von Monika Seles wurden erstmals auch in Dezibel gemessen. Seither nimmt Stöhnen in allen Variationen und Lautstärken immer mehr zu", so Pfaff. Bei Profis sei es bereits so normal geworden, dass sie es selbst nicht mehr bewusst wahrnehmen. Immer wieder gibt es Forderungen an Turnierveranstalter, die Unart einzuschränken. "Es dürfte schwierig sein. Helfen wird nur, wenn die Spieler selbst bemerken, dass sie dadurch auch sich selbst beeinträchtigen", urteilt die Expertin.

Originalstudie unter http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0013148

Johannes Pernsteiner | pressetext.deutschland
Weitere Informationen:
http://www.ubc.ca

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