Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sturz in die Pflegebedürftigkeit - Ulmer Studie zu Speichenbrüchen bei älteren Patienten

17.12.2008
Wer stürzt, versucht sich mit den Händen abzustützen - ältere Menschen brechen sich dabei häufig den Speichenknochen an der Stelle, wo er vom Unterarm zum Handgelenk führt.

Eine große deutschlandweite Studie unter Leitung der Ulmer Universitätsklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie soll nun herausfinden, ob eine Operation oder das Ausheilen im Gipsverband bessere Behandlungsergebnisse bringt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Forschungsvorhaben namens ORCHID (Open Reduction and plating versus casting in highly comminuted intraarticular distal radius fractures in the elderly) über drei Jahre mit einer Million Euro.

Von 100.000 Menschen über 64 Jahren werden sich innerhalb der nächsten vier Wochen 800 bis 1000 den Speichenknochen brechen - das sagt die Statistik. Sie sagt auch, dass das Risiko für Frauen größer ist als das für Männer. Für die betroffenen älteren Menschen hat so ein Bruch zur Folge, dass sie sich oft wochenlang nicht mehr selbst versorgen können. Bei einem Speichenbruch nahe am Handgelenk, die medizinische Bezeichnung lautet "komplexe, intraartikuläre distale Radiusfraktur", bieten sich zwei Therapien an: Entweder wird die Bruchstelle bei einer Operation mit einer winkelstabilen Platte verschraubt oder der Bruch heilt mithilfe eines stabilisierenden Gipsverbandes von selbst aus.

"Ein Gipsverband ohne Operation bedeutet eine längere Ruhigstellung des Armes, dafür vermeidet man einen operativen Eingriff", erklärt Prof. Dr. Florian Gebhard, Ärztlicher Direktor der Ulmer Unfallchirurgie, die Vor- und Nachteile beider Therapien. "Wir wollen herausfinden, welches Verfahren die besseren Behandlungsergebnisse bringt, damit ältere Menschen möglichst schnell wieder einsatzfähig sind." Dazu sollen in Ulm und an 14 weiteren Standorten in ganz Deutschland insgesamt 600 Patienten, die älter als 65 Jahre sind, von Kliniken und niedergelassenen Ärzten in die Studie eingeschlossen werden. Diese ist damit die einzige multizentrische wissenschaftliche Studie in Deutschland, die sich mit den orthopädischen und unfallchirurgischen Folgen von Knochenbrüchen beschäftigt.

"Neben einer engmaschigen Kontrolle während der Behandlung untersuchen wir die Patienten nochmals nach drei, sechs und zwölf Monaten", beschreibt Professor Gebhard den langfristigen Ansatz der Studie. Außerdem überwachen wir in einer so genannten Monitoringstudie die Qualität der eigentlichen Studie", erläutert Professor Gebhard. Die Ergebnisse fließen dann in medizinische Behandlungsleitlinien ein und stehen damit allen Ärzten zur Verfügung. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie sieht einen großen Bedarf an solchen aufwändigen Studien und hat ein eigenes Studienzentrum geschaffen, das deren Durchführung unterstützen und Ärzten durch Weiterbildung die Ergebnisse vermitteln soll.

Für Rückfragen steht Ihnen gerne Jörg Portius, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Universitätsklinikum Ulm (Tel. 0731 500-43043), zur Verfügung.

Jörg Portius | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Metamaterial mit Dreheffekt

Mit 3D-Druckern für den Mikrobereich ist es Forschern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gelungen ein Metamaterial aus würfelförmigen Bausteinen zu schaffen, das auf Druckkräfte mit einer Rotation antwortet. Üblicherweise gelingt dies nur mit Hilfe einer Übersetzung wie zum Beispiel einer Kurbelwelle. Das ausgeklügelte Design aus Streben und Ringstrukturen, sowie die zu Grunde liegende Mathematik stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift Science vor.

„Übt man Kraft von oben auf einen Materialblock aus, dann deformiert sich dieser in unterschiedlicher Weise. Er kann sich ausbuchten, zusammenstauchen oder...

Im Focus: Proton-Rekord: Magnetisches Moment mit höchster Genauigkeit gemessen

Hochpräzise Messung des g-Faktors elf Mal genauer als bisher – Ergebnisse zeigen große Übereinstimmung zwischen Protonen und Antiprotonen

Das magnetische Moment eines einzelnen Protons ist unvorstellbar klein, aber es kann dennoch gemessen werden. Vor über zehn Jahren wurde für diese Messung der...

Im Focus: New proton record: Researchers measure magnetic moment with greatest possible precision

High-precision measurement of the g-factor eleven times more precise than before / Results indicate a strong similarity between protons and antiprotons

The magnetic moment of an individual proton is inconceivably small, but can still be quantified. The basis for undertaking this measurement was laid over ten...

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungen

Forschungsschwerpunkt „Smarte Systeme für Mensch und Maschine“ gegründet

24.11.2017 | Veranstaltungen

Schonender Hüftgelenkersatz bei jungen Patienten - Schlüssellochchirurgie und weniger Abrieb

24.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mathematiker-Jahrestagung DMV + GDM: 5. bis 9. März 2018 an Uni Paderborn - Über 1.000 Teilnehmer

24.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Maschinen über die eigene Handfläche steuern: Nachwuchspreis für Medieninformatik-Student

24.11.2017 | Förderungen Preise

Treibjagd in der Petrischale

24.11.2017 | Biowissenschaften Chemie