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Studierende forschen in der Automobilproduktion - Motivation am Fließband

22.07.2010
Dienst nach Vorschrift oder außergewöhnliches Engagement – was Mitarbeiter dazu bringt, besonders umsichtig zu sein, untersuchten Masterstudierende der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Die künftigen Medienwissenschaftler befragten über 100 Angestellte, Teamleiter und Führungskräfte eines großen Automobilherstellers in Süddeutschland. Sie tauchten dabei unmittelbar in die Praxis ein und stellten dem Unternehmen anschließend ihre Ergebnisse vor.

An dem untersuchten Standort arbeiten etwa 14.000 Beschäftigte. Eine klassische Hierarchie ist selten. Nicht Titel oder die Dauer der Betriebszugehörigkeit zählen, sondern Einsatz, Leistung und Kompetenz bestimmen, welche Bedeutung ein Mitarbeiter für das Unternehmen hat. Ein Stimmungsbarometer ermittelt einmal jährlich das Betriebsklima.

„Wir wollten herausfinden, wie es kommt, dass manche in der Produktion mitdenken und andere wiederum eine Ist-mir-egal-Haltung pflegen“, beschreibt Projektleiterin Prof. Dr. Annette Kluge den Forschungsansatz. Um die Bedingungen für extraproduktives Verhalten (Engagement über das normale Maß hinaus) zu identifizieren, erarbeiteten die Studierenden Fragebögen und Interviewleitfäden. Untersucht wurden die Bereiche Karosseriebau, Lackiererei und Montage.

Die Nachwuchswissenschaftler interessierte vor allem, inwieweit umsichtiges Handeln in der Produktion durch organisationale Faktoren wie Führungsverhalten und personenbezogene Faktoren wie das Elternhaus, Arbeitszufriedenheit und Eigeninitiative beeinflusst wird.

Gute Erziehung wirkt sich aus

Die Befragung bestätigte, dass Beschäftigte, die am Wohlergehen anderer interessiert sind, sich auch im Unternehmen aktiv an der Lösung allgemeiner Probleme beteiligen. Vorgesetzte können dazu beitragen: Wer von seinem Chef unterstützt wird, kann sich von Anfang an engagieren.

Mitarbeiter, die schon als Kind gelernt haben, wie man Situationen durch eigeninitiatives Handeln (positiv) beeinflussen kann, zeigen dies auch im Beruf. Wurde sie früh durch die Eltern bestärkt, eigene Ideen einzubringen und umzusetzen, wirkt dies auch positiv auf die Optimierung von Arbeitsprozessen.

Wenig überraschend: Das Betriebsklima stützt oder schwächt die Loyalität zum Betrieb. Das Stimmungsbarometer und prosoziales Verhalten gegenüber der Organisation hängen demnach eng zusammen.

Konkrete Handlungsmöglichkeiten

Die achtköpfige Projektgruppe empfiehlt, die Mitarbeiter über Entwicklungen zielgruppenbezogen und gut zu informieren. So sollte die Interne Kommunikation dafür sorgen, dass sie wichtige Neuigkeiten nicht zu spät erfahren. Aktuelles sollte nicht nur im Intranet publiziert werden, sondern auch an schwarzen Brettern oder über Mitarbeiterzeitschriften.

Innerhalb einzelner Organisationseinheiten müssen Konflikte schnell und fair gelöst werden. Regelmäßige Einzelgespräche decken eine eventuelle Unzufriedenheit auf und stärken die Motivation. Vorgesetzte sollten zudem ein offenes Ohr für Verbesserungsvorschläge haben und den Austausch zwischen den einzelnen Teams fördern.

Bedeutsam ist auch eine bessere Vertrauensbasis innerhalb des Unternehmens. Die Studie zeigte, dass viele misstrauisch gegenüber Mitarbeiterbefragungen sind und die Anonymität bei online- Befragungen stark anzweifeln.

Da die Erziehung ein wichtiger Faktor für umsichtiges Verhalten ist, sollte der Bewerbungsprozess angepasst werden. Bereits dann müsste darauf geachtet werden, dass Personen eingestellt werden, die über ein großes Maß an Altruismus verfügen.

Gemeinsam mit den Führungskräften werden nun Maßnahmen entwickelt, damit diese das umsichtige Verhalten ihrer Mitarbeiter künftig verstärkt fördern.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Annette Kluge, Tel. 0203/379-2559, annette.kluge@uni-due.de

Katrin Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de

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