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Studie zeigt: Schlüsselregion „Oberschlesien“ in polnischen Schulbüchern vernachlässigt

30.01.2013
Oberschlesien ist ein Ort mit vielen Geschichten. Ein Ort, der Identitäten schafft und sie ebenso auflöst.
In einem Forschungsprojekt des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung gingen Wissenschaftler der Frage nach, welche Bedeutung dieser multikulturellen Region in polnischen Schulbüchern zukommt. Und loteten dabei auch aus, wie Schulbücher eine europäische Perspektive vermitteln können. Am 15. Februar werden die Ergebnisse im Rahmen einer Podiumsdiskussion erörtert.

Es bleibt noch viel zu tun – folgt man den Ergebnissen des 2011 gestarteten und vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geförderten Forschungsprojekts am Georg-Eckert-Institut und der TU Braunschweig. Unter dem Titel „Oberschlesien und sein kulturelles Erbe – Erinnerungspolitische Befunde, bildungspolitische Impulse und didaktische Innovationen“ ging der Historiker und Literaturwissenschaftler Marcin Wiatr der Frage nach, ob und in welcher Form diese multikulturelle Region mit wechselvoller Geschichte Eingang in die Schulbücher des Nachbarlandes findet. Rund 80 Geschichtsbücher der Sekundarstufe II, die seit 1989 erschienen sind, analysierte Wiatr.

Dabei zeigte sich, dass die Region in weniger als 1% der Schulbucherzählungen vorkommt, Tendenz abnehmend. Wenn überhaupt sind es historische Darstellungen - etwa die deutsche Siedlungsgeschichte in Oberschlesien oder ethnische Identitäten im Mittelalter. Aktuelle Debatten werden stärker ausgeblendet. Im Unterschied zu anderen Regionen – wie Kleinpolen oder die Masuren – gibt es bis heute auch keine Schulbücher zur regionalen Geschichte. Ermland und Masuren dagegen – das ebenso umstrittene und lang vernachlässigte historische Ostpreußen – finden dagegen immer stärkere Beachtung als europäische Grenzregion, wie ein weiteres Forschungsprojekt des Eckert-Instituts „Das Pruzzenland“ zeigt.

Die Gründe hierfür liegen zum einen in den zentralistisch orientierten Lehrplänen, in denen die Regionen insgesamt noch immer eine unbedeutende Rolle spielen. Zum anderen liegt es an der Vielfalt Oberschlesiens selbst. Viele Sprachen, Identitäten und Geschichten kreuzen sich hier. Die aktuelle Multiethnizität und Multikulturalität dieser Region, die vielen Minderheiten und die starke regionale Identität machen es schwer, ein eindeutiges Bild zu zeichnen.

Oberschlesien sei – so ein Fazit der Studie – zugleich Herausforderung wie auch bildungspolitische Chance: Denn es ermöglicht die in Schulbüchern noch immer vorherrschende, nationale Perspektive zu öffnen, hin zu einem offenen Geschichtsbild, zu Kontroversität, Multiperspektivität und einem europäischen Blick auf die Vergangenheit. Wenn Bildungspolitiker die Lehrpläne überarbeiten würden, könnte den großen Erwartungen Oberschlesiens und dem großen öffentlichen Interesse an dieser Region im Wandel Rechnung getragen werden.

Eine Region, die so viele verschiedene Geschichten, Sprachen, Kulturen und Ethnien vereine, könne dazu beitragen, die nationale Perspektive auf die Vergangenheit in Schulbüchern zu überwinden. So könne der schulische Umgang mit Oberschlesien auch Beispiel sein für andere europäische Regionen.

Zum Projekt gehören deshalb auch innovative Unterrichtsmaterialien, bei denen – neben der politischen und der wirtschaftlichen Situation auch die Kultur und das Alltagsleben der Region erlebbar werden – Fußballer Miroslav Klose und Lukas Podolski sind da ebenso gefragt wie die Lebensgeschichte des berühmten Kinderbuchautors Janosch.

Über die Forschungsergebnisse und die allgemeine Entwicklung Oberschlesiens diskutieren deutsche und polnische Experten am 15. Februar in Darmstadt.

„Oberschlesien zwischen Erinnerung und Zukunft“
Datum: 15. Februar 2013
Ort: Offenes Haus Darmstadt, Rheinstraße 31
Zeit: 19.30-21.00 Uhr
Eintritt frei

„Oberschlesien zwischen Erinnerung und Zukunft ist eine gemeinsame Veranstaltung des Georg-Eckert-Instituts für internationale Schulbuchforschung, der TU Braunschweig und des Deutschen Polen-Instituts.
Das Forschungsprojekt wurde gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Kontakt:
Regina Peper
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung
Celler Straße 3
38114 Braunschweig
Tel.: 0531-59099-54 oder
Email: peper@gei.de

Regina Peper | idw
Weitere Informationen:
http://www.gei.de

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