Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zeigt Nutzen von Social Media für die Polizei

06.12.2012
Die jetzt veröffentliche zweite Studie "Best Practice in Police Social Media Adaptation" des COMPOSITE Projekts zeigt, dass der Einsatz von Social Media die Polizei in vielen Bereichen wirksam unterstützt.
Befragt wurden Polizeien in dreizehn europäischen Staaten. Neben dem Einsatz als Quelle kriminologischer Informationen eignen sich die sozialen Medien vor allem zur Kommunikation mit der Bevölkerung, etwa auch bei Krisensituationen oder Unruhen. Hervorzuheben ist zudem das hohe Potential zur Vertrauensbildung zwischen Polizei und Bevölkerung. Die Studie ist kostenfrei erhältlich.

Im Rahmen des EU-Projekts COMPOSITE (Comparative Police Studies in the EU) wurden Interviews und Workshops mit IKT-Spezialisten von Polizeiorganisationen in Europa durchgeführt, unter anderem in Belgien, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und Spanien. Die Studie fasst die Erfahrungen der Polizeien zusammen, die sich schon sehr früh den Chancen und Risiken der sozialen Netzwerke gestellt haben, sozusagen den "Social Media-Pionieren". In Großbritannien etwa gehörten diese Werkzeuge schon bei vielen Polizeistationen zum Tagesgeschäft. Beamte informieren die umliegende Anwohnerschaft über ihre aktuellen Aktivitäten, geben Warnungen oder Suchanzeigen aus. Der Beamte vor Ort kommuniziert quasi wie eine eigene Pressestelle.

Die Präsenz der Polizei in den sozialen Medien hat auf unterschiedlichen Ebenen eine direkte Wirkung auf die Beziehung zwischen Polizei und Bevölkerung. Zum einen wird eine vertrauensvolle Verbindung zwischen Bürgern und Polizeien aufgebaut. Die Interaktion wird enger, der Dialog verstärkt. Die Polizeiarbeit wird transparenter, Bürger erleben die Polizei als menschlicher und das Vertrauen steigt. Verstärkt wird dies durch den in den sozialen Netzen üblichen persönlichen Kommunikationsstil, der im Gegensatz zur gewohnten bürokratischen Behördensprache steht.

"Über die Polizeiarbeit wird im Netz in jedem Fall diskutiert. Die Frage ist daher nicht, ob Polizeithemen etwas in sozialen Medien zu suchen haben, sondern wie die Polizeien daran teilhaben und die Vorteile nutzen. Denn wenn die Polizei nicht selbst aktiv wird, füllen andere die Lücke.", so Projektkoordinator Dr. Sebastian Denef vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT. Beispielsweise hat eine inoffizielle Facebook-Seite in Berlin mit Polizeinachrichten über 15 000 Fans. Und in der niederländischen Region Haaglanden hat der Twitter-Kanal eines selbsternannten Polizeifans stattliche 2500 Followers. Eine fehlende vertrauenswürdige Präsenz in den sozialen Medien kann so auch ein guter Nährboden für Gerüchte, Spekulationen und Missverständnisse sein.

Zudem sind die sozialen Medien ein wichtiger Kommunikationskanal zur jüngeren Bevölkerung, eine Gruppe, die für viele Aspekte der Polizeiarbeit von hoher Bedeutung ist, aber über traditionelle Medien, wie Tageszeitung, Fernsehen oder Radio, kaum mehr erreicht wird. Ein weiteres Feld, in dem sich die sozialen Netzwerke als nützlich erwiesen haben, sind Ausnahmesituationen wie Attentate oder etwa Großschadenslagen. In einer größeren Krisensituation sind soziale Medien ein probates Mittel, um die Bevölkerung unabhängig von polizeilichen IT Infrastrukturen schnell zu informieren.

Man kann die sozialen Medien auch als einen neuen öffentlichen Raum unserer Gesellschaft betrachten, in dem die Polizei Sichtbarkeit und Präsenz zeigen muss. Seit April 2011 hat beispielsweise die Polizei von Helsinki drei Beamte in Vollzeit abgestellt, die eine virtuelle Polizeistation auf verschiedenen Social Media-Plattformen betreuen. Bereits in den ersten Monaten gingen rund 250 Meldungen ein. Und auch in den Niederlanden sind bereits virtuelle Reviere im Dienst.

Trotz all der genannten Vorteile sind allerdings noch viele Fragen offen, etwa auf juristischer Seite. Besonders in Deutschland bedarf die rechtliche Lage der Klärung; in anderen Ländern, etwa Großbritannien oder den Niederlanden, sind die Hürden dafür niedriger. Auch ist das Zusammenspiel mit privaten Dienstleistern, die im Ausland angesiedelt sind, wie etwa Facebook oder Twitter, für die Polizei nicht immer unproblematisch und es müssen noch Erfahrungen gesammelt werden. Diese Anstrengungen erscheinen jedoch vielversprechend vor dem Hintergrund des Potentials der sozialen Medien für die Polizei, das die Studie aufzeigt.

Die komplette Studie kann kostenfrei heruntergeladen werden:
http://www.fit.fraunhofer.de/content/dam/fit/de/documents/COMPOSITE-social-media-best-practice.pdf

Die Studie "Best Practice in Police Social Media Adaptation" wurde im Projekt COMPOSITE (Comparative Police Studies in the EU) durchgeführt. Weitere Informationen zum Projekt unter: http://www.composite-project.eu

Alex Deeg | Fraunhofer-Institut
Weitere Informationen:
http://www.composite-project.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics