Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zeigt: Gut gewollt ist noch längst nicht gut getan

03.08.2009
Dass unsere Werte Einfluss auf unser Verhalten haben, scheint auf den ersten Blick kaum mehr als eine Binsenweisheit. Doch ist diese Verbindung wohl weniger eindeutig, als sie auf den ersten Blick scheint.

Das zeigen Ökonomen und Psychologen der Universitäten Bonn und Helsinki in einer aktuellen Studie. In der Regel sind es mehrere Werte, die unser Handeln bestimmen.

Diese können unter Umständen auch in Konkurrenz zueinander treten. Welcher Wert dann den stärksten Einfluss entfaltet, hängt von der Situation ab. Diesen Zusammenhang konnten die Forscher experimentell nachweisen. Ihre Ergebnisse sind nun im British Journal of Social Psychology erschienen (doi: 10.1348/014466608X377396).

Die Forscher rekrutierten für ihr Experiment Studenten der Universität Helsinki. Zum Zeitpunkt der Studie wurde in Finnland gerade diskutiert, ob lesbische Frauen einen rechtlichen Anspruch auf künstliche Befruchtung erhalten sollten. Die Probanden sollten angeben, ob sie für oder gegen eine entsprechende Gesetzesänderung seien.

An dem eigentlichen Experiment nahmen nur die Befürworter einer solchen Regelung teil - insgesamt 50 Studierende. Sie alle wurden mit den Daten einer angeblichen uni-weiten Umfrage zum fraglichen Gesetz konfrontiert. Einige Probanden erhielten durch entsprechend gewählte Umfragewerte den Eindruck, sie stünden mit ihrer pro-homosexuellen Haltung relativ allein da. Die anderen Teilnehmer durften sich dagegen als Angehörige einer deutlichen Mehrheit fühlen.

Im Anschluss daran wurden die Teilnehmer befragt, ob sie bereit wären, sich für die Gesetzesänderung einzusetzen: etwa durch die Wahl einer entsprechenden Partei, die Unterzeichnung einer Petition oder auch die Teilnahme an einer Demonstration. "Während niemand sieht, wo ich an der Wahlurne mein Kreuzchen mache, muss ich mich bei einer Demo öffentlich exponieren", erklärt Dr. Philipp Wichardt von der Universität Bonn. "Wir haben untersucht, inwieweit die öffentliche Meinung einen Einfluss auf die politische Aktivität hat und ob dabei auch persönliche Werte eine Rolle spielen."

Individuelles Werteprofil

Dazu hatten die Forscher ihren Probanden im Vorfeld einen Fragenkatalog vorgelegt. "Aus den Antworten lässt sich die Gewichtung von zehn grundlegenden Werten ablesen", erläutert der Bonner Ökonom Gari Walkowitz. "Dazu zählt beispielsweise der Universalismus - für Universalisten steht gewissermaßen das Interesse aller Teilnehmer einer Gesellschaft im Vordergrund. Ein anderer Wert ist der Konformismus: Konformisten halten es für wichtig, sich an gesellschaftliche Regeln zu halten." Ergebnis des Fragebogens war eine Art individuelles Werteprofil jedes Teilnehmers.

Die Forscher konzentrierten sich nun zunächst auf einen Wert, den Konformismus. Sie untersuchten, inwieweit dieser Wert die Bereitschaft der Teilnehmer bestimmt, politisch aktiv zu werden. Ergebnis: Das hängt davon ab. "Wenn sich Konformisten als Teil einer Mehrheit empfinden, engagieren sie sich gerne auch öffentlich für ihre Meinung - also durch Teilnahme an einer Demo oder durch die Sammlung von Unterschriften", sagt der finnische Psychologe Dr. Jan-Erik Lönnqvist. "Bei öffentlichem Gegenwind handeln sie dagegen eher dort, wo es nicht sichtbar wird - also etwa an der Wahlurne." Teilnehmer mit niedrigen Konformismus-Werten zeigten sich dagegen von der öffentlichen Meinung unbeeindruckt.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

Allerdings müssen dass hohe Konformismus-Werte nicht unbedingt bedeuten, dass sich die entsprechende Person dem gesellschaftlichen Druck beugt. So kann ein Konformist durchaus auch Universalist sein. Jedoch geraten diese beiden Werte in manchen Situationen in einen Konflikt: Der Universalist möchte sich engagieren, der Konformist der Gruppennorm anpassen. Philipp Wichardt: "Die Antwort auf die Frage, welcher Wert dann den stärksten Einfluss entfaltet, ist eine typische Ökonomenantwort: Es hängt davon ab - in diesem Fall von der Bezugssituation."

Kontakt:
Dr. Philipp C. Wichardt
Abteilung für Wirtschaftswissenschaften, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-7994
E-Mail: philipp.wichardt@uni-bonn.de
Gari Walkowitz
Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9196
Email: gari.walkowitz@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Binsenweisheit DEMO Gesetzesänderung Konformismus Wahlurne Ökonom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wie gesund werden wir alt?
18.09.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Entrepreneurship-Studie: Großes Potential für Unternehmensgründungen in Deutschland
15.09.2017 | Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik