Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie startet: Zahnerkrankungen als Risikofaktoren für herzkranke Patienten ergründen

22.10.2009
Den Zusammenhang von Zahnerkrankungen als Risikofaktoren bei herzkranken Patienten wollen Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in einer weltweit einmaligen Studie ergründen. Dabei sollen bei 1000 Patienten mit koronaren Herzerkrankungen Zähne und der Zahnhalteapparat untersucht werden.

In einer weltweit einmaligen Studie wollen Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg den Zusammenhang von Erkrankungen des Zahnhalteapparates mit kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall bei Patienten mit koronaren Herzerkrankungen (Beeinträchtigung der Durchblutung und damit der Sauerstoffversorgung des Herzmuskels durch Ablagerungen in den Gefäßwänden durch Atherosklerose) ergründen. Die Studie startet am 1. Oktober 2009.

Bei insgesamt 1.000 stationären Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung der Universitätsklinik und Poliklinik für Innere Medizin III sollen dabei in Kooperation mit der Universitätsklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Zähne und der Zahnhalteapparat untersucht werden. Dabei erfolgt auch ein spezieller DNA-Test, mit dem das Vorhandensein von bestimmten Bakterien überprüft wird.

Die Studie wird unter anderem von der Deutschen Herzstiftung gefördert und erfolgt in Kooperation mit dem Institut für Medizinische Mikrobiologie. Projektleiter sind PD Dr. Axel Schlitt (KIM III: Direktor: Prof. Dr. K. Werdan) und OA Dr. Stefan Reichert (Zahnerhaltungskunde und Parodontologie Direktor: Prof. Dr. H.-G. Schaller). "Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob sich die Infektion mit den bestimmten Erregern oder eine Erkrankung des Zahnhalteapparates als Risikofaktoren für Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung erweisen", sagen die beiden Studienleiter. Sollte dem so sein, könnte durch eine frühzeitige Diagnose und Therapie dieser Risikofaktoren erreicht werden, dass die Patienten länger von solchen Ereignissen wie einem Herzinfarkt verschont bleiben.

Hintergrund: Die Atherosklerose (Verkalkung der Arterien) ist eine Erkrankung, die schon im Kindes- und Jugendalter beginnt. Die Behandlung von atherosklerosebedingten Erkrankungen ist eine der häufigsten ärztlichen Aufgaben in der westlichen Welt. Obwohl es schwierig ist zur Gesamthäufigkeit atherosklerotischer Gefäßkrankheiten verlässliche Zahlen zu finden, wird angenommen, dass mindestens 30 Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung an der häufig noch unentdeckten Erkrankung, insbesondere in Form der koronaren Herzerkankung (Verkalkung der Herzkranzarterien) leiden. Als schwerwiegendste Komplikationen der Systemerkrankung Atherosklerose repräsentieren Herzinfarkte und Schlaganfälle die Haupttodesursachen in entwickelten Ländern.

Heutzutage versteht man diese Erkrankung nicht nur als Verkalkung, sondern mehr und mehr als chronisch-entzündliche Veränderung der Gefäßinnenhaut, wobei die Entzündungsreaktion durch verschiede Faktoren verursacht beziehungsweise verstärkt werden kann. Hierbei stehen die so genannten klassischen Risikofaktoren Diabetes mellitus, arterieller Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen an erster Stelle, jedoch ist heutzutage bekannt, dass weitere Faktoren an der Entstehung und insbesondere dem Fortschreiten dieser Krankheit beteiligt sind. Häufige und/oder chronische Infektionen scheinen hierbei eine wesentliche Rolle zu spielen.

In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche Studien aufzeigen, dass speziell Entzündungen des Zahnhalteapparates unter anderem mit der chronischen Entzündungsreaktion im Krankheitsbild der Atherosklerose assoziiert sind. Die Bakterien Porphyromonas gingivalis, Aggregatibacter actinomycetemcomitans, Tannerella forsythensis, Treponema denticola, Prevotella intermedia (und andere) sind maßgeblich verantwortlich für diese Erkrankungen. Bisherige Studien konnten in Vergleichen zwischen an Atherosklerose Erkrankten und Gesunden nachweisen, dass die Erkrankungen des Zahnhalteapprates und die Infektion mit oben genannten Bakterien ein Risikomarker für atherosklerotische Erkrankungen sind.

In der vorliegenden Studie soll erstmalig überprüft werden, ob zum einen das Vorliegen einer Erkrankungen des Zahnhalteapprates, zum anderen die in der Mundschleimhaut nachgewiesenen Infektionen mit den genannten Erregern nicht nur mit dem Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen, sondern auch mit zukünftigen schwerwiegenden Ereignissen (Schlaganfall, Herzinfarkt, Tod) bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung im Gesamtbeobachtungszeitraum von zwei Jahren assoziiert sind.

Alle Patienten werden nach minimal einem Jahr nach der Erstuntersuchung erneut kontaktiert und zu möglichen Ereignissen im Beobachtungszeitraum befragt. Das Auftreten schwerwiegender Ereignisse wie zum Beispiel erneuter stationärer Aufenthalt bei Herzinfarkt wird im Vergleich der Gruppen mit und ohne Erkrankungen des Zahnhalteapparates verglichen.

Jens Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie