Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie Kölner Notfallmediziner zeigt Chancen besserer Wiederbelebung nach Herz-Kreislauf-Stillstand

18.12.2008
Untersucht wurde die Wirksamkeit der Lysetherapie(1). Die Ergebnisse der Studie werden am 18. Dezember 2009 im weltweit führenden medizinischen Fachjournal "New England Journal of Medicine" (NEJM) veröffentlicht.

Insgesamt brachte die Lysetherapie zwar keine sichtlichen Überlebensvorteile (bei einer insgesamten Überlebensrate von 15 Prozent), aber: Patienten, die einen Kreislaufstillstand aufgrund einer Lungenembolie erleiden half die Lysetherapie: Von ihnen überlebten nur Patienten, bei denen das in der Studie untersuchte Thrombolytikum zum Einsatz kam.

Unter der Federführung von Professor Dr. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln und Vorsitzender des Europäischen Wiederbelebungsrates, wurde nun diese größte Studie, welche die Lysetherapie bei Wiederbelebungsmaßnahmen nach akutem Herz-Kreislauf-Stillstand testet, abgeschlossen. An der Studie nahmen europaweit insgesamt 1.050 Patienten in 70 Studienzentren teil.

Untersucht wurde die Wirksamkeit des Wirkstoffes Tenectplase (MetalyseR), eines Produkts der Firma Boehringer Ingelheim, das bereits als "Thrombolytikum" für die Auflösung von Blutgerinnseln vielfältig im Einsatz ist.

In der jetzt veröffentlichten klinische Studie TROICA ("Thrombolysis in Cardiac Arrest") erhielt die Hälfte der 1.050 Patienten das gerinnungslösende Medikament, die andere Hälfte ein wirkungsloses Scheinpräparat (Placebo). Teilnehmer der Studie waren Patienten, die wegen eines Herzstillstands vom Notarzt beziehungsweise vom Notfallteam behandelt wurden. Zunächst wurden alle erforderlichen Standard-Maßnahmen der Wiederbelebung durchgeführt, dann erhielten die Patienten zusätzlich das Testmedikament. Der mögliche zusätzliche Erfolg der neuen Therapie wurde daran gemessen, wie viele behandelte Patienten im Vergleich die Intensivstation erreichten und wie viele den Herz-Kreislauf-Stillstand 30 Tage und mehr überlebten. Ein weiteres wichtiges Kriterium war die Fähigkeit der Patienten, in ihren Alltag zurückzukehren.

Die vorliegende Studie ist eine der größten Untersuchungen zum Einsatz von Medikamenten, die jemals in der Notfallmedizin durchgeführt wurde. Sie begann Anfang 2004 und lief über zwei Jahre. Sie unterstützt die Empfehlung der derzeit gültigen Reanimationsleitlinen, nach denen ein routinemäßiger Einsatz eines Thrombolytikums bei Patienten mit Kreislaufstillstand nicht empfohlen wird. Gleichzeitig unterstreicht sie die mögliche Bedeutung dieser Therapie bei Patienten mit Kreislaufstillstand aufgrund einer Lungenembolie.

Jeden Tag sterben in Europa etwa 1.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod; in Deutschland sind es etwa 100.000 Todesfälle pro Jahr. "Trotz Wiederbelebung und dem Einsatz eines Defibrillators überlebte bisher nur etwa jeder zehnte der betroffenen Patienten", erklärt Professor Böttiger. Ursache des plötzlichen Herzstillstandes ist bei zwei Drittel der Patienten ein Herzinfarkt oder eine Lungenembolie, also ein Verschluss der Blutgefässe durch Blutgerinnsel.

Treten diese beiden lebensbedrohlichen Ereignisse weniger akut auf, gehört die "Lysetherapie", die Auflösung des Blutpfropfens mit Medikamenten - neben anderen Verfahren - schon seit Jahren zur Standardtherapie.

Dass auch Patienten mit einem plötzlichen Herzstillstand von der Lysetherapie profitieren, hatten frühere Untersuchungen und die Beobachtung von Einzelfällen nahe gelegt. "Auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand reagiert auch die Blutgerinnung überschießend, und es besteht die Gefahr, dass sich im ganzen Körper kleine Blutgerinnsel bilden", erklärt Professor Böttiger, der sich seit Jahren mit diesen Phänomenen wissenschaftlich beschäftigt.

(1): Lysetherapie bezeichnet den Einsatz von Medikamenten zur Auflösung von Blutgerinnseln.

Literatur:
1. Nolan JP, Deakin CD, Soar J, Böttiger BW, Smith G; European Resuscitation Council. European Resuscitation Council guidelines for resuscitation 2005. Section 4. Adult advanced life support. Resuscitation. 2005 Dec;67 Suppl 1:S39-86

2. www.erc.edu

Für Rückfragen:
Professor Dr. med. Bernd W. Böttiger
Telefon: 0221 478-4807
E-Mail: bernd.boettiger@uk-koeln.de
Sina Vogt
Leiterin Stabsstelle Kommunikation Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478 5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de

Sina Vogt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-koeln.de
http://www.medizin.uni-koeln.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Wiederverwendung von IT- und Kommunikationsgeräten schont Klima und Ressourcen
23.02.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Klimawandel verstärkt Selenmangel
21.02.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie