Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Energietechnologien und klimaverträglichen Energiemixen

02.07.2012
Energieeffizienz und Offshore-Windanlagen am beliebtesten

Über das zukünftige Energiesystem in Deutschland wird derzeit intensiv diskutiert. Wie sich die Bürger Deutschlands entscheiden würden, wenn sie zwischen den möglichen technologischen Optionen eine Auswahl treffen müssten, zeigt eine Studie des Interdisziplinären Forschungsschwerpunkts Risiko und nachhaltige Technologieentwicklung (ZIRN) an der Universität Stuttgart und der Stiftung Mercator:

Die befragten Bürger sprechen sich in erster Linie für energieeffiziente Lösungen aus, dicht gefolgt von den Erneuerbaren Energien. Die beliebtesten erneuerbaren Technologien sind Offshore-Windanlagen, dagegen schnitten Biomassekraftwerke relativ schlecht ab. Bei den fossilen Kraftwerkstechnologien haben Gaskraftwerke die höchste Akzeptanz. Schlusslichter sind die Kernkraft und traditionelle Kohlekraftwerke.

Die Wissenschaftler untersuchten anhand von 15 Fokusgruppen mit 130 Bürgern aller gesellschaftlichen Gruppen, wie verschiedene Energietechnologien und deren Kombinationen wahrgenommen und bewertet werden. Verglichen wurden die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Wirkungen der gegenübergestellten Energiesysteme. Die Ergebnisse sind von großer Bedeutung für energiepolitische Entscheidungsprozesse. denn sowohl für Kommunikationsmaßnahmen, als auch für die technische Ausgestaltung und das Tempo der Energiewende ist es unabdingbar, die Präferenzen beziehungsweise Bedenken und Befürchtungen der betroffenen Menschen zu den jeweiligen Energieoptionen zu berücksichtigen.

Neben Einzeltechnologien wurden auch Energiemixe bewertet. Hier zeigt sich ein ähnliches Bild: Energiemixe mit dem höchsten Anteil an Erneuerbaren werden eindeutig bevorzugt. Offensichtlich sind die Bürger dabei aber zu Kompromissen bereit. Dirk Scheer, Projektleiter an der Universität Stuttgart, fasst dies folgendermaßen zusammen: „Bei einem klar erkennbaren und ambitionierten Umbau des Strommixes in Richtung Erneuerbare Energien waren viele Befragte bereit, als Übergang und in geringeren Anteilen auch ungeliebte Technologien wie die Kernenergie oder die CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS-Technologie) zu akzeptieren.“

„Die Stiftung Mercator setzt sich für die Reduktion des CO2-Ausstoßes in Deutschland ein. Voraussetzung für diese Reduktion ist eine drastische Veränderung von Energienachfrage und Energieerzeugung. Ohne dass die Bevölkerung die notwendigen Maßnahmen zum Klimaschutz mitträgt, wird das nicht klappen“, so Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. „Umso wichtiger ist es deshalb, vorab zu erforschen, welche Maßnahmen in welcher Kombination bei den Menschen auf Zustimmung und welche auf Ablehnung stoßen und aus welchen Gründen dies erfolgt. Deshalb haben wir dieses Forschungsprojekt gefördert.“ Die Stiftung Mercator hat für die Studie 360.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Heterogene Einstellungsmuster

Die Studie zeigt über die Frage der Akzeptanz hinaus, wie komplex und vielfältig die Gründe für die jeweilige Einstellung sind. Die Bewertungsdimensionen zu einzelnen Technologien umfassen eine Bandbreite von Argumenten, angefangen bei Vertrauen in Institutionen über volkswirtschaftliche und individuell ökonomische Aspekte sowie Fragen zu Umwelt, Gesundheit und Soziales bis hin zur technischen Machbarkeit, Akzeptanz im unmittelbaren Umfeld und der Einschätzung eines möglichen Schadens. Für Ortwin Renn, Professor an der Universität Stuttgart, „erstrecken sich die Einstellungsmuster dabei auf eine heterogene Mischung von leistungs-, konsum-, natur- und lebensqualitätsbezogenen Werten. Technologieentwickler und Entscheidungsträger müssen diese Bewertungsdimensionen im Blick behalten und Argumente liefern – eine alleinige Fokussierung auf Aspekte der technischen Machbarkeit greift zu kurz.“

Weitere Informationen:
Stiftung Mercator:
Marisa Klasen, Kommunikationsmanagerin, Tel.: + 49 (0) 201/245 22 53, e-mail: klasen (at) stiftung-mercator.de
ZIRN/Universität Stuttgart
Prof. Ortwin Renn (Forschungsleiter), Tel. +49 (0)711/685-84295,
e-mail: ortwin.renn (at) sowi.uni-stuttgart.de
Dirk Scheer (Projektleiter), Tel. +49 (0)6221/432391,
e-mail: dirk.scheer (at)sowi.uni-stuttgart.de

Andrea Mayer-Grenu | idw
Weitere Informationen:
http://www.zirn-info.de/
http://www.stiftung-mercator.de/akzeptanz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Weltweit erste Therapiemöglichkeit für Kinderdemenz CLN2 entwickelt
25.04.2018 | Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

nachricht Tabakrauchen verkalkt Arterien stärker als reiner Cannabis-Konsum
11.04.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics