Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie des Exzellenzclusters Languages of Emotion": Popmusik klingt immer trauriger und ambivalenter

05.06.2012
Popmusik ist nach einer Studie von Wissenschaftlern des Forschungsbereichs „Languages of Emotion“ (Sprachen der Gefühle) der Freien Universität Berlin in den vergangenen 50 Jahren trauriger geworden. Viele Songs kombinieren zudem unterschiedlich emotional getönte musikalische Stilmittel und klingen deshalb ambivalent, wie die Forscher herausfanden. In den 1960er Jahren hingegen habe fröhliche Musik die Charts dominiert.
Die Autoren der Studie, E. Glenn Schellenberg und Christian von Scheve werteten für die Untersuchung mehr als 1.000 Titel der amerikanischen Top 40 seit 1965 aus. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Online-Ausgabe der Zeitschrift Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts veröffentlicht.

Die Autoren der Studie, der Musikpsychologe Prof. Dr. E. Glenn Schellenberg von der University of Toronto Mississauga und der Soziologe Prof. Dr. Christian von Scheve von der Freien Universität Berlin, fanden in einem gemeinsamen Projekt für den Forschungsbereich „Languages of Emotion“ (Sprachen der Gefühle) heraus, dass im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte die Musiktitel in der amerikanischen Hitparade zunehmend häufig in einer Moll-Tonart komponiert wurden und ihr Tempo oftmals langsamer ist. Der Anteil der Moll-Tonarten an den Songs hat sich demnach zwischen den 1960er Jahren und heute sogar verdoppelt:

In den 1960er Jahren seien 85 Prozent der Titel in einer Dur-Tonart geschrieben gewesen – etwa die Hits „Help“ oder „She loves you“ der Beatles – heute sind es nur noch 42 Prozent. Die meisten Musikhörer assoziieren mit langsamen Tempo und Moll-Tonarten Traurigkeit und mit schnellem Tempo und Dur-Tonarten Fröhlichkeit.

„Wie auch die Texte von Popsongs in den letzten Jahrzehnten selbstbezüglicher und negativer wurden, hat sich auch die Musik verändert: Sie klingt trauriger und emotional ambivalenter“, erklären Schellenberg und von Scheve in der Studie und folgern: „Popmusik-Hörern gefallen heute emotional komplexere Stücke.“ Die Popgeschichte der letzten 50 Jahre weise so erstaunliche Parallelen zur musikalischen Entwicklung vom 17. zum 19. Jahrhundert auf. „Während in den im 17. und 18. Jahrhundert eindeutig fröhlich oder traurig klingende Musik dominierte, gibt es spätestens in der Romantik die Tendenz zu verschiedenen emotionalen Färbungen in einer Komposition.“ Eine größere Skala von Emotionen könne so in einem einzigen Musikstück ausgedrückt werden.

Als mögliche Erklärung für die Tendenz zu zunehmend trauriger Musik führen die Wissenschaftler jeweils kulturelle Entwicklungen an, die insgesamt eine verstärkte Aufmerksamkeit für Emotionen mit sich bringen. „Gefühle rücken zunehmend in den Mittelpunkt unseres Selbstverständnisses. Zudem ist Ambivalenz eine wichtige Facette der Modernisierung. Beides führt zu einem reflexiven Umgang mit Emotionen, der sich in der Populärmusik spiegelt“, vermutet der Soziologe von Scheve. Falsch wäre für ihn der Schluss, dass alle immer trauriger werden, weil sie solche Musik hören oder trauriger sind, weil sie solche Musik komponieren. „Die Botschaft ist vielleicht eher: Auch Traurigkeit kann genossen werden“, sagt der Wissenschaftler.

Für die Studie wurden über 1.000 Titel untersucht, die jeweils in den letzten fünf Jahren eines Jahrzehnts erschienen (1965–69, 1975–79, 1985–1989, 1995–1999, 2005–2009) und es am Ende des Jahres unter die ersten 40 in den „Hot 100“-Charts des „Billboard“-Popmagazins geschafft hatten. Die Titel wurden jeweils auf weibliche oder männliche Künstler, Länge, Tempo und Tonart hin ausgewertet.

Weitere Informationen
Dr. Nina Diezemann, Cluster „Languages of Emotion“ der Freien Universität Berlin, Tel. 030 / 838-57864, E-Mail: nina.diezemann@fu-berlin.de

Literatur
Schellenberg, E. G., & von Scheve, C. (2012, May 21). Emotional Cues in American Popular Music: Five Decades of the Top 40. Psychology of Aesthetics, Creativity, and the Arts. Advance online publication. doi: 10.1037/a0028024

Carsten Wette | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Europaweite Studie zu „Smart Engineering“
30.03.2017 | IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie