Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie der EU Kommission betont Rolle der Städte in einer nachhaltigen Zukunft

06.08.2010
Eine neue Veröffentlichung zu Highlights der europäischen Forschung untersucht, wie die stetige Urbanisierung mit nachhaltigem und integrativem Wachstum in Einklang gebracht werden kann. Das Ziel des von der Europäischen Kommission erstellten Berichts "World and European Sustainable Cities" besteht in der Förderung eines Wandels hin zu einer Kultur der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit.

Im Wesentlichen hebt der Bericht hervor, dass ein solcher Schritt von entscheidender Bedeutung ist. Bis zum Jahr 2030 werden rund fünf Milliarden der insgesamt acht Milliarden Menschen der Weltbevölkerung in Städten leben.

Während die Europäische Union sich der Förderung eines nachhaltigen und integrativen Wachstums verpflichtet hat, bestehen weiterhin Fragen darüber, wie man sich den durch die Urbanisierung ergebenden Herausforderungen, etwa der Bereitstellung von wichtigen Dienstleistungen, der Migration, neuen Formen der Armut und der grünen Stadtplanung, wirksam stellen kann.

Die Studie präsentiert eine Stichprobe von europäischen Projekten und Aktivitäten von UN-Habitat, die unterschiedliche Aspekte der Städte und Themen rund um die Urbanisierung untersuchen. Zum Beispiel befasst sich das PACT-Projekt ("Pathways for carbon transitions") mit der Frage, wie vorherrschende Lebensstile, Technologien und die Infrastruktur des städtischen Lebens, Wohnens und Verkehrs geändert werden könnten oder sollten, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Die Forscher des Projekts argumentieren, dass eine bessere Koordinierung zwischen Verkehr, Landnutzung und Freiraumplanung zusammen mit der Erhaltung der grünen Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer erforderlich ist.

Man weiß bereits, dass sich die Temperaturen in Zukunft ändern dürften und dass "urbane Wärmeinseln" die Auswirkungen des Klimawandels verstärken werden. Das ASCCUE-Projekt "Adaptation strategies to climate change in the urban environment" hat gezeigt, wie Grünflächen dazu beitragen können, den steigenden Temperaturen entgegenzuwirken. In seinem Rahmen wurde zum Beispiel berechnet, dass die britische Stadt Manchester durch 10% mehr Grünflächen in Wohngebieten die Temperatur des Worst-Case-Szenarios für 2080 ausgleichen könnte.

Auf ähnliche Weise analysierte das EU-finanzierte Projekt SCATTER "Sprawling cities and transport: from evaluation to recommendations" die negativen Auswirkungen der Zersiedelung. Zu diesen Effekten gehören der Verlust landwirtschaftlicher Flächen und Freiflächen, die Zerstörung und Fragmentierung von Ökosystemen, höhere Kosten für öffentliche Dienstleistungen, die verstärkte Nutzung von Privatfahrzeugen und soziale Segregation.

Ein weiteres wichtiges Thema in der Kommissionsstudie ist die Migration. Die Zahl der internationalen Migranten hat sich in den 40 Jahren von 1965 bis 2005 weltweit mehr als verdoppelt. In Europa war der Anstieg bei einer Verdoppelung in nur 15 Jahren (1985-2000) von geschätzten 23 Millionen auf über 56 Millionen sogar noch steiler. Dies entspricht 7,7% der gesamten europäischen Bevölkerung.

Neue Einwanderer lassen sich eher in Städten nieder und dort, wo es schon seit Längerem eine nationale Integrationspolitik gibt wie in den Niederlanden und Schweden. Städte fordern inzwischen mehr Exekutivgewalt und Mittel, um den Druck auf Wohnraum, Arbeit, Bildung und öffentliche Ordnung bewältigen zu können. Die Studie bezieht sich auf Erhebungen, die zeigen, dass immer mehr europäische Städte sich darüber bewusst werden, dass sie langfristige, kohärente Integrationspolitiken benötigen, um sowohl ihre Lebensfähigkeit als Gemeinden als auch die Lebensqualität ihrer Bewohnern zu bewahren.

Tatsächlich unterstreicht der Bericht der Kommission, dass die Zeit gekommen ist, für eine Gesellschaft mit stärkerem Zusammenhalt in den Städten zu kämpfen. Selbst wenn die Städte die tieferen Ursachen von Armut und sozialer Ausgrenzung nicht kontrollieren können, können sie doch bei der Linderung, Verhütung und Bekämpfung dieser Probleme eine wichtige Rolle spielen, indem sie flexible und innovative Lösungen auf lokaler Ebene finden.

Die Studie schließt mit dem Vorschlag, dass es vielleicht an der Zeit ist, die historische Unterscheidung zwischen städtischen und ländlichen Themen in Frage zu stellen. Weiterhin heißt es, dass das Grünbuch der Europäischen Kommission vom Oktober 2008 zum territorialen Zusammenhalt ein Schritt in diese Richtung darstellt.

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/research/social-sciences/pdf/sustainable-cities-report_en.pdf
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave
02.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT

nachricht Europaweite Studie zu Antibiotikaresistenzen in Krankenhäusern
18.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie