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Studie zu Chancen und Herausforderungen deutscher Unternehmen nach der Krise

24.03.2010
Exportorientierung alternativlos für Deutschland - Anhaltende Volatilität - 50 exemplarische Wachstumsfelder

Entscheidungsträger in Unternehmen und Politik sollten sich nach Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey & Company auf eine anhaltende Phase hoher Volatilität einstellen.

"Unternehmen sollten jederzeit darauf vorbereitet sein, unverhoffte Chancen ergreifen und unerwartete Schocks absorbieren zu können", sagte Frank Mattern, Managing Partner Deutschland, zur Vorstellung der neuen Studie "Willkommen in der volatilen Welt". Der globale Wachstumspfad sei intakt, damit sei eine zyklische Erholung der deutschen Wirtschaft auf das Vorkrisenniveau bis 2012/13 weiterhin möglich. Der Korridor der möglichen konjunkturellen Entwicklung habe sich jedoch angesichts der zahlreichen globalen Risiken verbreitert.

Unternehmerische Entscheidungen werden damit ebenso wie politische Weichenstellungen der gestiegenen Unsicherheit und Volatilität Rechnung tragen müssen. Frank Mattern: "Das ist kein Grund zur Besorgnis: Mit einer austarierten Orientierung an Wachstum, Widerstandskraft und Erneuerung eröffnet sich in der volatilen Welt ein enormer Chancenreichtum".

Beschäftigungslücke bis 2020

Für die Studie hat McKinsey neun Branchen analysiert: Automobil-,
Chemie- und Stahlindustrie, Investitionsgüter, Transport und Logistik, die Gesundheitsbranche, Energie- und Versicherungswirtschaft sowie Banken. Die Untersuchung liefert eine detaillierte Faktenbasis zu den Perspektiven der Branchen in den kommenden drei bis fünf Jahren und benennt exemplarisch 50 Wachstumsfelder. Bis 2020 werden in Deutschland laut Berechnung von McKinsey je nach gesamtwirtschaftlicher Entwicklung bis zu zwei Millionen Arbeitskräfte fehlen. Die Krise hat zwar die Nachfrage nach Arbeitskräften gedämpft, doch wird die demografische Verschiebung diesen Effekt überkompensieren.

Exportorientierung weiterhin richtig

Die deutsche Wirtschaft sollte unbeirrt auf Exporterfolge setzen und ihren industriellen Kern stärken. "Die hohe Industrialisierung und die hohe Exportorientierung sind für unser Wirtschaftsmodell richtig und alternativlos. 60 Prozent der Wirtschaftsentwicklung der vergangenen zehn Jahre wurden durch den Export getrieben, das sichert den Wohlstand und schafft Kaufkraft. Wenn wir über die Stärkung des Dienstleistungssektors nachdenken, sollten wir zuvorderst auf industrienahe Dienstleistungen schauen, um die Abhängigkeit von den Konjunkturzyklen zu mildern", so Mattern weiter.

Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise bieten den deutschen Unternehmen nach der McKinsey-Studie neue Chancen, aber auch Herausforderungen. So hat der Nachfrageeinbruch in den Industrieländern weltweit zu einer der schwächsten Kapazitätsauslastungen in der Automobilindustrie seit 20 Jahren geführt. Bis 2020 kommen zudem 110 bis 120 Milliarden Euro an Belastung auf die Branche zu, um die verbindlich geregelten CO2-Ziele zu erfüllen. Der technologische Wandel vom Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität wird die Aufgabenverteilung zwischen Herstellern und Zulieferern deutlich verändern. Unternehmen anderer Branchen sowie Neugründungen mit innovativer Technik werden die Bühne der Automobilindustrie betreten. Christian Malorny, Leiter des deutschen Automobilsektors bei McKinsey: "Die deutschen Unternehmen sind dank ihrer im internationalen Vergleich starken Ausgangsposition gut gerüstet, um aus den Veränderungen gestärkt hervorzugehen."

In der Stahlindustrie werden sich nach starken Jahren mit wachsender Nachfrage aus den Schwellenländern und hohen Investitionen in neue Produktionsstätten wegen des Nachfrageeinbruchs die ungenutzten Kapazitäten in Europa bis 2012 auf ca. 71 Millionen Jahrestonnen summieren. Dass die europäischen Standorte durchweg teurer produzieren, erhöht den Anpassungsbedarf für deutsche Anbieter. Eine Sockelproduktion von 130 bis 140 Millionen Jahrestonnen in Europa gilt in jedem Fall als gesichert.

Richtungsweisend für die Zukunftsfähigkeit der Hersteller sind nach Darstellung von McKinsey Konsolidierung, eine Steigerung der Kosteneffizienz und eine Rückwärtsintegration in die Rohstoffmärkte.

Wachstum mit Energieeffizienz

In weniger exportorientierten Wirtschaftsbereichen sind die Herausforderungen anders gelagert. So spürt die Energiebranche die Krise an einem Rückgang des Stromverbrauchs in Deutschland um 5 Prozent im Jahr 2009 und einem daraus resultierenden Ergebnisrückgang von bis zu 10 Prozent im Geschäftsjahr 2010/11. Hinzu kommen finanzielle Belastungen aus der anstehenden Regulierung und dem Klimaschutz. Die Branche muss bis 2020 in Deutschland 60 bis 80 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren, während im gleichen Zeitraum die regulatorischen Eingriffe eine Gewinnbelastung von rund 7 Milliarden Euro mit sich bringen, etwa für die CO2-Zertifikate, die von 2013 an kostenpflichtig sind. Unterm Strich überwiegen aber die Chancen aus dem Wachstumsfeld Energieeffizienz, wenn es gelingt, die Herausforderungen im Rahmen eines nationalen Energieplans zu meistern.

Eigenkapitallücke im Bankensektor

Der Banken- und Finanzsektor benötigt nach Einschätzung von McKinsey eine grundlegende Erneuerung, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und die Entwicklung der deutschen Realwirtschaft zu unterstützen. Der Ausstieg des Staates kann nur gelingen, wenn eine Investition in Banken für private Kapitalgeber ausreichend attraktiv wird. Die Banken müssen in den nächsten Jahren auf eine Eigenkapitalbasis von rund 400 Milliarden Euro kommen.

Zurzeit verfügen sie über rund 340 Milliarden Euro, inklusive der zurückzuzahlenden Finanzspritzen des Bundes von rund 50 Milliarden Euro. Somit besteht ein Kapitalbedarf von 110 Milliarden Euro. Eckart Windhagen, Leiter des deutschen Bankensektors bei McKinsey, erläutert: "In weiten Teilen der Branche ist ein Investment Case für privates Kapital nur über tief greifende Restrukturierung zu erreichen."

Kai Peter Rath | presseportal
Weitere Informationen:
http://www.mckinsey.com

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