Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Studie belegt: In Hessen gibt es einen akuten Mangel an Pflegekräften

23.03.2010
In Hessen gibt es einen akuten Mangel an Pflegekräften; der regionale Arbeitsmarkt für Stellensuchende ist günstiger denn je. Die Engpässe machen sich in der Versorgung von kranken und alten Menschen sowohl in Krankenhäusern und Pflegeheimen als auch in Rehabilitationskliniken und in der ambulanten Pflege bemerkbar.

Um das aktuelle Verhältnis von Pflegekräften zu Pflegebedürftigen zu erhalten, müsste sich allein in der Altenhilfe der Anteil an Beschäftigten bis 2020 um ein Drittel erhöhen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Goethe-Universität vorgelegte Studie, die die hessischen Pflegearbeitsmärkte untersucht hat.

Die zweite Befragungswelle des Hessischen Pflegemonitors, der im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Arbeit, Familie und Gesundheit erhoben wird, wurde soeben abgeschlossen. Die übersichtlich aufbereiteten Daten zur aktuellen und zukünftigen Lage auf den Pflegearbeitsmärkten sind für alle interessierten Nutzer ab sofort über eine Internetplattform abrufbar: www.hessischer-pflegemonitor.de. So lässt sich beispielsweise detailliert ablesen, wie sich die Situation in den einzelnen hessischen Regionen darstellt und welche Trends aufgrund der demografischen Veränderungen zu erwarten sind.

"Gerade im Hinblick auf die demografische Entwicklung wird der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte in den kommenden Jahrzehnten eine immer größere Bedeutung gewinnen. Deshalb hat das Land Hessen den Hessischen Pflegemonitor entwickelt", erklärte Jürgen Banzer, Hessischer Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, heute anlässlich der Freischaltung der aktuellen Zahlen. Hessen nimmt beim Monitoring von Pflegearbeitsmärkten bundesweit eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2003 arbeiten das IWAK und das Ministerium an diesem Projekt. Dazu die Geschäftsführerin des IWAK, Dr. Christa Larsen: "Das Land Hessen ist damit gut gewappnet, um die Auswirkungen der demografischen Verschiebung einplanen zu können. Der Hessische Pflegemonitor liefert regelmäßig wissenschaftlich belastbare Daten und schafft so Transparenz, die als Grundlage für Planung und Steuerung der Ausbildung von Pflegkräften insbesondere in der Altenhilfe genutzt wird."

Die heute veröffentlichten Zahlen stammen aus einer Befragung, die im Frühjahr 2009 stattfand und jetzt abschließend ausgewertet wurde. Der zuständige Wissenschaftler beim IWAK, Diplom-Soziologe Roland Bieräugel, nennt die wichtigsten Trends: "In Hessen fehlten im Jahr 2008 insgesamt 4.828 Altenpflegerinnen und -pfleger sowie Krankenpflegerinnen und -pfleger; das sind circa 10 Prozent aller 2008 in Hessen beschäftigen Pflegefachkräfte. Zurzeit ist insbesondere die Rhein-Main-Region vom Mangel betroffen. Die Situation hat sich massiv gedreht: Im Jahr 2006 hatten wir noch ein Überhang von 1.426 Pflegefachkräften gemessen."

Um den Bedarf an Pflegekräften zu messen, führt das IWAK im Rhythmus von zwei Jahren eine Befragung aller Einrichtungen der hessischen Alten- und Krankenpflege durch und stellt diese Nachfrage dem vorhandenen Angebot an arbeitslosen Pflegekräften und Absolventen der Alten- und Krankenpflegeschulen gegenüber. Dadurch lassen sich Mangel, aber auch Überhänge an Pflegekräften differenziert nach Versorgungsbereichen, Berufsgruppen und Qualifikationsebenen identifizierten. Bieräugel ergänzt: "Eine Besonderheit des Hessischen Pflegemonitors besteht in seiner starken regionalen Ausrichtung. Neben einer Analyse der Situation für Gesamthessen richtet sich der Blick auch auf die einzelnen hessischen Landkreise und kreisfreien Städte." Die Problemlagen sind aufgrund von unterschiedlichen demografischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Bedingungen völlig verschieden: Während aktuelle Engpässe vor allem in den urbanen Gebieten Hessens auftreten, steigt der zukünftige Bedarf an Pflegekräften wegen der demografischen Entwicklung in den strukturschwachen ländlichen Gebieten Hessens deutlich stärker als in den großen Städten. Lösungsansätze, um die aktueller und zukünftiger Engpässe abzufedern, müssen unter diesen regionalen Besonderheiten entwickelt und umgesetzt werden. "Dazu bieten unsere Daten eine wichtige Basis", so Bieräugel.

Das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) ist ein Zentrum für praxisorientierte Forschung und wissenschaftliche Politikberatung an der Goethe-Universität. Sein Ziel ist die Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden, um Fragestellungen aus den Bereichen Arbeitsmarkt und regionale Wirtschaftsentwicklung zu lösen und praxisrelevante Entwicklungen und Probleme in den wissenschaftlichen Diskurs rückzukoppeln. Das IWAK forscht interdisziplinär und partizipativ, bindet also die Akteure aus Politik und Wirtschaft und deren Bedürfnisse stark in seine Arbeit ein.

Informationen: Dr. Christa Larsen und Diplom-Soziologe Roland Bieräugel, Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), Campus Bockenheim, Tel: (069) 798-22152 oder -23128; c.larsen@em.uni-frankfurt.de / bieraeugel@em.uni-frankfurt.de

Ulrike Jaspers | idw
Weitere Informationen:
http://www.iwak-frankfurt.de /

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Zirkuläre Wirtschaft: Neues Wirtschaftsmodell für die chemische Industrie?
28.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

nachricht Unternehmen entwickeln sich zu Serviceanbietern
25.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

22.08.2017 | Physik Astronomie

Forscher beschreiben neuartigen Antikörper als möglichen Wirkstoff gegen Alzheimer

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Virus mit Eierschale

22.08.2017 | Biowissenschaften Chemie