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Studie über Arbeitsbedingungen von Max-Planck-Doktoranden liegt vor

18.11.2010
Abschlussbericht der Max Planck PhDnet Doktorandenbefragung 2009 veröffentlicht

Über siebzig Prozent aller befragten Max-Planck-Doktoranden sind mit der Betreuung und mit dem Promotionsprogramm an ihren Instituten zufrieden, auch wenn es mitunter Kritik an der Finanzierung der Promotion gibt.

Zu diesem Ergebnis kommt der jüngst veröffentlichte Abschlussbericht der Max Planck PhDnet Befragung 2009. Seit fünf Jahren führt die größte deutsche Doktorandenvereinigung die Befragungen unter den Doktoranden in Eigeninitiative durch. An der nun veröffentlichten Umfrage beteiligten sich über 60 Prozent aller Doktoranden der Max-Planck-Gesellschaft.

Derzeit arbeiten an den rund 80 Max-Planck-Instituten ungefähr 4500 Promovierende an ihrer Doktorarbeit. „Gute Arbeitsbedingungen für alle Doktoranden zu schaffen, ist mir ein zentrales Anliegen“, sagt Max-Planck-Präsident Peter Gruss, der die Umfrage nachdrücklich unterstützt. Durch die hohe Beteiligung liefere die Befragung eine innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft einzigartige Quelle an Informationen über die Motivation und Arbeitsbedingungen der Doktoranden.

Die Max-Planck-Gesellschaft wird von Studierenden an deutschen Hochschulen seit Jahren als einer der begehrtesten zukünftigen Arbeitgeber im Bereich der Naturwissenschaften genannt. Die Ergebnisse der Befragung bestätigen, dass über 70 Prozent der befragten Max-Planck-Doktoranden zufrieden oder sehr zufrieden mit der Betreuung an ihrem Institut und mit dem Promotionsprogramm sind. Doktoranden aus dem Ausland wählen die Max-Planck-Institute vor allem wegen ihres ausgezeichneten wissenschaftlichen Rufs, dem internationalen Arbeitsumfeld und der hervorragenden Ausstattung.

Nach der Promotion streben jedoch nur 37 Prozent der Max-Planck-Doktoranden eine wissenschaftliche Karriere an. Viele fürchten, Familie und Beruf nicht vereinbaren zu können und schätzen die Karriereaussichten als sehr unsicher ein. „Die Max-Planck-Gesellschaft bemüht sich deshalb, die Infrastruktur an Kindertagesstätten so auszubauen, dass junge Familien hinreichend entlastet werden“, sagt Peter Gruss. „Wir werden hier weiter nach Lösungsmöglichkeiten suchen müssen, um insbesondere auch an kleinen Max-Planck-Instituten eine Kinderbetreuung und damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu unterstützen.“ Für ihre Bemühungen wurde die Forschungsorganisation bereits zum zweiten Mal mit dem Zertifikat der gemeinnützigen GmbH berufundfamilie ausgezeichnet.

Die Antworten auf die Doktorandenumfrage zeigen, wie Promotionsprogramme die Erfolgschancen der Doktoranden erhöhen können. So ist ein gutes Verhältnis zwischen Doktorand und Betreuer wesentlich für den Erfolg einer Doktorarbeit. 20 Prozent der Befragten gaben an, wegen persönlichen oder arbeitsbezogenen Problemen mit ihrem Betreuer über einen Abbruch der Doktorarbeit nachgedacht zu haben. Doktoranden, die ihren Betreuer selbst auswählen und regelmäßig treffen können, sind zufriedener mit ihrer Betreuung und denken seltener daran, ihre Doktorarbeit abzubrechen.“ Angesichts der zentralen Bedeutung eines guten Verhältnisses mit dem Betreuer sollten verstärkt Angebote zur Schulung von Betreuern sowie zum Umgang mit Konflikten im Betreuungsverhältnis angeboten werden“, sagt Dorothea Hämmerer, Projektleiterin der Studie.

Kritik üben die Befragten vor allem an der Finanzierung. Derzeit erhalten Doktoranden entweder ein Stipendium oder einen Vertrag. Während Stipendiaten keinen vertraglichen Verpflichtungen zur Mitarbeit in den Instituten unterliegen, sind Doktoranden mit Verträgen Mitarbeiter der Institute und deshalb sozial besser abgesichert durch Kranken-, Sozial-, und Rentenversicherung. Derzeit erhalten 2034 Doktoranden ein Stipendium, 1469 Doktoranden arbeiten auf Vertragsbasis. In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Stipendien in der Max-Planck-Gesellschaft stärker gestiegen als die der Verträge. Während die meisten deutschen Doktoranden auf Vertragsbasis beschäftigt sind, erhalten internationale Doktoranden oft ein Stipendium.

„Viele ausländische Doktoranden empfinden ein Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft als besondere Auszeichnung, das ihnen ein selbstständiges, freies Forschen in einem international anregenden Forschungsumfeld ermöglicht“, betont Gruss. Gleichzeitig seien die Unterschiede in der Bezahlung von Doktoranden und Stipendiaten unbefriedigend. Diese Diskrepanz beschäftigt auch den Sprecher des Max Planck PhDnet, Daniel Kalthoff: „Eines unserer zentralen Anliegen ist, dass Doktoranden an Max-Planck-Instituten ein vergleichbares Netto-Entgelt erhalten – und zwar unabhängig vom Finanzierungsmodell.“

Seit längerem strebt die Max-Planck-Gesellschaft deshalb eine Annäherung von Stipendien- und Doktorandensätzen an. Derzeit wird mit Bund und Ländern über die Anhebung des Stipendienhöchstsatzes und bessere Rahmenbedingungen für Stipendiaten verhandelt. „Wir hoffen, dass diese Änderungen 2011 umgesetzt werden“, so Gruss, der gleichzeitig deutlich macht, dass es eine vollkommene Gleichstellung von Stipendiaten und Doktoranden nicht geben könne, da Stipendiaten keine Beschäftigten der Institute seien. „Wir erwarten, dass im kommenden Jahr die politische Weichenstellung hin zu einer Harmonisierung von Vertrag und Stipendium weiter vorangetrieben und dies an den Instituten entsprechend umgesetzt wird“, so Kalthoff.

Weitere Themen der Befragung waren unter anderem die Ausbildung in den „International Max Planck Research Schools" (IMPRS), Elternschaft während der Doktorarbeit und die Einbindung ausländischer Doktoranden. „Als Doktoranden übernehmen wir einen wichtigen Teil der grundlegenden Arbeit, die wissenschaftliche Forschung vorantreibt“, so Hämmerer. „Doch häufig wird die Leidenschaft und die Motivation, die gerade Nachwuchswissenschaftler für ihre Arbeit aufbringen, durch Faktoren gedämpft, die Doktoranden alleine nicht beeinflussen können. Unsere Befragung soll dazu beitragen, diese Faktoren zu identifizieren und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Davon kann die gesamte Wissenschaftslandschaft in Deutschland profitieren.“

Die Doktoranden in der Max-Planck-Gesellschaft sind im Max-Planck PhDnet organisiert, das seit 2005 in Zwei-Jahres-Abständen Befragungen unter den Doktoranden in Eigeninitiative durchführt. Der vollständige Bericht kann unter folgender Adresse heruntergeladen werden: www.phdnet.mpg.de/. Für weitere Informationen können Sie die Autoren der Studie unter folgender E-Mail-Adresse erreichen: survey@phdnet.de

Autoren des Berichts:

Dorothea Hämmerer, Projektleiterin der Umfrage
Max Planck Institut für Bildungsforschung
Lentzeallee 94, Berlin
Tel.: +49 (0)30-82406 643
Fax: +49 (0)30-8249 939
Susannah Burrows
Max Planck Institut für Chemie
Johann-Joachim-Becherweg 27, Mainz
Tel.: +49 (0)6131-305 437
Fax: +49 (0)6131-305 511
Leonard Burtscher
Max Planck Institut für Astronomie
Königstuhl 17, Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221 528 405
Fax: +49 (0)6221 528 246
Axinja Hachfeld
Max Planck Institut für Bildungsforschung
Lentzeallee 94, Berlin
Tel.: +49 (0)30 82406 671
Fax: +49 (0)30-8249 939
Das Max Planck PhDnet: Eine der größten Doktorandenvereinigungen Deutschlands
Das Max-Planck-PhDnet (www.phdnet.mpg.de) vertritt die Interessen der derzeit rund 4500 Doktoranden an 80 Max-Planck-Instituten und ist damit eine der größten Doktorandenvereinigungen Deutschlands. Gegründet wurde das Netzwerk 2003 mit dem Ziel, die Doktorandenausbildung und die Arbeitsbedingungen von Doktoranden in der Max-Planck-Gesellschaft zu verbessern. Das Netzwerk hilft außerdem, die Vernetzung zwischen den Doktoranden an einzelnen Instituten zu stärken, gemeinsame Probleme zu erkennen und zu deren Lösung beizutragen, sowie Weiterbildungsmöglichkeiten anzubieten.
Nähere Informationen zum PhDnet finden Sie unter: www.phdnet.mpg.de/
Allgemeine Anfragen zum PhDnet werden beantwortet unter: phd-sec@phdnet.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.phdnet.mpg.de/
http://www.phdnet.mpg.de/documents/PhDnet-Survey_2009.pdf

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