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Studie an 46 deutschen Stroke Units: Frühe Hemmung der Blutplättchen senkt Risiko eines weiteren Schlaganfalls

18.01.2010
Eine aktuelle Arbeit an 46 deutschen Stroke Units wurde jetzt in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology veröffentlicht.

Mit dem so genannten EARLY-Trial gingen mehr als 250 Neurologen der Frage nach, ob eine Kombinationstherapie aus zwei Thrombozytenfunktionshemmern innerhalb der ersten 24 Stunden nach einem Schlaganfall die Prognose der Patienten verbessert.

Die Ergebnisse zeigen - in Verbindung mit den Resultaten der Studie FASTER - dass die frühe Intervention mit Thrombozytenfunktionshemmer den Patienten zugute kommt. Die Kombination aus zwei Wirkstoffen erwies sich tendenziell günstiger als ein Therapiestart nur mit Acetylsalicylsäure (ASS). Weitere Studien sind jedoch erforderlich, um diese Frage sicher zu beantworten.

Die Behandlung während der ersten Stunden nach einem Schlaganfall ist entscheidend für den weiteren Verlauf - sowohl für das Risiko eines erneuten Schlaganfalls wie auch für die Schwere der Behinderung. Damit Neurologen auf Schlaganfallstationen möglichst schnell eine optimale Therapie einleiten können, sind sie auf Studien angewiesen. Das fast lückenlose Netz der rund 200 Schlaganfallspezialeinheiten ("Stroke Units") in Deutschland eignet sich wie keine zweite Infrastruktur weltweit, um diese frühen Untersuchungen durchzuführen.

"Es ist ein großer Erfolg, dass sich 46 deutsche Stroke Units zusammengefunden haben, um der wichtigen Frage nach dem Wert einer frühen Thrombozytenfunktionshemmung nachzugehen", kommentiert Professor Joachim Röther (Minden), designierter Präsident der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Arbeit seiner Kollegen.

In die aktuelle EARLY-Studie wurden 543 Patienten bereits innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem ischämischen Ereignis mit Thrombozytenfunktionshemmern behandelt. Nach dem Zufallsprinzip hatten diese Patienten in der ersten sieben Tagen entweder ASS erhalten oder ein Kombinationspräparat aus ASS und retardiertem Dipyridamol. Danach bekamen alle Probanden bis zum Abschluss des 90-tägigen Studienzeitraums das Kombinationspräparat.

Welche Medikamente nützen am meisten nach einem Schlaganfall?

"Auch wenn der Effekt der frühen Kombinationstherapie mit ASS und Dipyridamol noch nicht eindeutig gezeigt werden konnte, so ist die Botschaft auf dem Boden der kombinierten Analyse der aktuellen Studie EARLY und der früheren Studie FASTER dennoch eindeutig: Die Thrombozytenfunktionshemmung muss so frühzeitig wie möglich beginnen, um das Risiko früher Rezidivinfarkte zu verringern", kommentiert Röther.

Der aktuelle Stand des Wissens zu diesem Problem - der frühen Sekundärprophylaxe nach einem ischämischen Schlaganfall - spiegelt sich in den Leitlinien aller Fachgesellschaften wider, in denen als Goldstandard die Gabe von ASS bereits empfohlen wird. Allerdings wurden die Patienten in den meisten Studien zur Sekundärprophylaxe erst ein bis sechs Monate nach dem Schlaganfall aufgenommen, erläutern die Mediziner der Studie unter Leitung von Professor Reinhard Dengler, dem Direktor der Neurologischen Klinik an der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Studie sei wichtig, denn noch sei "die beste Therapie innerhalb der ersten 24 Stunden unklar", schreiben sie in The Lancet Neurology.

Trend zugunsten der frühen Gabe von Thrombozytenfunktionshemmern als Kombinationstherapie

Der Nutzen der Kombinationsbehandlung wurde primär telefonisch anhand des modifizierten Ranking Score (tele-mRS) ermittelt, einer weit verbreiteten Skala für die Schwere von Behinderungen nach einem Schlaganfall. Hier gab es fast keinen Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen: 56,4 Prozent derjenigen, die das Kombinationspräparat früh erhalten hatten, behielten nach 90 Tagen keine oder nur leichte Behinderungen zurück gegenüber 52,4 Prozent derjenigen, die zuerst ASS bekommen hatten. Die frühe Gabe der Kombination erwies sich dabei als sicher und erhöhte das Risiko zerebraler Blutungskomplikationen nicht.

Als wichtigsten sekundären Endpunkt hatten die Wissenschaftler um Dengler die Kombination aus Sterblichkeit, nicht-tödlichen Schlaganfällen, transienten ischämischen Attacken (TIA) und Blutungskomplikationen festgelegt. Solche unerwünschten Ereignisse traten bei 28 (9,9 Prozent) der Patienten auf, die früh mit der Kombination behandelt wurde, und bei 38 Patienten (14,6 Prozent) aus der späten Behandlungsgruppe. Dieser Trend zugunsten eines frühen Starts der Kombinationsbehandlung war zwar statistisch nicht signifikant. Jedoch zeigte sich ein eindeutiger Behandlungsvorteil durch die Kombination zweier Thrombozytenfunktionshemmer, gemessen an der Gesamtzahl der Todesfälle, nichttödlichen Schlaganfälle, Herzinfarkte, TIA und schweren Blutungen, als eine Meta-Analyse mit Daten der FASTER-Studie (Fast Assessment of Stroke and Transient Ischaemic Attack to Prevent Early Recurrence ) durchgeführt wurde. FASTER hatte die Monotherapie mit ASS mit einer Kombinationstherapie aus ASS und Clopidogrel verglichen.

Die EARLY-Studie wurde mit Unterstützung des Unternehmens Boehringer Ingelheim durchgeführt.

o Dengler R, Diener HC, Schwartz A, Grond M, Schumacher H, Machnig T, Eschenfelder CC, Leonard J, Weissenborn K, Kastrup A, Haberl R. Early treatment with aspirin plus extended-release dipyridamole for transient ischaemic attack or ischaemic stroke within 24 h of symptom onset (EARLY trial): a randomised, open-label, blinded-endpoint trial. Lancet Neurol. 2010 Jan 7. [Epub ahead of print].

o Aktuelle Leitlinie der DGN zur Primär- und Sekundärprävention der zerebralen Ischämie

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen
Prof. Dr. med. Joachim Röther
Chefarzt der Neurologischen Klinik
Johannes Wesling Klinikum Minden
Tel.: 0571/7903501, Fax: 0571/790293500
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.
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