Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stress ade? HMS-Studie zeigt Zusammenhang zwischen Computerspielen und Erholung am Arbeitsplatz

17.09.2008
Den meisten Chefs sind sie ein Dorn im Auge: Solitaire, Sudoku und ähnliche Computerspiele, die vielen Büroarbeitern eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag bieten.
Ist das "Daddeln" am Arbeitsplatz bloße Zeitverschwendung? Nicht unbedingt, wie die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Hamburg Media School verdeutlichen.

Computer und Internetzugang sind feste Bestandteile moderner Büroarbeitsplätze.

Neben ihrem professionellen Einsatz zur Bewältigung des Berufsalltags bieten diese Medien eine Vielfalt von Unterhaltungs- und Ablenkungsmöglichkeiten. Eine ganze Fülle von "Casual Games", kleinen Onlinespielen, die sich meist direkt im Web-Browser des Benutzers spielen lassen, ist nur einen Klick entfernt. Eine aktuelle Studie der Hamburg Media School unter der Leitung der Medienpsychologen Prof. Sabine Trepte und Leonard Reinecke zeigt, dass rund die Hälfte der befragten Nutzer von Casual-Games auch im Büro gelegentlich eine Partie Tetris, Mahjong oder Sudoku spielt.

Computerspiele tragen zur Erholung bei

Was sind Beweggründe für Spieler, ein Online Game während der Arbeitszeit zu nutzen? Ist das Spielen am Arbeitsplatz bloße Verschwendung kostbarer Arbeitszeit? Die Ergebnisse der Studie weisen in eine andere Richtung. Für viele der Befragten stellen Computerspiele am Arbeitsplatz eine willkommene Gelegenheit zum Durchatmen dar. Spiele werden während der Arbeitszeit gezielt eingesetzt, um sich von vorangegangenen Arbeitsbelastungen zu erholen. "Computerspiele wirken auf ganz verschiedene Weise erholsam: Zum einen lassen sie den Spieler für einen kurzen Moment den Arbeitsstress vergessen und wirken somit entspannend, zum anderen bieten sie Herausforderung und Erfolgserlebnisse und können so zu einer besseren Stimmung verhelfen", erklärt Medienpsychologe Leonard Reinecke.

Personen mit starker Arbeitsbelastung spielen mehr

Besonders attraktiv sind Computerspiele am Arbeitsplatz für Menschen, die starker Arbeitsbelastung ausgesetzt sind. Mehr Stress im Job ging in der Studie mit erhöhter Nutzung von Spielen während der Arbeitszeit einher. Auch das soziale Klima am Arbeitsplatz hat einen Einfluss. Personen mit mehr sozialer Unterstützung spielen seltener während der Arbeit als Personen, die nur auf wenig Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte zählen können. "Natürlich bedeutet die erholsame Wirkung von Computerspielen keinen 'Persilschein' für ungehemmtes Spielen während der Arbeitszeit", so Reinecke. Dennoch liefert die Studie Hinweise darauf, dass das Spielen am Arbeitsplatz eine positive Ressource darstellen kann, um die alltäglichen Belastungen des Arbeitslebens zu bewältigen.

In einer Onlinestudie befragten die Wissenschaftler insgesamt 1.010 Nutzer der Games-Portale Bigpoint.de und GameDuell.de zu ihrer Nutzung von Computerspielen am Arbeitsplatz. Die Stichprobe ist daher nicht repräsentativ für die werktätige Bevölkerung in Deutschland. Im Zentrum der Studie stand die Forschungsfrage, in welchem Umfang Computerspiele am Arbeitsplatz zur Erholung genutzt werden und welche Faktoren die Nutzung von Spielen während der Arbeitszeit beeinflussen.

Erfasst wurden neben der Arbeitsbelastung der Befragten und der sozialen Unterstützung am Arbeitsplatz auch Situationen, in denen Computerspiele während der Arbeitszeit genutzt werden, sowie das Erholungsgefühl, das mit dem Spielen am Arbeitsplatz einhergeht. Die aktuelle Befragung ist Teil einer Studienreihe der Hamburg Media School, die sich dem Erholungspotential von Video- und Computerspielen widmet. In einer ersten experimentellen Laborstudie aus dem Jahr 2006 konnten bereits positive Erholungseffekte von Computerspielen nachgewiesen werden. Versuchspersonen, die nach einer anstrengenden Textkorrekturaufgabe ein Computerspiel spielten, zeigten im Anschluss bessere Konzentrationsleistungen als Probanden, die nicht gespielt hatten.

Die Ergebnisse dieser Vorgängerstudie sind bereits in der Fachzeitschrift Journal of Media Psychology erschienen.

In einer Folgestudie gehen die Medienpsychologen nun der Frage nach, welchen Stellenwert Computerspiele im Alltag einnehmen und ob sie auch in der Freizeit zur Erholung beitragen können. Die Onlinestudie ist abrufbar unter http://www.hamburgmediaschool.com/gamesstudie. Teilnehmen können sowohl Computerspielbegeisterte als auch Nichtspieler.

Weitere Informationen zur Studie:

Leonard Reinecke (Dipl.-Psych.),
Hamburg Media School, Finkenau 35, 22081 Hamburg
Telefon: 040 - 413 468 - 25
Telefax: 040 - 413 468 - 10
E-Mail: l.reinecke@hamburgmediaschool.com
Die als Public-Private-Partnership organisierte Hamburg Media School wird von 30 renommierten Medienunternehmen getragen und bildet in ihren zweijährigen Aufbaustudiengängen Medienmanagement, Journalismus und Film auf professionellem Niveau angehende Kreative und Entscheider der Medienbranche aus.

Sabine Lucht | idw
Weitere Informationen:
http://www.hamburgmediaschool.com
http://www.hamburgmediaschool.com/gamesstudie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?
16.05.2017 | Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

nachricht Klimawandel: ungeahnte Rolle der Bodenerosion
11.04.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligente Sensoren mit System

29.05.2017 | Messenachrichten

Geckos kommunizieren überraschend flexibel

29.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

1,5 Millionen Euro für vier neue „Innovative Training Networks” an der Universität Hamburg

29.05.2017 | Förderungen Preise