Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Straßenverkehr feuert Asthma-Entstehung an

06.05.2009
Langzeitstudie beweist: Erwachsene ebenso betroffen wie Kinder

Das Risiko, an Asthma zu erkranken, ist umso höher, je mehr die Luft am Wohnort mit Feinstaub aus dem Straßenverkehr verschmutzt ist. Das gilt sowohl für Kinder, als auch für erwachsene Nichtraucher. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Swiss Cohort Study on Air Pollution and Lung Diseases in Adults (Sapaldia), die vom Schweizerischen Nationalfonds gefördert wurde.

Asthma gehört bei Kindern zu den häufigsten chronischen Krankheiten. Doch auch Erwachsene können diese entzündliche Erkrankung der Atemwege neu entwickeln. Asthma belastet die Betroffenen sehr, denn sie geht mit einer dauerhaften Überempfindlichkeit gegenüber einer Vielzahl von Reizen einher und führt zu Anfällen von Luftnot. Nach den jüngsten Untersuchungsergebnissen der Sapaldia-Kohortenstudie zufolge hat der Straßenverkehr unmittelbaren Einfluss auf die Entwicklung von Asthma bei Erwachsenen. Feinstäube mit weniger als zehn Mikrometer großen Kleinstpartikeln sind zwar schweizweit um insgesamt ein Viertel gesunken und machen durchschnittlich auch nur zwischen sechs und 16 Prozent der Gesamt-Feinstaubbelastung aus. Doch der verkehrsbedingte Feinstaub ist für die Gesundheit besonders gefährlich, denn der Studie zufolge gab es umso mehr Krankheitsfälle, je mehr von Autos ausgestoßener Feinstaub in die Wohnräume drangen.

Das Besondere am Studienergebnis war, dass die aufgetretenen Asthmafälle nicht geografisch zufällig über die Schweiz verteilt waren, sondern gehäuft entlang von stark befahrenen Straßen auftraten. Wo die Belastung sank, sank auch das Risiko, an Asthma zu erkranken. "Unsere Resultate tragen zur städtebaulichen Diskussion bei, welche Gebäude in welchem Abstand von verkehrsintensiven Straßen errichtet werden sollen", so Studienerstautor Nino Künzli, der als Ordinarius für Sozial- und Präventivmedizin an der Universität Basel http://www.unibas.ch tätig ist, gegenüber pressetext. "Die bisher einzige auf die Luftverschmutzung abgestimmte Regulierung in Kalifornien, wo innerhalb von 300 Metern Abstand zu Autobahnen keine neue Schulen errichtet werden dürfen, deckt sich mit den Befunden der Studie", so Künzli.

Die Belastung der untersuchten Personen haben die Forscher mit einem bisher einzigartigen Modell, das die stündlichen Feinstaubemissionen des Verkehrs während der gesamten Zeitspanne mit meteorologischen Daten wie Wind und Niederschlag kombiniert hat, gemessen. Anhand dieses Modells konnten die Wissenschaftler auch den zeitlichen Verlauf der Feinstaubbelastung für die acht Gegenden, aus denen die untersuchten Personen stammen, festlegen. Das Wissenschaftsteam hat die Untersuchungen auf Personen konzentriert, die nie geraucht haben. "Im Zigarettenrauch sind zum Großteil die gleichen Schadstoffe enthalten, die auch der Straßenverkehr produziert - allerdings in viel stärkeren Konzentrationen." Das sei auch der Grund dafür, dass Raucher auch ohne Luftverschmutzung ein erhöhtes Asthma-Risiko aufweisen.

Luftreinhaltemaßnahmen haben in der Schweiz die Feinstaubbelastung zwischen 1991 und 2002 sinken lassen. Dabei hat die Verschmutzung in städtischen Gebieten stärker nachgelassen als in ländlichen Gebieten. "Auch wenn die sinkende Luftbelastung eine gute Nachricht ist, erkranken weiterhin Menschen an Asthma", so Künzli. Das sei Grund genug, dass nur noch Fahrzeuge mit minimalem oder sogar ohne Schadstoffausstoß verkauft werden sollten, meint der Forscher.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.sapaldia.net
http://www.snf.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Neue Gene für das Risiko von allergischen Erkrankungen entdeckt
21.11.2017 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

nachricht Bedeutung von Biodiversität in Wäldern könnte mit Klimawandel zunehmen
17.11.2017 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung