Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stopp für Blutgerinnsel im Herzen

20.01.2015

Klinische Studie untersucht den Nutzen von Herzimplantaten für nierenkranke Patienten mit Vorhofflimmern

Ärzte der Magdeburger Universitätsklinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie untersuchen im Rahmen einer multizentrischen, prospektiv-randomisierten Studie die langfristigen Unterschiede der Behandlung nierenkranker Patienten mit Vorhofflimmern unter Einnahme von Blutgerinnungshemmern (sogenannten Vitamin-K-Antagonisten) gegenüber dem minimal-invasiven Einsatz eines schirmartigen Implantates im Herzohr (dem sogenannten Watchman Occluder).


Studienleiter Prof. Dr. Rüdiger Braun-Dullaeus mit dem Implantat

Foto: Uniklinik Magdeburg

Dazu sollen in den nächsten beiden Jahren 250 herzkranke Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und Patienten unter Dialyse für die Studie rekrutiert werden. Vorgesehen ist eine zweijährige Nachbeobachtungszeit, so der Studienleiter Prof. Dr. Rüdiger Braun-Dullaeus über die sog. WATCH-Studie an der sich 10 weitere Kliniken in Deutschland beteiligen.

Der Hintergrund:
Eine unter älteren Menschen häufige Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern. Dabei kommt es zu einer elektrischen Übererregung der Herzvorhöfe. Dabei besteht die Gefahr, dass Blutgerinnsel (Thromben) im linken Vorhof entstehen und mit dem Blutstrom bis in die Hirngefäße gelangen. Wenn sie ein Hirngefäß verstopfen, kommt es zum Schlaganfall. „Um das zu verhindern, müssen Patienten mit Vorhofflimmern Medikamente einnehmen, die die Blutgerinnung hemmen“, so Prof. Braun-Dullaeus.

Die längsten Erfahrungen hat man mit Substanzen, die die Bildung von Vitamin K verhindern (Cumarine wie Falithrom oder Marcumar). Vitamin K ist ein essentieller Bestandteil körpereigener Gerinnungsfaktoren, ohne die das Blut stets flüssig bleibt. Vitamin-K-Antagonisten können effektiv Schlaganfälle verhindern. Als Nebenwirkung erhöhen sie aber auch das Risiko innerer Blutungen, z. B. im Magen oder in das Gehirn.

„Ein erhöhtes Blutungsrisiko haben insbesondere herzkranke Menschen mit schlechten Nierenwerten“, so Braun-Dullaeus. Leider sind sie es auch, die ein deutlich erhöhtes Risiko für einen ischämischen Schlaganfall (ausgelöst durch ein Gerinnsel im Gehirn) haben. Neuere, orale Antikoagulanzien sind für sie nicht zugelassen. Doch es gibt eine Alternative.

Ein kleines „Ohr“ am Herzvorhof
Frühere Untersuchungen konnten zeigen, dass die Mehrzahl der in das Gehirn verschleppten Thromben in einem etwa Pflaumen-großen Anhängsel am linken Herzvorhof entstehen. Vermutlich handelt es sich dabei, ähnlich wie beim Blinddarm, um ein für Menschen nicht mehr lebensnotwendiges Überbleibsel der Evolution.

Im sogenannten Herzohr ist der Blutfluss ähnlich wie in einem toten Seitenarm eines Flusses reduziert. Dieser Umstand begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln bei Vorhofflimmern, die dann mit dem Blutstrom in das Gehirn gelangen. Um das zu verhindern, schieben Kardiologen einen Katheter von der Leiste durch die Venen in das Herzohr und verschließen es mit einem aufgespannten kleinen Schirmchen aus der Gedächtnislegierung Nitinol.

„Bisherige Studien konnten zeigen, dass Patienten nach Ablauf einer Implantat-Einheilungszeit von einigen Monaten ein ähnlich geringes Schlaganfallrisiko haben, wie unter Einnahme von Falithrom oder Marcumar“, so Braun-Dullaeus. Zugleich haben Patienten mit dem Schirmchen im Herzohr kein erhöhtes Blutungsrisiko mehr, da die Einnahme der Vitamin-K-Antagonisten entfällt. „Wir glauben, dass Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion den größten Vorteil von dieser minimal-invasiven Behandlungsmethode haben.“ Erste Ergebnisse aus der neuen Studie sollten in etwa vier Jahren vorliegen.

Text: Uwe Seidenfaden

Ansprechpartner für Redaktionen:
Prof. Dr. Rüdiger Braun-Dullaeus
Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie Magdeburg
Tel.: 0391-67-13203
E-Mail: r.braun-dullaeus@med.ovgu.de

Uwe Seidenfaden | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Studien Analysen:

nachricht Dialysepatienten besser vor Lungenentzündung schützen
17.01.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Studie der Uni Halle: Wie der Klimawandel das Pflanzenwachstum verändert
12.01.2018 | Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics