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Stifter können ihre Stiftung oft nicht loslassen: das Nachfolgeproblem ist vorprogrammiert

16.04.2012
Stifter können ihre Stiftung oft nicht loslassen. Statt rechtzeitig die Nachfolge zu planen, wollen sie sich vielmehr so lange für ihr Anliegen engagieren, bis sie gesundheitlich dazu nicht mehr in der Lage sind.
Das ist ein Ergebnis der Studie von Prof. Dr. Berit Sandberg, Hochschullehrerin im Studiengang Nonprofit-Management und Public Governance an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Die Wissenschaftlerin wird sie bei einem öffentlichen Colloquium im Rahmen der 3. Berliner Stiftungswoche vorstellen, die vom 17. bis 27. April 2012 in Berlin stattfindet. Dazu eingeladen haben die Maecenata Stiftung, die HTW Berlin und Active Philantropy.

„Vor allem kleine Stiftungen treffen keinerlei Vorkehrungen für einen Wechsel im Vorstand, den meisten fehlt das nötige Problembewusstsein“, sagt Prof. Dr. Sandberg, die für ihre Studie insgesamt 26 Stiftungen befragt hat. Man könne von einem typischen Verhaltensmuster sprechen. Erst wenn ein Vorstandsmitglied tatsächlich ausscheide, würde mit der Suche nach Nachfolgern begonnen, und zwar vor allem im Freundes- und Bekanntenkreis.

Die Wissenschaftlerin der HTW Berlin will mit ihrer Studie Aufklärungsarbeit leisten und für ein strukturelles Problem des Stiftungsbooms sensibilisieren, der in den letzten 20 Jahren zu beobachten war. Denn vor dem Hintergrund der Tatsache, dass zwei Drittel der Stifter bei Gründung ihrer Stiftung über 60 Jahre alt waren, ein Viertel sogar älter als 70 Jahre, werde es in den nächsten zehn Jahren aus Altersgründen einen Generationswechsel geben. Dabei werde es immer mehr Stiftungen geben, die nicht nur die Vermögensverwaltung auslagern, sondern bei denen Banken oder Anwälte sogar die Rolle des Stiftungsvorstandes übernehmen. „Der Geschäftssinn dürfte in diesen Fällen ausgeprägter sein als das Engagement für den Stiftungszweck“, vermutet Prof. Dr. Sandberg.

Nach Auffassung der HTW-Wissenschaftlerin steckt im Stiftungsboom außerdem ein qualitatives Problem. Viele Stiftungen seien von ihrer Vermögensausstattung her viel zu klein, um mit den Erträgen des Stiftungskapitals viel bewegen und langfristig überleben zu können.

Vorstand verzweifelt gesucht:
Öffentliches Colloquium im Rahmen der Berliner Stiftungswoche
Freitag, 27. April 2012, 12.30 – 15.00 Uhr
Humboldt-Viadrina School of Governance, Wilhelmstr. 67, Berlin-Mitte

Ansprechpartnerin für die Presse:
Prof. Dr. Berit Sandberg, HTW Berlin
E-Mail: berit.sandberg@htw-berlin.de

Gisela Hüttinger | idw
Weitere Informationen:
http://www.htw-berlin.de
http://www.berlinerstiftungswoche.eu/

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